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Für eine faire und soziale Zukunft - die Arbeitswelt von morgen gestalten

19. Januar 2018

Digitale Weltkarte.
Quelle:  iStock

Das BMAS will die Bekämpfung von Ungleichheiten und die Förderung von inklusivem Wirtschaftswachstums innerhalb der G20 konsequent voranbringen. Aus diesem Grund haben wir vier Themenschwerpunkte gesetzt, die wir in die Arbeitsgruppe Beschäftigung (Employment Working Group) eingebracht haben. Die Employment Working Group besteht aus hochrangigen Vertreterinnen und Vertretern aller G20-Arbeits- und Beschäftigungsministerien, die auchdie Abschlusserklärung, die die G20-Arbeitsministerinnen und -minister am 18./19. Mai 2017 in Bad Neuenahr verabschiedet haben, vorbereitet haben. Gemeinsam mit den G20-Partnern haben wir konkrete Handlungsoptionen und Politikempfehlungen erarbeitet, um unserem Ziel - der Schaffung von inklusiven, produktiven und zukunftsfähigen Arbeitsmärkten - einen wesentlichen Schritt näherzukommen. Die Themenschwerpunkte lauteten:

  1. Verbesserung der Qualität von Frauenerwerbstätigkeit
  2. Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen, Migranten und Geflüchteten
  3. Förderung nachhaltiger globaler Lieferketten
  4. Gestaltung der Zukunft der Arbeit

Zusätzlich zu den vier Themenschwerpunkten wurden die Querschnittsthemen "Förderung Jugendbeschäftigung" und "Sozialpartnerschaft" bei allen Themenschwerpunkten berücksichtigt. So spielen für die gelungene Integration insbesondere junger Migrantinnen und Migranten passgenaue Unterstützungsmaßnahmen während der Berufsausbildung eine wichtige Rolle.

Frauenerwerbstätigkeit

Weltweit beteiligen sich Frauen seltener als Männer am Erwerbsleben - und wenn sie einer bezahlten Arbeit nachgehen, ist die Qualität ihrer Jobs häufig schlechter. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Die Erwerbsquote von Frauen ist in allen G20-Ländern niedriger als die von Männern. Die Lücke reicht von unter 10 Prozentpunkten in Frankreich und Kanada bis zu über 30 Prozentpunkten in vielen Schwellenländern (Deutschland: rund 11 Prozentpunkte). Darüber hinaus verdienen Frauen in allen G20-Ländern weniger als Männer: Bezogen auf den Stundenlohn ist die Lohnlücke (Gender Pay Gap) in fast allen G20 Ländern höher als 10% (Deutschland: rund 17%), in manchen Schwellenländern ist sie höher als 40%. In vielen G20-Schwellenländern ist mindestens jede dritte Frau im informellen Sektor beschäftigt. Das Resultat weiblicher Erwerbsverläufe ist häufiger als bei Männern eine lückenhafte soziale Sicherung, insbesondere bei Altersrenten. In den G20 beziehen durchschnittlich 22 Prozent der Frauen keine Altersrente, wobei in einzelnen Schwellenländern der Prozentsatz noch wesentlich höher ist und über 80% liegt.

Die G20-Länder verschenken durch die anhaltende Benachteiligung von Frauen im Erwerbsleben wichtiges Wachstumspotenzial. Frauen haben in allen G20-Staaten mittlerweile einen besseren Bildungsstand als Männer - sie haben häufiger Abitur und öfter einen Studienabschluss. Industriestaaten unter den G20 sind aufgrund des demographischen Wandels unter Druck, ihr Arbeitskräfteangebot zu erhöhen. In den Schwellenländern besteht die Herausforderung darin, ihr gesamtes Arbeitskräftepotenzial für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung voll zu nutzen.

