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BMAS Fachkräftemonitoring

22. Januar 2019

Projektion von Fachkräfteangebot und -nachfrage in der digitalen Arbeitswelt

Büroangestellte studieren Diagramme.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist im fortwährenden Wandel. Wesentliche Veränderungen gehen von der demografischen Entwicklung und der Dynamisierung des digitalen Strukturwandels aus. Um eingeschlagene Pfade zur Fachkräftesicherung systematisch zu überprüfen, bedarf es verlässlicher Einschätzungen der zukünftigen Entwicklung sowohl des Bedarfs als auch des Angebots an Fachkräften. Analytische Grundlage ist neben der bewährten Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit die neue Arbeitsmarktprojektion des BMAS: das Fachkräftemonitoring. Das Ziel ist die rechtzeitige Identifikation von mittel- und langfristigen beruflichen Passungsproblemen (2025-2035).

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erstellen in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) für das BMAS Projektionen für Berufe und Branchen und zeigen mögliche zukünftige Entwicklungen auf. Das Model basiert auf dem QuBe-Projekt – BIBB-IAB Qualifikation- und Berufsprojektionen.

Die Ergebnisse hängen stark von den im Modell getroffenen Annahmen ab. Mit der Projektion werden Aussagen unter dem aktuellen Kenntnisstand getroffen. Dieser bezieht sich unter anderem auf die Vorgaben zur Wirkung technologischer Veränderungen. Die mit der Projektion verbundenen Unsicherheiten erfordern eine kontinuierliche Neubewertung der Vorgaben und ihrer Wirkungen auf die Projektionsergebnisse.

Ergebnisse

Die Bevölkerung Deutschlands wächst bis zum Ende der 2020er Jahre, was sich stimulierend auf die Wirtschaft auswirkt. Im Anschluss wird die Bevölkerungszahl leicht rückläufig sein.

Die Zahl der Erwerbspersonen wird bis 2025 noch um 600.000 auf 46,8 Millionen steigen und danach bis 2035 auf etwas über 45,5 Millionen sinken. Mit der langfristig sinkenden Erwerbspersonenzahl verliert das Wirtschaftswachstum an Dynamik.

Die Zahl der Erwerbstätigen wird ebenfalls bis Mitte der nächsten Dekade um über 800 000 auf 45,7 Millionen zunehmen. Danach wird sie – hauptsächlich aufgrund des sinkenden Arbeitsangebots – auf 44,1 Millionen im Jahr 2035 zurückgehen.

Die Erwerbslosigkeit bewegt sich langfristig auf einem historisch niedrigen Niveau von rund 1,4 Millionen.

Arbeitsmarktbilanz bis 2035

Jahr19911993199519971999200120032005200720092011201320152017201920212023202520272029203120332035
Erwerbslose2,173,053,213,763,373,063,814,513,473,102,402,181,941,621,161,151,191,221,331,411,421,401,45
Erwerbstätige38,7937,7937,9637,9539,0339,8139,2039,3340,3340,8941,5842,3243,0744,2745,3045,6045,7245,6945,4645,1244,7544,4344,14
Erwerbspersonen41,0240,8441,0941,6342,3042,7342,8943,7343,7343,9443,9344,4444,9445,7946,3546,6446,8146,8146,6946,4346,0745,5845,49

Die Demografie prägt aufgrund der sich wandelnden Altersstruktur auch den Strukturwandel: Die zunehmende Anzahl älterer Menschen sorgt dafür, dass das Gesundheits- und Sozialwesen in 2035 die meisten Erwerbstätigen beschäftigen wird. Gleichzeitig wird aufgrund der ebenfalls wieder zunehmenden Zahl jüngerer Menschen die Nachfrage nach Erziehungs- und Unterrichtsleistungen zunehmen.

Der wirtschaftliche und berufliche Strukturwandel führt dazu, dass im Jahr 2025 im Vergleich zu heute 1,3 Mio. Arbeitsplätze wegfallen und 2,1 Mio. neue Arbeitsplätze entstehen werden. Bis 2035 werden fast 3,3 Mio. neue Arbeitsplätze entstehen und gleichzeitig aber auch rund 4,0 Mio. Arbeitsplätze nicht mehr existieren.

Anzahl der bis 2035 neu entstehenden und wegfallenden Arbeitsplätze

JahrGewinnVerlust
20252,1-1,3
20353,3-4,0


Obwohl ein flächendeckender Mangel an Arbeitskräften nicht ersichtlich ist, treten berufsspezifische Fachkräfteengpässe auf. Betroffen sind vor allem Berufe mit einer steigenden Arbeitsnachfrage wie in der Gesundheit und Pflege, in Schutz und Sicherheit sowie Erziehung. Aber auch in einzelnen Handwerksberufen und in der Landwirtschaft führt ein sinkendes Fachkräfteangebot zu Rekrutierungsschwierigkeiten.

Bei Berufsgruppen mit breiten Zugangsmöglichkeit für Personen mit berufsfremder oder ohne berufsfachliche Qualifikationen besteht hingegen eine hohe Konkurrenz bei der Stellensuche. Dies betrifft zum Beispiel Berufe im Einzelhandel, in der Gastronomie und Reinigung oder in der Lagerwirtschaft. Der fortschreitende Strukturwandel wird aber auch die Arbeitsnachfrage im Rechnungswesen und Controlling verringern.

BMAS-Pro­gno­se "Di­gi­ta­li­sier­te Ar­beits­welt"

Auf Basis des Fachkräftemonitorings wurde die BMAS-Prognose "Digitalisierte Arbeitswelt" entwickelt, deren zentrale Ergebnisse in diesem Forschungsbericht vorgestellt werden.

Me­tho­di­sche Er­läu­te­run­gen zur BMAS-Pro­gno­se "Di­gi­ta­li­sier­te Ar­beits­welt"

In diesen Bericht werden das im Rahmen des Projekts "Entwicklung eines Analyseinstruments zur Prognose von Fachkräfteangebot und -nachfrage in Deutschland (Fachkräftemonitoring)" verwendete Modellinstrumentarium, die methodischen Zusammenhänge und die Annahmen der BMAS-Prognose "Digitalisierte Arbeitswelt" näher erläutert.