Chi Trung Khuu, Petra Dammann und Kerstin Bode diskutieren auf der Bühne des Netzwerktreffens.
INQA-Coaching zeigt Wirkung: Praxisbeispiele machen Mut
Container, Dächer, Cocktails – auf den ersten Blick haben diese Branchen wenig gemeinsam. Doch drei Betriebe haben beim Netzwerktreffen der INQA-Beratungsstellen gezeigt, was alle eint: Der rasante Wandel der Arbeitswelt bringt große Herausforderungen, gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), mit sich. Gut, dass das Beratungsprogramm INQA-Coaching branchenübergreifend Lösungen bietet. INQA-Coaching unterstützt KMU dabei, passgenaue Lösungen für personalpolitische und arbeitsorganisatorische Veränderungen zu finden. Finanziert wird das Programm aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus). Eine zentrale Funktion übernehmen dabei die INQA-Beratungsstellen (IBS): Sie sind erste Anlaufstelle für Unternehmen, prüfen Fördervoraussetzungen und stellen den INQA-Coaching-Scheck aus.
Beim dritten großen Netzwerktreffen der Beratungsstellen im Januar 2026 in Hannover kamen knapp 40 Erstberater*innen zusammen, um sich über wichtige Aspekte des Programms auszutauschen. Höhepunkte dieses Treffens: Drei Unternehmen aus unterschiedlichsten Branchen berichteten auf der Bühne von ihren Erfahrungen – und machten deutlich, wie INQA-Coaching in der Praxis wirkt.
Aus der Praxis für die Praxis: Drei Unternehmen, drei Erfolgsgeschichten
Kerstin Bode führt einen Container- und Muldendienst mit 17 Mitarbeitenden bei Lüneburg. Die Einführung der gesetzlichen E-Rechnung war für sie der Auslöser, INQA-Coaching in Anspruch zu nehmen. "Ich hatte Angst, meine Mitarbeiterinnen im Büro zu überfordern", berichtete sie. Doch das Gegenteil war der Fall: Im Coaching entwickelte das aus fünf Frauen bestehende Büro-Team eigenständig Lösungen – nicht nur für die E-Rechnung, sondern für die gesamte Warenwirtschaft. "Die sind richtig stolz. Das hat sie zusammengeschweißt", so Bode. Heute laufen fast 90 Prozent der Rechnungen digital.
Petra Dammann, Mitarbeiterin der Geschäftsführung eines Dachdeckerbetriebs mit 40 Mitarbeitenden bei Neustadt, stand vor der Herausforderung, im hektischen Arbeitsalltag digitale Tools zu etablieren. "In stressigen Situationen fielen alle in alte Prozesse zurück", erklärte sie. Mit INQA-Coaching digitalisierte ihr Team den gesamten Prozess – von der Kundenanfrage bis zur Schlussrechnung. Ihr Fazit: "Es bringt nichts, wenn die Chefetage plant und die Mitarbeitenden nicht mitnimmt. Das Warum muss klar sein".
Vor einer komplexen Aufgabe hatte auch Chi Trung Khuu von der LieblingsBar in Hannover gestanden: Nach der Covid-19-Pandemie fehlten Fachkräfte, er setzte deshalb auf Azubis aus Vietnam, Indonesien und Thailand. Das Onboarding war jedoch viel zu unsystematisch und daher auch wenig zielführend. Gemeinsam mit dem INQA-Coach entwickelte ein "Lab-Team" aus Beschäftigten und Azubis mehrsprachige Schulungsunterlagen und strukturierte Prozesse. Heute plant Khuu die "LieblingsAkademie" – eine deutschlandweite Plattform mit Fokus auf Berufsorientierung, Integration und Persönlichkeitsentwicklung für Azubis aus dem Ausland.
Beeindruckende Bilanz: Über 90 Prozent zufriedene Unternehmen
Die drei Praxisbeispiele illustrieren, wie gut das Programm angenommen wird. Das Zentrum INQA-Coaching (ZIC) präsentierte zum Tagungsbeginn beeindruckende Zahlen: Über 90 Prozent der Unternehmen finden die Methode zielführend und die Zufriedenheit mit der Begleitung durch die Beratungsstellen und Coaches liegt sogar bei 95 Prozent. Mehr als 80 Prozent berichten von konkreten Verbesserungen ihrer Arbeitsprozesse, Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmenskultur.
Beratungsstellen als zentrale Lotsen im Programm
Hinter jedem erfolgreichen Coaching stehen ein engagierter Coach und eine engagierte Beratungsstelle. Elisabeth Hessedenz von der IBS Saarland (saaris) machte beim Netzwerktreffen deutlich: In
"15 Jahren ist kein Unternehmen eigenständig auf mich zugekommen – eine aktive, gezielte Ansprache ist daher unerlässlich". Sie begleitet Betriebe vom Erstgespräch bis zur Antragstellung und zitiert einen Geschäftsführer, der dem INQA-Coaching zunächst skeptisch gegenüberstand: "Ich habe bereits mehr als 50.000 Euro in Beratungen investiert, ohne spürbaren Nutzen". Umso positiver fiel sein Fazit nach Abschluss des Beratungsprogramms aus: "Ich hätte nie gedacht, dass sich meine Mitarbeitenden so intensiv einbringen".
In Workshops tauschten sich die Erstberater*innen zu zentralen Themen aus: Antragsstellung, Zusammenarbeit mit Coaches und Akquise von KMU. Dabei wurde deutlich, dass gerade die persönliche Begleitung durch die IBS von Unternehmen besonders geschätzt wird.
Vernetzung stärken, mehr Unternehmen erreichen, Fachkräfte sichern
Fabian Langenbruch, Unterabteilungsleiter für Grundsatzfragen der Fachkräftesicherung, Aus- und Weiterbildung und Arbeitskultur im BMAS, unterstrich die Bedeutung des Programms: "Beratungsstellen und INQA-Coaches geben Unternehmen Orientierung, öffnen Perspektiven und zeigen Lösungswege auf – gerade auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten". Er betonte, dass das Programm bewusst nicht nur Digitalisierung adressiere, sondern Arbeitskultur und Wissensmanagement in den Mittelpunkt stelle. "Arbeitskultur hilft ungemein, Mitarbeitende zu finden und vor allem auch zu binden", so Langenbruch. Gerade angesichts des demografischen Wandels – die Babyboomer gehen in Rente – und der rasanten Entwicklung durch Künstliche Intelligenz bleibe Fachkräftesicherung eine zentrale Herausforderung.
Das Netzwerktreffen machte deutlich: INQA-Coaching wirkt nachhaltig in den Betrieben. Gleichzeitig wurde klar: Das Programm ist noch zu wenig bekannt. "All die Unternehmen, die INQA kennen und nutzen, finden es gut – aber es kennen noch zu wenige", fasste Langenbruch zusammen.
Die INQA-Beratungsstellen sehen sich daher als wichtige Multiplikatoren. Durch verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, Netzwerkveranstaltungen und den Austausch von Praxisbeispielen sollen künftig noch mehr KMU erreicht werden. Das positive Feedback der Unternehmen spricht für sich – und macht Mut, dass INQA-Coaching auch 2026 viele Betriebe im Wandel der Arbeitswelt begleiten wird.