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Europa

Fragen und Antworten für Geflüchtete aus der Ukraine

Hier finden Sie häufig gestellte Fragen zu Arbeit und Sozialleistungen in Deutschland.

1. Sozialleistungen

1.1 Kann ich in Deutschland Sozialleistungen erhalten?

Ja, Sie können Sozialleistungen erhalten. Entweder können Sie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz oder ab 1. Juni 2022 Geld vom Jobcenter (sofern Sie erwerbsfähig sind) oder vom Sozialamt (sofern Sie nur eingeschränkt erwerbsfähig sind oder eine Altersrente beziehen) erhalten. Dafür brauchen Sie eine Aufenthaltserlaubnis (nach § 24 des Aufenthaltsgesetzes) oder eine sogenannte "Fiktionsbescheinigung" von der Ausländerbehörde. Sind Sie erwerbsfähig, so beraten die örtlichen Jobcenter dazu, ansonsten beraten die örtlichen Sozialämter.

1.2 Wofür kann ich finanzielle Leistungen bekommen?

Vom Jobcenter können Sie unterstützt werden mit:

  • Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts und der Unterkunft und Heizung
  • Leistungen zur Eingliederung in Arbeit (s. hierzu Kapitel 3)

Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes und der Unterkunft und Heizung sind Geld oder Gutscheine für beispielsweise Lebensmittel, Kleidung, Körperpflege sowie Miete. Zudem sind Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung krankenversichert. Für Kinder und junge Erwachsene können darüber hinaus Kosten für beispielsweise schulische Nachhilfe oder Musikunterricht übernommen werden.

Auch hierzu beraten die örtlichen Jobcenter.

Vom Sozialamt können Sie ebenfalls mit Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes unterstützt werden, also Geld/Gutscheine für Miete, Lebensmittel und Körperpflege erhalten. Zudem ist es möglich, einmalig finanziell unterstützt zu werden, wenn Sie zum Beispiel eine Wohnung gefunden haben und dafür Möbel brauchen. Ukrainerinnen und Ukrainer, die Geld vom Sozialamt bekommen, sind nicht gesetzlich krankenversichert. Sie erhalten dennoch von einer gesetzlichen Krankenkasse eine Krankenversichertenkarte und können beispielweise zum Arzt gehen, wenn sie krank sind. Die entstandenen Kosten werden dann vom Sozialamt übernommen.

Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) umfassen ebenfalls Kosten für Unterkunft, Ernährung, Körperpflege etc. Darüber hinaus können Sie Leistungen für Mobilität oder Kommunikation und eine medizinische Grundversorgung erhalten.

1.3 Was muss ich tun, um Sozialleistungen zu erhalten?

Benötigen Sie Unterstützung, sollten Sie sich zunächst bei einer Erstaufnahmeeinrichtung registrieren lassen. Sie können sich in ganz Deutschland bei den Ausländerbehörden registrieren lassen.

Geld vom Jobcenter oder vom Sozialamt können Sie erhalten, wenn Sie eine Aufenthaltserlaubnis nach § 24 Abs. 1 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) bei der Ausländerbehörde an Ihrem Wohn- oder Aufenthaltsort beantragt haben. Sofern ein Aufenthaltstitel nach § 24 Absatz 1 AufenthG nicht sofort ausgestellt werden kann, wird Ihnen zunächst eine sogenannte "Fiktionsbescheinigung" ausgestellt. Auch die Fiktionsbescheinigung berechtigt zum Bezug von Sozialleistungen.

Stellen Sie beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einen förmlichen Asylantrag, können Sie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten. Ein Asylantrag ist jedoch für Vertriebene aus der Ukraine in der Regel keine Voraussetzung dafür, dass sie ein Aufenthaltsrecht und/oder soziale Leistungen in Deutschland erhalten.

1.4 Erhalten meine Familienangehörigen ebenfalls Sozialleistungen?

Familienangehörige, die mit Ihnen zusammenleben, können ebenfalls Leistungen erhalten.

