Digitalisierung

Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft: Arbeit neu denken

Mit der Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft hat das BMAS eine für Ministerien neuartige, interdisziplinär und agil arbeitende Organisationseinheit eingerichtet.

Mit der Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine für Ministerien neuartige, interdisziplinär und agil arbeitende Organisationseinheit eingerichtet, die Funktionen und Arbeitsweisen eines klassischen Think Tanks und eines zeitgenössischen Future Labs verbindet. Im Oktober 2018 hat die Denkfabrik ihre Arbeit aufgenommen. Ziel ist es, neue Handlungsfelder, die für das Arbeits- und Sozialministerium durch die Digitalisierung und andere Trends entstehen, frühzeitig zu identifizieren, die Arbeitswelt stärker im gesellschaftlichen Kontext zu erfassen und neue Lösungsansätze für die Arbeitsgesellschaft der Zukunft zu entwickeln.

Eine sich rasant verändernde Arbeitswelt erfordert das Engagement vieler Akteure. Die Denkfabrik bringt sie zusammen.

Die Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft bündelt Projekte und Prozesse rund um die digitale Transformation innerhalb des BMAS und bildet eine zentrale Anspielstation für Wissenschaft, Technik, Praxis und Sozialpartner zu diesem Thema. Der Ansatz der Denkfabrik ist es, die Digitalisierung konsequent und systematisch von den Menschen und ihren sozialen und gesellschaftlichen Beziehungen her zu denken. Dem zugrunde liegt die Überzeugung, dass sich in einer sich stetig wandelnden digitalen Wirtschaft der Rahmen so gestalten lässt, dass alle Beteiligten – Wirtschaft, Gesellschaft und Beschäftigte – davon profitieren, wenn sich Entwicklung und Einsatz digitaler Anwendungen an den Bedürfnissen der Beschäftigten und den Anforderungen an gute Arbeit orientieren.

In der Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft werden aktuell unter anderem folgende Schwerpunkte bearbeitet:

Künstliche Intelligenz

Intelligente Verkehrslenkung, Ridesharing, Playlisten auf Streamingdiensten, Onlinedating- oder Jobsharing-Plattformen: Für viele ist Künstliche Intelligenz (KI) zunehmend ein fester, meist unbewusster Bestandteil des Alltags. Die Debatte über Chancen und Risiken bleibt aber oftmals abstrakt und wirft ethische, rechtliche, kulturelle und soziale Fragen auf. Die Bundesregierung hat mit der KI-Strategie einen Handlungsrahmen für die nächsten Jahre geschaffen, um durch die Unterstützung von Grundlagen- und anwendungsorientierter Forschung sowie der Entwicklung von innovativen KI-Anwendungen in allen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereichen Deutschland eine Spitzenposition im weltweiten Wettbewerb zu sichern. Voraussetzung dafür ist, im Rahmen eines intensiven Austauschs KI ethisch, rechtlich, kulturell und institutionell in die Gesellschaft einzubetten.

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KI-Strategie

Das BMAS hat gemeinsam mit BMBF und BMWi die Federführung für die KI-Strategie der Bundesregierung. Die Strategie wurde in einem umfassenden Konsultationsprozess erarbeitet und am 15. November 2018 von der Bundesregierung beschlossen. Derzeit wird die KI-Strategie fortgeschrieben. In den kommenden drei Jahren werden die in der Strategie skizzierten Projekte und Maßnahmen umgesetzt, dazu gehören unter anderem das KI-Observatorium und die Civic Innovation Platform.

KI-Observatorium

Das KI-Observatorium (KI-O) agiert an der Schnittstelle zwischen Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft: Es analysiert die Verbreitung und Auswirkungen von KI in Arbeit und Gesellschaft, gibt Impulse zur sozialen Technologiegestaltung und prüft etwaige Handlungsbedarfe im Arbeits- und Sozialrecht. Es wirkt an der Ausgestaltung des zukünftigen Ordnungsrahmens für KI auf Ebene der EU sowie in Zusammenarbeit mit Normungsgebern für die sichere und verantwortungsvolle Entwicklung und Anwendung von Künstlicher Intelligenz mit.

Civic Innovation Platform

Für Innovationsprozesse im Bereich der sozialen Technikgestaltung stehen bislang nur punktuell entsprechende Ressourcen zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund erprobt die Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft mit dem Modellprojekt Civic Innovation Platfom (CIP), wie Impulse für KI-Anwendungen, die dem gesellschaftlichen und sozialen Fortschritt dienen, wirksam unterstützt werden können: von der Idee über die Konzeptentwicklung bis hin zu Umsetzung und Transfer.

Mit der Civic Innovation Platform fördert die Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft die Entwicklung gemeinwohlorientierter KI-Anwendungen.