Die G20 haben das erkannt und sich unter australischer Präsidentschaft 2014 dazu verpflichtet, die Lücke in der Erwerbsquote zwischen Männern und Frauen bis 2025 um 25 Prozent zu schließen. Dadurch soll sich die Zahl der erwerbstätigen Fn G20-Ländern niedriger als die von Männern. Die Lücke reicht von unter 10 Prozentpunkten in Frankreich und Kanada bis zu über 30 Prozentpunkten in vielen Schwellenländern (Deutschland: rund 11 Prozentpunkte). Darüber hinaus verdienen Frauen in allen G20-Lärauen um 100 Millionen erhöhen. Bereits jetzt ist jedoch abzusehen, dass dieses Ziel schwierig zu erreichen sein wird. Daher haben wir dem Thema unter deutscher G20-Präsidentschaft einen neuen Impuls gegeben und die Qualität der Frauenerwerbstätigkeit in den Blick genommen. Wie haben uns u. auf politische Empfehlungen in folgenden Bereichen verständigt:

  • Einkommens- und Karrierechancen von Frauen verbessern
  • Entgeltunterschiede abbauend
  • den Anteil von Frauen in Tätigkeiten im Niedriglohnbereich und insbesondere im informellen Sektor reduzieren
  • die Vereinbarkeit von Karriere und Familie für Frauen und Männer weiter voranbringen und unfreiwillige Teilzeit bei Frauen reduzieren

Die G20-Partner haben sich im Rahmen eines Aktionsplans auch dazu bekennen, dass Stereotype und Vorurteile in Bezug auf die Beschäftigung von Frauen und die Verteilung von Familienpflichten zwischen den Geschlechtern weiter aktiv abgebaut werden müssen. Sie haben außerdem die zentrale Rolle der Sozialpartner auf Verbands- und auf betrieblicher Ebene bei der Verbesserung der Qualität von Frauenerwerbstätigkeit hervorgehoben.

Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen und Migranten und Geflüchteten

Die Welt erlebt derzeit mit annähernd 244 Millionen Migrantinnen und Migranten sowie 16,1 Millionen internationalen Flüchtlingen die größten Migrations- und Fluchtbewegungen seit dem zweiten Weltkrieg. Mehr als die Hälfte aller Migrantinnen und Migranten - über 130 Millionen - leben derzeit in G20-Ländern. Von den internationalen Flüchtlingen aus Krisengebieten weltweit hat knapp ein Drittel in G20-Ländern humanitären Schutz erhalten. Der maßgebliche Anteil verteilt sich dabei auf elf G20-Staaten: So hat die Türkei beispielsweise 2,5 Millionen Menschen aufgenommen, gefolgt von Deutschland, Russland, China und den Vereinigten Staaten (Stand Ende 2015, Zahlen vom UNHCR).

Beim Thema Arbeitsmarktintegration von Migrantinnen, Migranten und anerkannten Geflüchteten stehen die einzelnen Staaten der G20 vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen. So ist in jedem Land die Arbeitsmarktsituation eine andere. Wesentlich ist auch die Frage, ob es sich um Geflüchtete handelt oder um Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Job oder besseren Lebensbedingungen freiwillig ihr Heimatland verlassen haben. Eine besondere Gruppe sind auch Rückkehrer, also Menschen, die nach einer Ausbildung oder Beschäftigung im Ausland wieder in ihr Heimatland zurückkehren.

Während der türkischen G20-Präsidentschaft 2015 und der chinesischen G20-Präsidentschaft 2016 wurde bereits deutlich Handlungsbedarf in Bezug auf die bessere Nutzung der Potenziale von Migration formuliert. Bei ihrem Gipfeltreffen in Hangzhou 2016 bestätigten die Staats- und Regierungschefs, dass eine gute organisierte Arbeitsmigration eine Bereicherung für Wirtschaft und Gesellschaft sein kann. Die Vereinten Nationen streben bis 2018 umfassende Vereinbarungen zu Migration ("Globaler Compact zu sicherer, ordnungsgemäßer und fairer Migration") und Flucht ("Globaler Compact für Flüchtlinge") an. Dies wurde auf einem UN-Gipfel der Staats- und Regierungschefs zu Flucht und Migration im September 2016 vereinbart. Darüber hinaus verpflichteten sich 49 Staaten (darunter auch Deutschland) auf einem von US-Präsident Obama einberufenen Sondergipfel ebenfalls im September 2016, eine Million Flüchtlinge zusätzlich in Beschäftigung zu bringen.