Je nach familiärer Situation und persönlichen Voraussetzungen haben Sie und Ihre Angehörigen ggf. Anspruch auf Sozialleistungen nach unterschiedlichen Leistungsgesetzen (Sozialgesetzbuch Zweites Buch – SGB II oder Sozialgesetzbuch Zwölftes Buch – SGB XII). Wichtig ist, dass Sie diese Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts für sich und Ihre Angehörigen rechtzeitig beantragen. Stellt das örtlich zuständige Jobcenter oder das Sozialamt fest, dass für ein oder mehrere Angehörige die Voraussetzungen für eine andere Sozialleistung vorliegen, leitet dieses den Antrag an die zuständige Behörde weiter.

Auch sofern Sie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, haben Sie und Ihre Angehörigen ggf. Anspruch auf Sozialleistungen.

1.5 Darf ich mein eigenes Geld behalten, wenn ich Sozialleistungen beantrage?

Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts erhält nur, wer seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen decken kann. Es gelten insoweit die gleichen Regeln, wie für alle anderen Menschen, die in Deutschland Sozialleistungen beziehen.

Bei der Prüfung der Hilfebedürftigkeit wird eigenes Einkommen und Vermögen nur berücksichtigt, wenn es tatsächlich zur Verfügung steht. Zudem gelten verschiedene Freibeträge; d.h. das bestimmte Summen behalten werden können. Wird zum Beispiel Einkommen aus einer Erwerbstätigkeit bezogen, wird dieses nicht in vollem Umfang auf die Leistungen angerechnet.

Vermögen, das gegenwärtig nicht verfügbar ist, weil es sich in der Ukraine befindet (z. B. Immobilien), wird nicht berücksichtigt. Ist erhebliches Vermögen vorhanden, das auch verfügbar ist (z. B. Kontoguthaben, Bargeld), ist dies ab einer bestimmten Summe vorrangig zur Deckung des Lebensunterhalts einzusetzen.

1.6 Was ist bei Ihrer Rückkehr in die Ukraine oder Umzug in ein anderes Land zu beachten?

Wenn Sie von Deutschland in ein anderes Land ziehen oder Sie in die Ukraine zurückkehren, informieren Sie bitte die für Sie zuständige Ausländerbehörde. Zusätzlich ist eine Abmeldung bei der Meldebehörde erforderlich. Hierzu gehen Sie bitte frühestens eine Woche vor und spätestens 2 Wochen nach dem Auszug aus der Wohnung erneut zur Meldebehörde und melden sich ab oder melden Sie sich schriftlich oder per E-Mail ab.

Wenn Sie Grundsicherungsleistungen nach dem SGB II oder dem SGB XII oder Leistungen nach dem AsylbLG beziehen, müssen Sie vor Ihrer Ausreise zudem das Jobcenter (im Fall des SGB II-Bezuges), das Sozialamt (im Fall des SGB XII-Bezuges) oder den Träger der Asylbewerberleistungen über Ihre Ausreise und deren Zeitpunkt informieren.

2. Arbeitsrecht

2.1 Darf ich in Deutschland arbeiten?

Ja, wenn Sie eine Aufenthaltserlaubnis nach § 24 Absatz 1 Aufenthaltsgesetz (AufenthG) haben. Bereits mit dem vorläufigen Dokument über Ihr Aufenthaltsrecht nach § 24 Absatz 1 AufenthG haben Sie die Erlaubnis zum Arbeiten. In diesem durch die Ausländerbehörde ausgestellten Dokument muss der Eintrag „Erwerbstätigkeit erlaubt“ vermerkt sein. Sie können dann in Deutschland grundsätzlich jede Arbeit oder auch eine Ausbildung aufnehmen. Bitte beachten Sie, dass es in einigen Berufen berufsrechtliche Zugangsbeschränkungen gibt (z.B. Ärztin/Arzt, Lehrerin/Lehrer, Erzieherin/Erzieher – nähere Information finden Sie unter der Frage zur Anerkennung von Berufsqualifikationen). Sie können zudem als Leiharbeiternehmerin oder Leiharbeitnehmer arbeiten.