Kern des Projektes ist eine multifunktionale Internetplattform, die Vernetzung und Zusammenarbeit potenzieller Projektpartner*innen ermöglicht. Darüber hinaus gibt es Förderprogramme, wie beispielsweise Ideenwettbewerbe, bei denen die besten Konzepte für gemeinwohlorientierte KI-Anwendungen ausgezeichnet werden. Das Projekt versteht sich als Baustein eines wachsenden KI-Ökosystems für das Gemeinwohl.

Arbeit in der Plattformökonomie

Seit einigen Jahren lässt sich eine wachsende Bedeutung von Online-Plattformen zur Vermittlung von unterschiedlichsten Tätigkeiten und Arbeitsleistungen feststellen: von Aufgaben, die sich auf oder über die Plattformen online erledigen lassen, wie Text-, Programmier- oder Designaufträge, bis hin zu Dienstleistungen die offline erbracht werden, wie Fahr- oder Lieferdienste. Plattformen sind ein charakteristisches Phänomen und ein zentraler Treiber der digitalen Transformation. Die Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft hat auf der Grundlage einer ganzheitlichen Betrachtung der wirtschafts-, ordnungs-, arbeits- und gesellschaftspolitischen Dimensionen der Plattformökonomie im November 2020 die Eckpunkte "faire Arbeit in der Plattformökonomie" veröffentlicht.

Das BMAS will faire Arbeit in der Plattformökonomie sicherstellen und dafür neue Chancen mit bewährtem Schutz verbinden. Die Eckpunkte sehen vor, dass Solo-Selbstständige in der Plattformökonomie Zugang zu elementaren arbeits- und sozialrechtlichen Schutzmechanismen erhalten und Unternehmen die Gewissheit haben sollen, bei zentralen Tätigkeits- und Beschäftigungsbedingungen ein "level-playing-field" vorzufinden. Auch auf europäischer Ebene treibt die Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft die Diskussion weiter voran. So hat die Denkfabrik Digitale Arbeitsgesellschaft im Rahmen der Deutschen EU-Ratspräsidentschaft gemeinsam mit der EU Kommission eine Peer Review mit weiteren Mitgliedsstaaten auf Arbeitsebene zum Thema Plattformarbeit durchgeführt.

Beschäftigtendatenschutz

Die Digitalisierung und der zunehmende Einsatz neuer Technologien wie KI in der Arbeitswelt führen auch dazu, dass mehr personenbezogene Daten anfallen und verarbeitet werden. Dem Beschäftigtendatenschutz kommt dabei eine zentrale Funktion zu: Arbeitnehmer*innen zu schützen und gleichzeitig ihr Vertrauen in neue Technologien wie Big Data und Künstliche Intelligenz zu stärken. Die Gestaltung einer sozialen Datenökonomie kann nur gelingen, wenn die Arbeitnehmer*innen und ihre Perspektive frühzeitig eingebunden werden.

Klare, handhabbare Regelungen zum Beschäftigtendatenschutz sorgen zudem für mehr Rechtssicherheit für die Unternehmen und können damit ein Wettbewerbsvorteil auf dem internationalen Markt sein. Der Koalitionsvertrag sieht zum Beschäftigtendatenschutz vor, die Öffnungsklausel der EU-Datenschutzgrundverordnung zu nutzen und die Schaffung eines eigenständigen Gesetzes zum Beschäftigtendatenschutz zu prüfen. Zur Umsetzung hat BMAS einen interdisziplinären Beirat zum Beschäftigtendatenschutz einberufen. Der von der Denkfabrik betreute Beirat aus hochrangigen Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis soll dazu beitragen, vor dem Hintergrund einer zunehmend digitalen Arbeitswelt, rechtssichere und zukunftsweisende Empfehlungen für den Beschäftigtendatenschutz zu erarbeiten.

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Strategische Vorausschau

Die Denkfabrik bedient sich einer Reihe von Instrumenten, um ein ganzheitliches und vorurteilsfreies Verständnis möglicher Entwicklungen der Arbeitsgesellschaft der Zukunft zu erhalten. Die Identifizierung von Zukunftstrends und die Szenarien-Entwicklung sind dabei wichtige Pfeiler für die strategische Vorausschau. Darüber hinaus untersucht die Denkfabrik in Kurzstudien bestimmte Themen – z. B. eine Technologie, eine Branche oder ein Politikfeld – und informiert dabei über plausible Entwicklungspfade. Die strategische Vorausschau bringt die Perspektiven unterschiedlicher Akteur*innen zur Auseinandersetzung mit zukünftigen Entwicklungen zusammen und stellt sicher, dass vielfältige fachliche und lebensweltliche Sichtweisen einfließen.