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Der Ärztliche Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten"

19. September 2017

Person mit Notizblock und Stethoskop.
Quelle:  iStock

Der Ärztliche Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten" erarbeitet wissenschaftliche Empfehlungen und Stellungnahmen zu Berufskrankheiten.

Aufgabe

Der Ärztliche Sachverständigenbeirat "Berufskrankheiten" ist ein internes, weisungsunabhängiges Beratungsgremium, das das Bundesministerium für Arbeit und Soziales in medizinisch-wissenschaftlichen Fragen bei seiner Entscheidungsfindung unterstützt. Aufgabe des Beirates ist die Sichtung und Bewertung des wissenschaftlichen Erkenntnisstands im Hinblick auf die Aktualisierung bestehender oder die Aufnahme neuer Berufskrankheiten in die Berufskrankheiten-Verordnung. Der Beirat gibt dem Ministerium auf Basis bestehender Erkenntnisse Empfehlungen und Stellungnahmen ab.

Die wissenschaftlichen Empfehlungen des Sachverständigenbeirats werden vom Ministerium veröffentlicht. Sie bilden die wissenschaftliche Grundlage für die Entscheidung der Bundesregierung über die Aufnahme neuer Erkrankungen in die Berufskrankheitenliste und die Anerkennung als Berufskrankheit im Einzelfall durch die gesetzlichen Unfallversicherungsträger.

Organisation

Der Sachverständigenbeirat besteht aus zwölf Mitgliedern, die vom Ministerium für die Dauer von jeweils fünf Jahren berufen werden. Die Tätigkeit im Beirat wird ehrenamtlich ausgeübt und nicht vergütet. Entsprechend der Aufgabenstellung des Gremiums sind die Mitglieder überwiegend Hochschullehrer/Hochschullehrerinnen der Fachrichtung Arbeitsmedizin; außerdem gehören dem Beirat zwei staatliche Gewerbeärzte/Gewerbeärztinnen und zwei Betriebsärzte/Betriebsärztinnen an. Der Beirat wählt aus dem Kreis seiner Mitglieder eine/einen Vorsitzende(n) sowie eine/einen stellvertretende(n) Vorsitzende(n).

Sofern zu einzelnen Fragestellungen spezieller Sachverstand anderer Fachrichtungen benötigt wird, werden zu den Beratungen externe Sachverständige hinzugezogen. Die Arbeit des Beirats wird außerdem durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin unterstützt. Als ständige Gäste ohne Stimmrecht nehmen zwei Vertreter der gesetzlichen Unfallversicherung an den Sitzungen teil.

Zusammensetzung

  • Prof. Dr. med. Ernst Hallier (Vorsitzender),
    Direktor des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Göttingen
  • Prof. Dr. med. Thomas Kraus (stv. Vorsitzender),
    Direktor des Instituts für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin der Technischen Hochschule Aachen
  • Prof. Dr. med. Ulrich Bolm-Audorff,
    Leitender Landesgewerbearzt Hessen
  • Prof. Dr. med. Hans Drexler,
    Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg
  • Dr. med. Andrea Hagenmaier,
    Landesgewerbeärztin Baden-Württemberg
  • Prof. Dr. rer. nat. Karl-Heinz Jöckel,
    Direktor des Instituts für medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Universität Duisburg-Essen
  • Prof. Dr. med. Dipl.-Ing. Stephan Letzel,
    Direktor des Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Mainz
  • Prof. Dr. med. Dennis Nowak,
    Direktor des Instituts und der Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität München
  • Prof. Dr. med. Elke Ochsmann,
    Direktorin des Instituts für Arbeitsmedizin der Universität Lübeck
  • Prof. Dr. med. Monika A. Rieger,
    Direktorin des Instituts für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung der Universität Tübingen
  • Dr. med. Frank Sladeczek,
    Leitender Betriebsarzt DOW-Olefinverbund GmbH
  • N.N.

