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EGF-Projekte in Deutschland

20. März 2018

Deutschlandkarte mit bunten Pins.

Bisher hat Deutschland zehn Anträge mit einem EGF-Fördervolumen von insgesamt knapp 55 Mio. Euro erfolgreich gestellt.

Das zehnte deutsche EGF-Projekt unterstützt ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Reifenherstellers Goodyear Dunlop Tires Germany GmbH in Philippsburg (Baden-Württemberg), die aufgrund der dortigen Werksschließung ihren Arbeitsplatz verloren haben. Der EGF hilft diesen Personen, wieder in Arbeit zu kommen bzw. sich optimal auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Hierfür arbeiten die Europäische Union, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und die Sozialpartner Hand in Hand.

Goodyear:

Im Oktober 2016 gab die Geschäftsführung von Goodyear bekannt, dass das Reifenwerk in Philippsburg im Jahr 2017 geschlossen werden soll. Das Philippsburger Werk produzierte seit den 1960er Jahren Reifen, insbesondere im B-Segment, für kleinere oder mittelgroße Fahrzeuge. Die Ursache für die Entlassungen sind negative Folgen der Globalisierung. Der Marktanteil der EU an der weltweiten PKW-Produktion ist von 2000 bis 2015 erheblich gesunken, zugleich in Asien deutlich gestiegen, sodass es bei Goodyear im B-Segment zu erheblichen Überkapazitäten kam. Goodyear beschloss daher die Schließung des Werks in Philippsburg, das von allen europäischen Goodyear-Werken die größten Produktionskapazitäten für Reifen des B-Segments hat.

Das EGF-Projekt soll den 646 ehemaligen Beschäftigten des Reifenherstellers helfen, durch weitergehende Qualifizierungen, gezielte Arbeitsplatzsuche und Existenzgründungsberatungen am Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen.

Weitere Informationen

Mann mit Schutzhelm und Tablet in einem Reifenlager.
Quelle:  iStock

Das EGF-Projekt Goodyear - Zahlen, Daten, Fakten

  • Teilnehmende: 646
  • Antragstellung: 06.10.2017
  • Antragsbewilligung: 14.03.2018
  • Projektzeitraum: 01.01.2018-31.12.2019
  • Fördersumme: 3.6 Mio. Euro, davon 2.1 Mio. vom EGF
  • Projektumsetzer: weitblick - personalpartner GmbH
  • Projektinhalte: Qualifizierungsmaßnahmen, Peergroups und Workshops, Stellenakquise, Existenzgründerberatung, Betreuung nach der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt, usw.

Adam Opel:

Für die Förderung von 2.637 Entlassenen, die von der Schließung des Opel-Werkes zum 31. Dezember 2014 am Standort Bochum betroffen waren, und für 55 entlassene Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer des Zuliefererunternehmens Johnson Controls Objekt Bochum GmbH & Co KG, wurden 6,9 Mio. Euro EGF-Finanzbeitrag von der EU für den Förderzeitraum von August 2015 bis Januar 2017 genehmigt. Ursächlich für die Werkschließung war der Rückgang der Absatzzahlen für Fahrzeuge in Europa bedingt durch die Wirtschafts- und Finanzkrise mit einhergehendem hohen Preisdruck insbesondere im Bereich des mittleren Preissegments. Der Projektumsetzer war TÜV Nord Transfer GmbH & Co. KG. Während der Laufzeit des Projektes konnten die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Opel und Johnson Controls mit Hilfe der EGF-Mittel individuelle und personalisierte Angebote aktiver Arbeitsmarktpolitik nutzen. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu Opel und bei den Meldungen des BMAS.

Das Opel-Werk in Bochum
Quelle:  iStockphoto

aleo solar:

Für die Förderung von 476 Entlassenen des Photovoltaik-Unternehmens aleo solar wurden 1,1 Mio. Euro EGF-Finanzbeitrag von der EU für den Förderzeitraum von September 2014 bis Oktober 2015 genehmigt. Die Entlassungen waren Folge einer Werksschließung an den Standorten Prenzlau und Oldenburg. Ein Grund für diese Entwicklung war der Preisverfall für diese Produkte aufgrund von Überproduktion, vor allem in China. Der Projektumsetzer war die BOB Transfer GmbH. Da sehr viele EGF-Teilnehmerinnen und Teilnehmer über 50 Jahre alt waren, wurden unter anderem spezielle Workshops für diese Zielgruppe eingerichtet. Außerdem wurden viele Qualifikationen auf Grundlage eines intensiven Profilings vorgenommen, sodass viele ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Werkes in einem ähnlichen Tätigkeitsfeld weiterarbeiten konnten. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu aleo solar und bei den Meldungen des BMAS.