Sie können auch ein eigenes Unternehmen gründen oder freiberuflich arbeiten. Jede Branche stellt besondere Anforderungen an eine Gründung, die zu beachten sind. Dabei kann es sich um berufsrechtliche Regelungen, um besondere Genehmigungen oder auch um versicherungsrechtliche Fragen handeln.

Wenn Sie die Voraussetzungen dafür erfüllen, können Sie grundsätzlich auch eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Beschäftigung oder Ausbildung bei der örtlichen Ausländerbehörde beantragen.ehörde beantragen.

2.2 Brauche ich eine Anerkennung meiner Berufsqualifikation, um arbeiten zu dürfen?

Nein, nur für reglementierte Berufe (Informationen in deutscher und englischer Sprache) wie z. B. Ärztin/Arzt, Architektin/Architekt und Lehrerin/Lehrer ist eine Anerkennung Ihres außerhalb Deutschlands erworbenen Abschlusses erforderlich, wenn Sie in Ihrem Beruf in Deutschland arbeiten wollen.

In nicht reglementierte Berufen (Informationen in deutscher und englischer Sprache) können Sie ohne Anerkennung Ihrer Qualifikation arbeiten. Es gibt keine staatlichen Vorschriften bei der Berufszulassung. Eine Anerkennung Ihrer Berufsqualifikation ist trotzdem sehr hilfreich, um eine Arbeit zu finden, die Ihren Kompetenzen entspricht.

Die für Sie zuständige Agentur für Arbeit oder das zuständige Jobcenter können Ihnen erste Hinweise und Informationen zum Anerkennungsverfahren geben.

Weitere Beratung zur Anerkennung Ihrer außerhalb Deutschlands erworbenen Qualifikationen können Sie kostenlos und neutral bei den Beratungsstellen des Förderprogramms "Integration durch Qualifizierung" (IQ) erhalten. Die nächstgelegene Beratungsstelle können Sie hier suchen: www.netzwerk-iq.de (in deutscher und englischer Sprache).

Weitere Informationen zur Berufsanerkennung finden Sie online auf dem Portal www.anerkennung-in-deutschland.de. Informationen zum Anerkennungsverfahren gibt es im Flyer "Anerkennung von ausländischen Berufsqualifikationen".

Wenn es um die Anerkennung eines Hochschulabschlusses geht, finden Sie Informationen bei der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) (in ukrainischer Sprache).

2.3 Kann ich in Deutschland eine betriebliche Ausbildung machen?

Ja, wenn Sie eine Aufenthaltserlaubnis nach § 24 Absatz 1 Aufenthaltsgesetz haben. Die Erlaubnis haben Sie auch bereits mit dem vorläufigen Dokument über Ihr Aufenthaltsrecht. In diesem Dokument, das von der Ausländerbehörde ausgestellt wird, muss "Erwerbstätigkeit erlaubt" stehen. Dies umfasst dann auch die Erlaubnis, eine betriebliche Ausbildung aufzunehmen Bitte beachten Sie: Die Gültigkeit der Aufenthaltserlaubnis ist im Vergleich zur Dauer der Ausbildung kürzer. Ein Ausbildungsvertrag kann trotzdem abgeschlossen und in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse eingetragen werden.

Die Agenturen für Arbeit vor Ort können Ihnen bei Ihrer beruflichen Orientierung helfen und Sie zur Wahl und Suche einer Ausbildung beraten. Wenn Sie bei einem Jobcenter angemeldet sind, kann dieser Sie bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle unterstützen sowie vor und während der Ausbildung gezielt fördern. Die Bundesagentur für Arbeit kann auch bei der Lebensunterhaltssicherung durch Berufsausbildungsbeihilfe unterstützen. Dies ist auch während einer vorherigen berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme möglich. Weitere Informationen der Bundesagentur für Arbeit rund um die Berufsausbildung finden Sie hier:

Sie können vor oder während einer betrieblichen Berufsausbildung auch an einem Berufssprachkurs teilnehmen. Weitere Informationen finden Sie hier:

Sie können später – bei Vorliegen der Voraussetzungen – auch eine Aufenthaltserlaubnis zum Zweck der Berufsausbildung (§ 16a Aufenthaltsgesetz) bei der Ausländerbehörde beantragen. Die Bundesagentur für Arbeit nimmt hierzu eine Vorrangprüfung vor. Hierbei dürfte aber kein geeigneter, bevorrechtigter Bewerber zur Verfügung stehen, da es um die Fortsetzung eines bereits begonnenen Berufsausbildungsverhältnisses geht. So können Sie die betriebliche Berufsausbildung abschließen und anschließend die Erteilung einer Aufenthaltserlaubnis als Fachkraft (§ 18a Aufenthaltsgesetz) bei der Ausländerbehörde beantragen.

2.4 Gibt es in Deutschland einen allgemeinen Mindestlohn und wie hoch ist dieser?

Ja, in Deutschland gibt es einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. Dieser beträgt seit 1. Oktober 2022 12 Euro brutto je Stunde.

Der Mindestlohn gilt grundsätzlich auch für Praktika, außer für Pflichtpraktika sowie freiwillige ausbildungs-/studienbegleitende Praktika und Orientierungspraktika von bis zu dreimonatiger Dauer.

Daneben gibt es in einigen Branchen einen sogenannten Branchenmindestlohn. Dieser gilt dann nur in der jeweiligen Branche wie zum Beispiel in der Pflegebranche oder in der Gebäudereinigung. Hier finden Sie eine Auflistung der branchenspezifischen Mindestlöhne [PDF, 136KB] .

Die Einhaltung des Mindestlohns und der Branchenmindestlöhne wird von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit kontrolliert, die zum Zoll gehört.

2.5 Gilt für mich der Mindestlohn?

Ja, der allgemeine Mindestlohn gilt grundsätzlich für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ausnahmen bestehen nur für Personen unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung sowie für Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten ihrer Beschäftigung.

2.6 Wie lange darf ich an einem Tag arbeiten?

Mehr als acht Stunden am Tag dürfen Sie von Montag bis Samstag grundsätzlich nicht arbeiten. Bis zu zehn Stunden sind aber möglich, wenn Sie innerhalb eines halben Jahres den Durchschnitt von acht Stunden am Tag nicht überschreiten. In bestimmten Branchen gibt es zudem Ausnahmen.

2.7 Was muss ich bei einem Minijob beachten?

Wenn Sie regelmäßig nicht mehr als derzeit 520 Euro im Monat (Geringfügigkeitsgrenze) verdienen, handelt es sich um einen sogenannten Minijob. Wenn die Beschäftigung von Beginn an auf drei Monate oder 70 Arbeitstage im Jahr begrenzt ist und - soweit das Arbeitsentgelt im Monat derzeit 520 Euro übersteigt - nicht berufsmäßig ausgeübt wird, handelt es sich um eine kurzfristige Beschäftigung. In beiden Fällen handelt es sich um eine geringfügige Beschäftigung. Die Geringfügigkeitsgrenze erhöht sich zukünftig mit dem Mindestlohn.

Sie sind dann zwar in der gesetzlichen Unfallversicherung gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten geschützt. In der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung besteht jedoch kein Versicherungsschutz. Minijobber sind grundsätzlich rentenversicherungspflichtig und zahlen Rentenbeiträge in Höhe von 3,6 Prozent (bei einer Beschäftigung im Privathaushalt 13,6 Prozent) des Arbeitsentgeltes. Sie können sich auf Antrag von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Der Antrag ist dem Arbeitgeber zu übergeben.

Sie haben arbeitsrechtlich grundsätzlich dieselben Rechte wie vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Sie haben Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn, bezahlten Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und an gesetzlichen Feiertagen sowie Zuschüsse zum Mutterschaftsgeld.

Mehr zu den möglichen Auswirkungen auf Sozialleistungen finden Sie unter der Frage "Darf ich mein eigenes Geld behalten, wenn ich Sozialleistungen beantrage?".