Ständige Berater/Gäste ohne Stimmrecht:

  • Dr. rer. nat. Matthias Möhner,
    Leiter der Gruppe "Statistische Methoden in Epidemiologie und Biometrie", Fachbereich Arbeit und Gesundheit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
  • Dr. Andrea Wendt,
    Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Gruppe "Statistische Methoden in Epidemiologie und Biometrie", Fachbereich Arbeit und Gesundheit der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin
  • Stefanie Palfner,
    Leiterin des Referats Berufskrankheiten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e.V.
  • Prof. Dr. jur. Stephan Brandenburg,
    Hauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege

Beratungsverlauf

Die Beratungstätigkeit des Sachverständigenbeirats wird - je nach Fragestellung - mit folgenden Zielen durchgeführt:

A. Erarbeitung einer wissenschaftlichen Empfehlung für eine neue Berufskrankheit:

  • In einer sog. Vorprüfung prüft der Beirat kursorisch, ob hinreichende wissenschaftliche Evidenz für einen Ursachenzusammenhang zwischen einer potentiell schädigenden Einwirkung und der Entstehung einer bestimmten Krankheit besteht. Ist dies zu bejahen, beschließt der Beirat, Beratungen aufzunehmen.
  • Im Rahmen der Beratungen prüft der Beirat dann die generelle Geeignetheit, d.h. das Vorliegen medizinischwissenschaftlicher Erkenntnisse über den grundsätzlichen Ursachenzusammenhang zwischen der potentiell schädigenden Einwirkung und der Entstehung der Krankheit.
  • Ist die generelle Geeignetheit festgestellt, wird das Vorliegen der sog. gruppentypischen Risikoerhöhung, d.h. das Vorliegen medizinisch-wissenschaftlicher Erkenntnisse über ein erheblich höheres Erkrankungsrisiko der in ihrer versicherten Tätigkeit der schädigenden Einwirkung ausgesetzten Personen gegenüber der Allgemeinbevölkerung geprüft.

B. Erarbeitung einer wissenschaftlichen Stellungnahme zu einer bereits bestehenden Berufskrankheit:

  • Hat sich der medizinisch-wissenschaftliche Erkenntnisstand zu einer bestehenden Berufskrankheit so geändert, dass die frühere wissenschaftliche Empfehlung ergänzungs- oder korrekturbedürftig ist, erarbeitet der Beirat bei Bedarf eine Stellungnahme in Form eines Addendums.
  • Handelt es sich um ältere Berufskrankheiten (vor 1995), für die keine wissenschaftliche Empfehlung existiert, erarbeitet der Beirat bei Bedarf eine Stellungnahme, die sich entweder auf die punktuelle Darstellung der jeweiligen neuen Erkenntnisse beschränken kann oder eine grundlegende Zusammenfassung des aktuellen Erkenntnisstands enthält.

Beratungsthemen

Die nachstehende Liste enthält in alphabetischer Reihenfolge die Beratungsthemen, die aktuell vom Sachverständigenbeirat geprüft werden.

A. Empfehlungen für mögliche neue Berufskrankheiten

Vorprüfung

  • Bestimmte Blutkrebsformen (Non-Hodgkin-Lymphome) durch Pestizide
  • Bluthochdruck (Hypertonie) durch Lärm
  • Erweiterung der Berufskrankheit Nr. 5113 (weißer Hautkrebs durch Sonneneinstrahlung) um die Krebsart Basaliom
  • Gonarthrose bei Profifußballern
  • Krebserkrankungen durch kobalthaltige Hartmetallstäube
  • Lungenkrebs durch Dieselmotoremissionen
  • Lungenkrebs durch Schweißrauche
  • Nasenkrebs (Nasopharynxkarzinom) durch Formaldehyd
  • Parkinson durch bestimmte Pestizid-Inhaltsstoffe

Beratungen

  • Arthrose des Hüftgelenks durch Heben und Tragen schwerer Lasten
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) durch Quarzstaub
  • Lungenkrebs durch Passivrauchen
  • Muskel-Skelett-Erkrankungen der Schulter (Läsion der Rotatorenmanschette)

B. Wissenschaftliche Stellungnahmen zu bestehenden Berufskrankheiten

Beratungen

  • BK-Nr. 1110 - Erkrankungen durch Beryllium - hier: Lungenkrebs
  • BK-Nr. 1302 - Erkrankungen durch Halogenkohlenwasserstoffe - hier: Erkrankungen durch Polychlorierte Biphenyle (PCB)
  • BK-Nr. 2102 - Meniskusschäden - Grundlegende Stellungnahme

Beratungsergebnisse

Die vom Sachverständigenbeirat mit positivem Ergebnis abgeschlossenen Beratungen werden als wissenschaftliche Empfehlungen (neue Berufskrankheiten) oder Stellungnahmen (zu bestehenden Berufskrankheiten) beschlossen. Zu Themen, bei denen nach der Vorprüfung keine Beratungen aufgenommen werden, wird ein Abschlussvermerk erstellt. Die vollständige Liste der anerkennungsfähigen Berufskrankheiten mit wissenschaftlichen Begründungen und Stellungnahmen sowie die Abschlussvermerke finden Sie hier.