Ein Mann arbeitet an einer Solaranlage.
Quelle:  iStock

First Solar:

Ebenfalls aus der Solar-Branche wurde für 875 Entlassene des Unternehmens First Solar in Frankfurt (Oder) eine Förderung mit 2,3 Mio. Euro aus dem Europäischen Globalisierungsfonds genehmigt. Mit einer Integrationsquote (z. B. Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen oder selbstständigen Tätigkeit) von über 70 Prozent zwölf Monate nach Projektende wurde das Projekt durch die Transfergesellschaft TÜV Rheinland erfolgreich abgeschlossen. Dieser Erfolg war nur möglich durch gezielte Weiterqualifizierungen und die besonders intensive Stellenakquise des Transferdienstleisters in enger Kooperation mit den Arbeitsagenturen vor Ort. Das Projekt lief von Januar 2013 bis August 2014. Weitere Informationen zu First Solar finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu First Solar und in den Meldungen des BMAS.

manroland:

Im EGF-Fall manroland wurden in verschiedenen Bundesländern Entlassene im Bereich der Druckmaschinen gefördert. Aus Brüssel wurde für diesen Fall eine Fördersumme von 5,3 Mio. Euro aus dem EGF für über zweitausend ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereitgestellt. Nach einem Förderzeitraum von August 2012 bis Mai 2013 wurde ein Jahr nach Projektende eine Integrationsquote von über 70 Prozent erreicht. Die Umsetzung erfolgte über die Projekt- und Transfergesellschaften PTG sowie PRM Frankfurt. Beim Projektbesuch von Mitgliedern des Beschäftigungsausschusses des Europaparlaments im Februar 2013 in Offenbach konnten sich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier von der Umsetzung der EGF-Maßnahmen ein Bild machen. Insbesondere die persönlichen Erfahrungsberichte der EGF-Teilnehmerinnen und Teilnehmer verdeutlichten den Mehrwert der EGF-Förderung. Besonders zielführend war die Ermöglichung passgenauer Weiterqualifizierungen. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu manroland und bei den Meldungen des BMAS.

Automotive Düsseldorf/Arnsberg:

In den Regierungsbezirken Arnsberg und Düsseldorf wurde eine EGF-Förderung für insgesamt 778 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von fünf Automobilzulieferern beantragt. Grund für die Entlassungen waren negative Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise für die deutsche Automobilindustrie. Im Förderzeitraum von März 2010 bis Juli 2012 erschwerte der noch schwache Arbeitsmarkt die Möglichkeiten, ohne Unterstützung wieder eine Anstellung zu finden. Der beantragte Finanzbeitrag des EGF betrug bei diesem Fall 4,3 Mio. Euro. Die Teilnehmenden des EGF-Projektes wurden von zwei Transferdienstleistern betreut: Weitblick Personalpartner und PEAG Transfer. Eine Besonderheit des Projektes war, dass ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr unterschiedlicher Unternehmen gefördert wurden, sodass sich die Transferdienstleister einer sehr uneinheitlichen Teilnehmergruppe gegenüber sahen. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu Automotive Düsseldorf/Arnsberg und bei den Meldungen des BMAS.

Eine Druckmaschine druckt.
Quelle:  iStock

Heidelberger Druck:

Mit dem EGF-Projekt Heidelberger Druckmaschinen wurde von Januar 2010 bis Ende Juni 2011 ein Projekt im Bereich Druckmaschinen gefördert. Grund hierfür waren die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Insgesamt wurde ein EGF-Finanzanteil von 8,3 Mio. Euro für 1.181 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genehmigt. Dieses Projekt zeigte ein Jahr nach seinem Ende eine Integrationsquote von fast 83 %. Damit ist es bemessen an seiner Integrationsquote das bisher erfolgreichste Projekt. Dies wurde vor allem durch die passgenauen Qualifikationen erreicht, die durch die EGF-Förderung ermöglicht wurden. Zusätzlich wirkte sich der wirtschaftliche Aufschwung in dieser Zeit positiv auf die Anschlussbeschäftigungen der EGF-Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus. Projektumsetzer vor Ort waren die Transfergesellschaften Weitblick Personalpartner und DEKRA. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu Heidelberger Druck und bei den Meldungen des BMAS.