2.8 Wer hilft, wenn ich Fragen zum Arbeitsrecht habe?

Wichtige Informationen zu Ihren Rechten als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer in Deutschland finden Sie auf der Internetseite von Faire Integration. Bei konkreten Problemen, z.B. wenn Sie glauben, dass Ihr Arbeitgeber Ihnen nicht genug Lohn bezahlt, können Sie sich an die Beratungsstellen der Fairen Integration wenden. Diese Beratung ist kostenlos und in vielen Sprachen möglich, teils auch auf Russisch und Ukrainisch. Hier finden Sie eine Übersicht der Beratungsstellen.

Bitte beachten Sie, besonders, wenn Sie sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt (noch) nicht gut auskennen:

Aufgrund fehlender Sprach- und Rechtskenntnisse oder Unsicherheiten beim Zugang zum Arbeitsmarkt sowie aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen können Zwangslagen begünstigt werden und Sie oder auch Andere in ausbeuterische Arbeitssituationen geraten. Auf den Seiten der Servicestelle gegen Zwangsarbeit finden Sie nützliche Informationen zu Ihren Rechten.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) informieren in einem Flyer über mögliche Risiken für Geflüchtete bei der Jobsuche und geben wichtige praktische Hinweise: Flyer "Gute Arbeit finden"

Das "BEMA – Berliner Beratungszentrum für gute Arbeit" hat Flyer zum Arbeitsrecht für ukrainische Flüchtlinge in Ukrainisch, Russisch, Englisch und Deutsch entwickelt.

2.9 Welche Regeln zum Arbeitsschutz gelten in Deutschland und an wen kann ich mich wenden?

Wer arbeitet, muss dabei sicher sein. Die Arbeit darf die Gesundheit nicht gefährden. In Deutschland ist es die Pflicht der Arbeitgeber, ihre Beschäftigten wirksam vor Gefahren und gesundheitlichen Schädigungen zu schützen. Dies legen das Arbeitsschutzgesetz und weitere Arbeitsschutzverordnungen verbindlich fest.

Ein Überblick über das Arbeitsschutzsystem in Deutschland und die entsprechenden rechtlichen Regelungen findet sich unter: "Was ist Arbeitsschutz? (auf Deutsch) oder "Occupational Safety and Health" (auf Englisch).

Ansprechpartner sind:

  • Arbeitgeber*innen, die gesetzlich verpflichtet sind, einen wirksamen Arbeitsschutz sicherzustellen;
  • Interessenvertretungen der Arbeitnehmer*innen (Betriebsrat, Gewerkschaft);
  • Betriebsärztin / -arzt.

3. Unterstützung bei Suche und Aufnahme einer Arbeit

3.1 Wer unterstützt mich, wenn ich eine Arbeit suche?

Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt Menschen bei der Arbeitssuche und berät zu allen Fragen rund um dieses Thema.

In vielen Städten sind Agenturen für Arbeit zu finden und an diesem Logo zu erkennen:

Bitte wenden Sie sich mit Ihren Fragen an die Agentur für Arbeit in dem Ort, in dem Sie sich aktuell aufhalten. Über die "Dienststellensuche" können Sie sich die Adresse anzeigen lassen.

Unter der Telefonnummer +49 911 178 7915 erreichen Sie die Hotline der Bundesagentur für Arbeit, in der Sie erste Fragen rund um eine Arbeitsaufnahme bzw. die Aufnahme einer Berufsausbildung oder eines Studiums auf Ukrainisch oder Russisch stellen können. Sie erreichen die Hotline Montag – Donnerstag 8.00 – 16.00 Uhr, Freitag 8.00 – 13.00 Uhr.

Die Bundesagentur für Arbeit berät Sie anschließend in einem persönlichen Gespräch über die Voraussetzungen, eine Arbeit aufzunehmen und über Ihre generellen beruflichen Möglichkeiten.

Wenn Sie direkt nach Arbeit suchen wollen, finden Sie Stellenangebote in der Jobsuche der Bundesagentur für Arbeit.

