Rund 110 Teilnehmende aus Wirtschaft, Verwaltung, Wissenschaft und Politik kamen am 1. Juni 2026 zur zweiten Regionalen Fachkräftewerkstatt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zusammen. Im Fokus der Dialogveranstaltung in den Städtischen Seniorenheimen Dortmund stand die Frage, wie sich der Fachkräftebedarf der Region decken lässt und wie man im Bereich Fachkräftegewinnung voneinander lernen kann. Die Ergebnisse werden in die Weiterentwicklung der nationalen Fachkräftestrategie einfließen.
Nach einem Unternehmensrundgang gemeinsam mit Beschäftigten, Politik und Wirtschaft eröffnete Bundesministerin Bärbel Bas die Fachkräftewerkstatt und machte deutlich: Fachkräftesicherung fordert Bund, Länder und Wirtschaft zugleich und braucht eine gemeinsame Kraftanstrengung. Der Bund setze den Rahmen, umgesetzt werde vor Ort – in den Regionen und Betrieben.
Einen Einblick in aktuelle Entwicklungen gab Dr. Tobias Maier vom Forschungsprojekt "Qualifikation und Beruf in der Zukunft". Die vorgestellten Projektionen zeigen Engpässe in 41 von 140 untersuchten Berufsgruppen. Gleichzeitig verschärft der demographische Wandel die Situation: Insbesondere die Arbeitsmarktregion Düsseldorf und Ruhr ist stärker betroffen als der Bundesdurchschnitt.
Politik und Wirtschaft an einem Tisch
In einer Diskussionsrunde tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Praxis über Herausforderungen und Lösungsansätze aus. Mit dabei waren die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales Kerstin Griese, der Staatssekretär des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen Matthias Heidmeier, die Geschäftsführerin Elisabeth Disteldorf von den Städtischen Seniorenheimen und die Handwerksunternehmerin Katja Lilu Melder.
Beide Unternehmerinnen berichteten anschaulich von vielen Herausforderungen, aber auch Möglichkeiten und guten Ideen, um freie Stellen zu besetzen und Fachkräfte zu gewinnen. Ein zentrales Ergebnis: Viele Lösungsansätze sind bekannt, es hakt an der Umsetzung. Zudem erreichen Unterstützungsangebote die Betriebe häufig zu spät. Staatssekretär Heidmeier warb dafür, die berufliche Bildung ebenso entschlossen zu stärken wie die Wissenschaft. Parlamentarische Staatssekretärin Griese hob die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung als zu selten genutztes Potenzial hervor.
Bundesministerin Bas im Gespräch mit den Mitarbeitenden der Städtischen Seniorenheime Dortmund (SHDO).
Im Skills Lab der SHDO zeigen Praxisanleiter und Azubis, wie die Pflegeausbildung praxisnah umgesetzt wird.
Bundesministerin Bas und der nordrhein-westfälische Staatssekretär Heidmeier (links) beim Unternehmensrundgang.
Handwerksunternehmerin Melder (links) nahm ebenfalls an der Fachkräftewerkstatt teil.
Moderatorin Julia Kropf (rechts) und Bundesministerin Bas beim Auftakt der zweiten Regionalen Fachkräftewerkstatt.
Rund 100 Teilnehmende aus Politik, Wirtschaft und Praxis kamen zur Fachkräftewerkstatt in Dortmund.
Handwerkmeisterin Melder und SHDO-Geschäftsführerin Disteldorf sprachen mit Staatssekretär Heidmeier und Staatssekretärin Griese (v.l.n.r.).
In vier Werkstattgesprächen tauschten sich die Teilnehmenden zur Lösungsansätzen und Erfolgsbeispielen aus.
Thema der Werkstattgespräche war u.a. die Bedeutung von "Guter Arbeitskultur", um Fachkräfte zu gewinnen.
Staatssekretärin Griese beteiligte sich auch an den Werkstattgesprächen, hier zum Thema "Höhere Erwerbsbeteiligung“.
Die vielen Ergebnisse der Werkstattgespräche werden dokumentiert und fließen in die Weiterentwicklung der Fachkräftestrategie ein.
Zum Abschluss zog Staatssekretärin Kerstin Griese im Gespräch mit Moderatorin Julia Kropf ein positives Fazit.
Vier Werkstätten, vier Schwerpunkte
Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmenden in vier Werkstätten zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen. Im Bereich Ausbildung ging es um eine engere Zusammenarbeit mit Schulen und darum, das große Förderangebot besser auffindbar zu machen. Die Werkstatt zum Thema Arbeitskultur stellte Führung auf Augenhöhe sowie eine aktive Begleitung von Veränderungsprozessen durch präsente Führungskräfte in den Mittelpunkt.
Im Bereich Erwerbsbeteiligung wurde diskutiert, wie das Potenzial von Menschen mit Behinderungen besser als bisher in den Arbeitsmarkt integriert werden kann. Die Werkstatt zum Thema Einwanderung betonte, dass Deutschland in der Werbung um ausländische Fachkräfte im Wettbewerb zu anderen Ländern stehe und formulierte gleichzeitig einen Wunsch, den es bereits in der ersten Fachkräftewerkstatt gab: Ein zentraler Ansprechpartner statt vieler Behörden mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Genau deshalb plant die Bundesregierung die Errichtung einer Work-and-Stay-Agentur, die alle Prozesse für die Fachkräfteeinwanderung bündelt.
Was bleibt und wie es weitergeht
Kerstin Griese zog ein positives Fazit: Beeindruckt habe sie, wie viel bereits vor Ort passiere und wie eng sich die Teilnehmenden vernetzt haben. Ihr Schlusswort gab die Richtung vor: "Für uns als Politik ist es total wichtig zu wissen, was wirklich vor Ort läuft. Und dafür brauchen wir Sie."
Zwei weitere Fachkräftewerkstätten sind in diesem Jahr im Norden und Süden Deutschlands geplant.