Unter deutscher Präsidentschaft haben wir an diese Verpflichtungen und Erklärungen angeknüpft und konkrete Politikempfehlungen zur effektiven und fairen Integration in den Arbeitsmarkt ausgearbeitet. Ziel war, durch ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen und Lösungsansätze die Lebensperspektiven für Migrantinnen, Migranten und Geflüchtete in den G20-Ländern zu verbessern und damit sozialer Ausgrenzung entgegenzuwirken. Darüber hinaus wurde herausgestellt, dass eine gelungene Arbeitsmarktintegration auch mit Vorteilen für Wirtschaft und Gesellschaft im jeweiligen Aufnahmestaat verbunden ist - beispielsweise im Hinblick auf den in einigen Ländern herrschenden Fachkräftemangel.

Nachhaltige Lieferketten

Rund 70 Prozent des weltweiten Handels sind über globale Liefer- und Produktionsketten organisiert. Das bedeutet, dass die Schritte zur Herstellung eines Produkts an verschiedenen Standorten in verschiedenen Ländern ablaufen. Zwischen 1995 und 2013 ist die Anzahl der Arbeitsplätze, die im Zusammenhang mit globalen Lieferketten stehen, um mehr als 50 Prozent gestiegen. Heute sind weltweit rund 453 Millionen Jobs direkt von der globalen Verzahnung von Produktionsaktivitäten abhängig. Lieferketten sind somit ein wichtiger Motor für Jobs und globales Wachstum. Zugleich sind die Produktionsstätten in ärmeren Ländern häufig anfällig für Ausbeutung, prekäre Beschäftigung und gefährliche Arbeitsbedingungen. Dies hat spätestens der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza/Bangladesch im April 2013 mit mehr als 1.100 Toten deutlich vor Augen geführt. Wir alle - Regierungen, Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbraucher - tragen deswegen Verantwortung dafür, dass Arbeits-, Sozial- und Umweltstandards weltweit effektiv umgesetzt werden. Die Durchsetzung menschenwürdiger Arbeit in Lieferketten ist ein wesentlicher Aspekt für eine faire, ökologische und sozial gerechte Gestaltung der Globalisierung.

Das BMAS konnte 2015 innerhalb der deutschen G7-Präsidentschaft gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung das Thema bessere Arbeitsbedingungen in Lieferketten als einen Handlungsschwerpunkt auf der globalen Agenda verankern. Mit der Vereinbarung "Action for Fair Production" brachten die G7-Arbeits-und Beschäftigungsminister konkrete Maßnahmen auf den Weg.

Eine davon ist der bei der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) eingerichtete "Vision Zero Fonds" - ein globaler Präventionsfonds, der in ärmeren Produktionsländern Maßnahmen zur Verbesserung des Arbeitsschutzes unterstützen wird. Der Fonds wird von einer breiten Allianz aus G7-Regierungen, Gewerkschaften und Arbeitgebern unterstützt. Er richtet sich an Geber aus dem öffentlichen sowie privaten Sektor. Ein erstes Pilotprojekt hat das BMAS im Juni 2016 in Myanmar gestartet.

Auch im Rahmen der G20 haben die Staats- und Regierungschefs in ihren Abschlusserklärungen 2015 und 2016 die nachhaltige Gestaltung von globalen Lieferketten und insbesondere den Arbeitsschutz als gemeinsame Herausforderungen identifiziert. Dies muss nun konkretisiert werden. Deswegen hat sich das BMAS innerhalb der G20 weiter für folgende Punkte eingesetzt:

  • Verbesserung der Arbeitsbedingungen entlang globaler Lieferketten
  • Unterstützung des Vision Zero Fonds durch die G20
  • Initiativen zur Schaffung existenzsichernder Löhne entlang globaler Lieferketten sollen unterstützt und vorangetrieben werden
  • Unterstützung von Unternehmen im Hinblick auf verantwortliches und transparentes Lieferketten-Management sowie die Anwendung unternehmerischer Sorgfaltspflicht
  • Stärkung von Beschwerdemechanismen bei Verletzungen von Arbeits- und Sozialstandards