Wenn Sie Geld im Jobcenter beantragt haben, werden Sie dort auch zu den Fragen der Arbeitsuche, Vermittlung und Qualifizierung beraten. Das Jobcenter kann Sie mit Leistungen zur Aktivierung und Eingliederung bei Ihren beruflichen Zielen unterstützen. Bitte wenden Sie sich an Ihre zuständigen Ansprechpartner*innen, um zu besprechen, welche Unterstützung und Förderungen möglich und erforderlich sind.

3.2 Wo bekomme ich Hilfe, wenn mir zum Arbeiten noch bestimmte Kenntnisse fehlen?

In der Agentur für Arbeit werden Sie aufbauend auf Ihrer Qualifikation und Berufserfahrung beraten, ob und welche Maßnahmen Sie bestmöglich dabei unterstützen, einen passenden Arbeitsplatz zu finden.

Bitte wenden Sie sich mit Ihren Fragen an die Agentur für Arbeit in dem Ort, in dem Sie sich aktuell aufhalten. Über die "Dienststellensuche" können Sie sich die Adresse anzeigen lassen.

Alternativ wenden Sie sich bitte an die Hotline der Bundesagentur für Arbeit unter der Nummer +49 911-178 7915. Dort wird Ihnen in ukrainischer oder russischer Sprache geholfen.

Wenn Sie Geld im Jobcenter beantragt haben, werden Sie dort auch zu den Fragen der Arbeitsuche, Vermittlung und Qualifizierung beraten. Das Jobcenter kann Sie mit Leistungen zur Aktivierung und Eingliederung bei Ihren beruflichen Zielen unterstützen. Bitte wenden Sie sich an Ihre zuständigen Ansprechpartner*innen, um zu besprechen, welche Unterstützung und Förderungen möglich und erforderlich sind.

4. Deutsch lernen – Sprachkurse und Unterstützung

4.1 Kann ich auch ohne deutsche Sprachkenntnisse eine Arbeit aufnehmen?

Eine Arbeitsaufnahme ist nicht zwingend von Ihren Sprachkenntnissen abhängig.

Grundsätzlich ist es jedoch wichtig, dass Sie Grundkenntnisse der deutschen Sprache haben, um sich mit Ihrem Arbeitgeber und Kolleginnen und Kollegen verständigen zu können. Für viele Berufs- und Tätigkeitsfelder ist es außerdem wichtig, dass Ihre Sprachkenntnisse in Deutsch ausreichend sind. In sogenannten reglementierten Berufen (Informationen in deutscher und englischer Sprache) kann es sein, dass ein bestimmtes Niveau deutscher Sprachkenntnisse zwingend erforderlich ist, um die Erlaubnis zur Berufsausübung zu bekommen (siehe Frage 2.2.).

Die Teilnahme an einem Deutschkurs ist daher immer sinnvoll (siehe Frage 4.2.).

4.2 In welche Deutschkurse kann ich gehen und wie kann ich sie beantragen?

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, einen staatlich geförderten Deutschkurs zu besuchen. Je nach Vorkenntnissen kommt für Sie entweder ein Integrationskurs oder ein Berufssprachkurs in Frage.

Wenn Sie keine oder nur sehr wenig Deutschkenntnisse und einen Aufenthaltstitel nach § 24 Aufenthaltsgesetz haben, können Sie von Ihrem örtlichen Jobcenter eine Zulassung zu einem Integrationskurs erhalten. Die Teilnahme ist für Sie kostenlos. Es gibt verschiedene Angebote, zum Beispiel speziell für Frauen oder Eltern.

Wenn Sie schon einen Integrationskurs absolviert haben oder Sie schon gut Deutsch sprechen (Niveau B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen), können Sie einen Berufssprachkurs besuchen. Voraussetzung ist, dass Sie eine Erlaubnis zum Arbeiten haben. Lassen Sie sich von Ihrem örtlichen Jobcenter beraten. Dort kann gemeinsam ein passender Kurs gesucht und Ihnen eine Berechtigung zur Teilnahme ausgestellt werden. Grundsätzlich ist der Kurs kostenlos.