Karmann:

Mit 6,2 Mio. Euro EGF-Förderanteil wurde ein Antrag im Automobilbereich für einen Förderzeitraum von Februar 2009 bis Juni 2010 für 1.793 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zweier Unternehmen der Karmann-Gruppe genehmigt. Zu den Entlassungen führten negative Folgen der Globalisierung, vor allem die erstarkte Nachfrage und Produktion in asiatischen Ländern. Projektumsetzer war die Transfergesellschaft Silberstreif Personalpartner. Die EGF-Förderung bei diesem Fall erlaubte, dass für eine längere Zeit Maßnahmen angeboten und Personen mit mehreren vermittlungshemmenden Merkmalen angemessen betreut werden konnten. Der EGF ermöglichte ein ausreichendes Profiling sowie die Heranführung an Qualifikationsmaßnahmen und an den aktuellen Arbeitsmarkt. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu Karmann und bei den Meldungen des BMAS.

Nokia:

Mit dem Nokia-Werk in Bochum wurde das letzte große Werk eines Mobiltelefonherstellers in Deutschland geschlossen. Insgesamt wurden 5,6 Mio. Fördergelder aus Brüssel für 1.316 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Reintegration in den Arbeitsmarkt beantragt. Die Projektumsetzung von August 2008 bis Januar 2010 erfolgte über die Transfergesellschaft PEAG Transfer. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu Nokia.

Mehrere bunte Simkarten sind hintereinander aufgestellt, die ersten beiden sind im Fallen.
Quelle:  iStock

BenQ:

Mit BenQ wurde der erste deutsche EGF-Fall und der zweite Fall überhaupt in der ersten Förderperiode des EGF (2007 - 2013) durchgeführt. Der Antrag bezog sich auf 2.528 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens BenQ Mobile GmbH&Co OHG, die in einem Zeitraum von Januar 2007 bis Mai 2008 gefördert werden sollten. Der genehmigte EGF-Finanzbeitrag betrug 12,8 Mio. Euro. Grund für die Entlassungen war eine Strategie der Standortverlagerung des taiwanesischen Mutterkonzerns BenQ Corporation nach Taiwan, China und Brasilien. Es wurden Entlassene an zwei Standorten gefördert: in NRW und in Bayern. Bei der Umsetzung dieses EGF-Falles konnten das erste Mal die Vorteile der EGF-Förderung genutzt wurden. Besonders hervorzuheben ist, dass die Geförderten nicht nur von einer langen Förderperiode profitierten, sondern auch von maßgeschneiderten und innovativen Förderkonzepten, wie beispielsweise Peergroups und kostenintensiven Qualifikationsmaßnahmen. Außerdem wurde durch den EGF eine intensive Beratungstätigkeit ermöglicht, unter anderem durch einen sehr guten Beratungsschlüssel. Projektumsetzer waren die Transfergesellschaften PEAG mbH in NRW und TRAIN in Bayern. Beide Transfergesellschaften arbeiteten eng mit den örtlichen Arbeitsagenturen zusammen. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu BenQ.

EGF-Projekte in Deutschland

EGF-Projekt (Anzahl der geförderten Personen)Nationale KofinanzierungEGF-Finanzbetrag
BenQ (2528)12,7312,8
Nokia (1316)5,565,55
Karmann (1793)3,346,2
Heidelberger Druck (1181)4,478,31
Automotive Düsseldorf/Arnsberg (778)2,344,35
Manroland (2103)5,365,35
First Solar (875)2,32,31
Aleo solar (476)0,721,1
Adam Opel (2692)4,76,9
Goodyear (646)1,442,17

In­for­ma­tio­nen zum EGF

Warum wurde der EGF geschaffen? Wie hilft er und wie wird er umgesetzt?

För­der­vor­aus­set­zun­gen

Die Voraussetzungen für eine Förderung durch den EGF sind in der EGF-Verordnung festgelegt. Hier finden Sie eine Übersicht.

Me­dia­thek

Hier finden Sie alle Meldungen zum EGF der letzten Jahre und persönliche Erfahrungen Betroffener mit dem EGF.