Zukunft der Arbeit

Die Digitalisierung schafft neue technologische Grundlagen und Möglichkeiten sowohl für die Zusammenarbeit von Erwerbstätigen als auch von Mensch und Maschine sowie für Produktion, Organisation von Unternehmen und den Vertrieb von Waren und Dienstleistungen. Die Globalisierung hat in den letzten Jahrzehnten – auch durch das Internet – den Aktionsradius von Unternehmen und Beschäftigten erweitert und grenzüberschreitenden Handel sowie Kommunikation ermöglicht. Der demografische Wandel beeinflusst, wer sich mit welcher Qualifikation aktuell und zukünftig an der gesellschaftlichen Wertschöpfung beteiligen kann. Der fortgesetzte kulturelle und gesellschaftliche Wandel verändert Konsumverhalten und Beziehungsgefüge und hat entscheidenden Einfluss darauf, welche Neuerungen Akzeptanz finden und sich durchsetzen – und welche nicht.

Im Zusammenspiel dieser Entwicklungen eröffnen sich viele Möglichkeiten, in der Zukunft anders – produktiver, flexibler, vernetzter, internationaler – zu arbeiten. Zugleich erzeugen diese Möglichkeiten aber auch Veränderungs-, Anpassungs- und Innovationsdruck, zu dem sich Einzelne und Gesellschaften verhalten müssen. Deshalb ist es so wichtig, den Prozess von Seiten der Regierungen gemeinsam mit allen wichtigen gesellschaftlichen Akteuren zu gestalten.

Das BMAS wollte im Kreis der G20 Antworten und Maßnahmen finden, die für sozialen Fortschritt sorgen, an dem (auch in Zukunft) alle teilhaben können. Es ging darum, Arbeit und Beschäftigung in Bereichen wie Aus- und Weiterbildung, sozialer Sicherung und Beteiligung der Sozialpartner zukunftsfest zu machen und dabei für gute Beschäftigungsbedingungen zu sorgen.

Ein wichtiger Bezugsrahmen bei diesem Schwerpunkt war die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, insbesondere das SDG 8, "die Schaffung guter Arbeitsplätze sowie die Förderung von dauerhaftem, inklusivem und nachhaltigem Wachstum". Die deutsche G20-Präsidentschaft bot zudem die Gelegenheit, nationale Strategien wie den Dialogprozess Arbeiten 4.0 auch mit internationalen Partnern zu diskutieren und sie mit internationalen Vorhaben wie der ILO "Future of Work"-Jahrhundertinitiative oder der neuen OECD-Job Strategy zu verzahnen.

Ziel ist es, die G20-Arbeitsmärkte mit ihren unterschiedlichen Voraussetzungen auf die Zukunft der Arbeit vorzubereiten. Dafür haben wir innerhalb der G20 Vereinbarungen zu folgenden Prioritäten getroffen:

  • Erhalt und der Ausbau der individuellen Beschäftigungsfähigkeit – insbesondere durch die Stärkung von Weiterbildung für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
  • Gewährleistung eines umfassenden Zugangs zu sozialer Absicherung, auch für Solo-Selbständige und unabhängig von der Form der Erwerbstätigkeit
  • eine gemeinsam mit den Sozialpartnern verhandelte faire und flexible Organisation von Arbeit, z.B. im Hinblick auf Arbeitszeiten und Arbeitsort

Schü­ler be­rich­ten über G20-The­men

Vier Schulen aus der Region Bad Neuenahr-Ahrweiler haben in einem Videoprojekt jeweils eines der Schwerpunktthemen des G20-Treffens aus ihrer Sicht bearbeitet.

Tref­fen der G20-Ar­beits- und Be­schäf­ti­gungs­mi­nis­ter

Am 18. und 19. Mai 2017 trafen sich die G20-Arbeits- und Beschäftigungsministerinnen und -minister in Bad Neuenahr-Ahrweiler, Rheinland-Pfalz, um sich über aktuelle arbeitsmarktpolitische Themen auszutauschen.