Mit einem Aufenthaltstitel nach § 24 Aufenthaltsgesetz können Sie ebenfalls einen Erstorientierungskurs oder einen sogenannten "MiA-Kurs" ("Migrantinnen einfach stark im Alltag", ein Angebot speziell für Frauen), besuchen.

Weitere Informationen erhalten Sie beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Willkommensangebote und Sprachförderung für Geflüchtete aus der Ukraine.

4.3. Wo kann ich Bücher und Lernmaterialien erhalten, um Deutsch zu lernen?

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bietet auf seiner Webseite eine Übersicht über kostenlose Online-Angebote zum Deutschlernen an.

5. Medizinische Versorgung

5.1 Was ist, wenn ich krank werde oder medizinische Hilfe brauche?

Wenn Sie Geld vom Jobcenter beziehen, haben Sie Krankenversicherungsschutz in der gesetzlichen Krankenversicherung. Wie sonstige gesetzlich krankenversicherte Menschen haben Sie damit nach Maßgabe des Fünften Buchs Sozialgesetzbuch (SGB V) insbesondere Anspruch auf Krankenbehandlung, auf Leistungen bei Schwangerschaft und Mutterschaft und zur Verhütung und Früherkennung von Krankheiten.

Wenn Sie Sozialhilfe beziehen, sind Sie nicht in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert. Sie erhalten aber von einer gesetzlichen Krankenkasse eine Krankenversichertenkarte und können hierüber im Bedarfsfall Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen, die dem Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen. Die dafür entstehenden Kosten werden vom Sozialamt übernommen.

Wenn Sie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG) beziehen, haben Sie nur Anspruch auf die zur Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände erforderliche ärztliche und zahnärztliche Behandlung einschließlich der Versorgung mit Arznei- und Verbandmitteln sowie sonstiger zur Genesung, zur Besserung oder Linderung von Krankheiten und Krankheitsfolgen erforderlichen Leistungen.

Darüber hinaus werden u.a. die zur Verhütung und Früherkennung von Krankheiten oder Krankheitsfolgen amtlich empfohlenen Schutzimpfungen und medizinisch gebotene Vorsorgeuntersuchungen erbracht.

Ein weitergehender Versorgungsanspruch kann gewährt werden, wenn eine Leistung im Einzelfall zur Sicherung der Gesundheit unerlässlich ist. AsylbLG-Leistungsberechtigte, die eine Aufenthaltserlaubnis zum vorübergehenden Schutz wegen Krieges im Heimatland nach § 24 Abs. 1 Aufenthaltsgesetz besitzen und besondere Bedürfnisse haben (bspw. durch schwere Formen psychischer oder physischer Gewalt), steht darüber hinaus ein weitergehender Anspruch auf erforderliche medizinische oder sonstige Hilfe zu.

5.2. Wo finde ich Hilfe bei einer körperlichen oder seelischen Beeinträchtigung?

Aus der Ukraine geflüchtete Menschen mit körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen sowie deren Angehörige benötigen bei ihrer Ankunft in Deutschland Informationen zur barrierefreien Registrierung, ihrem Aufenthalt und einer bedarfsgerechten Unterkunft und Versorgung. Die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) berät diese Menschen bundesweit. Der Verein mittendrin e.V. hat für diesen Personenkreis eine Informationsseite in ukrainischer und russischer Sprache erstellt. Mehr Informationen zur EUTB gibt es im Flyer "Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung".

Bitte wenden Sie sich an die für Sie zuständige Stelle in dem Bundesland, in dem Sie sich aufhalten. Informationen der einzelnen Bundesländer für Geflüchtete mit und ohne Behinderungen aus der Ukraine sowie sie unterstützende Personen finden Sie hier:

Informationen für Menschen aus der Ukraine zur Einreise und zum Aufenthalt in Deutschland

Informationen für Menschen aus der Ukraine zu Leben (u.a. Wohnen, Gesundheit) in Deutschland

Informationen für Menschen aus der Ukraine zur medizinischen Versorgung in Deutschland