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International

Deutschland übernimmt mehr Verantwortung bei der Bekämpfung von Kinderarbeit

Heil: "Das nationale Lieferkettengesetz ist ein wichtiger Meilenstein"

Anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit am 12. Juni haben die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) und UNICEF einen Bericht mit aktuellen Zahlen und Prognosen zur Kinderarbeit weltweit veröffentlicht („Child Labour: Global estimates 2020, trends and the road forward“). Anfang 2020 waren demnach 160 Millionen Kinder von Kinderarbeit betroffen. 79 Millionen − also die Hälfte der Kinder − arbeiteten unter besonders ausbeuterischen und gefährlichen Bedingungen.

Der bis dahin rückläufige Trend wurde gebrochen. Faktisch arbeiteten 2020 weltweit acht Millionen Kinder mehr als noch 2016. Die ILO-Prognosen zu den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie malen ein noch düsteres Bild. Bis Ende des Jahres 2022 werden als Folge der Pandemie und der steigenden Armut in vielen Regionen der Welt weitere neun Millionen Kinder zur Arbeit gezwungen sein. Die aktuelle Entwicklung stellt das Erreichen des wichtigen Zieles der Nachhaltigkeitsagenda 2030 in Frage. Danach soll Kinderarbeit bis zum Jahr 2025 weltweit beseitigt sein.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil ruft dazu auf, die weltweiten Anstrengungen im Kampf gegen Kinderarbeit deutlich zu erhöhen:

Der ILO/UNICEF-Bericht ist alarmierend und muss alle politischen Kräfte weltweit wachrütteln. Kinderarbeit ist nicht hinnehmbar und überall inakzeptabel. Deshalb geht es jetzt darum, alle Kräfte zu bündeln und Kinderarbeit überall in der Welt zu ächten und entschieden zu bekämpfen! Wir müssen auch in Deutschland unsere Anstrengungen erheblich verstärken, um die Ziele der VN-Nachhaltigkeitsagenda 2030 zu erreichen. Das nationale Lieferkettengesetz ist ein ganz wichtiger Meilenstein in diesem Kampf. Denn es bezieht ausdrücklich die ILO-Kernarbeitsnormen ein und damit auch das Mindestalter für Beschäftigung und das Verbot und Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit. Jetzt geht es darum, auch in Europa und weltweit für gesetzliche Regelungen von Unternehmensverantwortung in Lieferketten einzutreten.

Deutschland wird mehr Verantwortung bei der Bekämpfung von Kinderarbeit übernehmen. BM Heil hat sich Anfang Juni mit einem Schreiben an ILO-Generaldirektor Guy Ryder gewandt und die Bereitschaft Deutschlands erklärt, in wegbereitender Rolle im Rahmen der Alliance 8.7 mitzuarbeiten. Die Alliance 8.7 ist ein Multistakeholderbündnis, das von der ILO 2016 zur Erreichung der Agenda 2030 ins Leben gerufen wurde und die weltweite Bekämpfung von Kinder- und Zwangsarbeit verfolgt. Das BMAS wird in diesem und im nächsten Jahr für die Unterstützung von Länderprojekten zusätzlich eine Millionen Euro zur Verfügung stellen.

Dazu erklärte Bundesminister Heil:

Wer Kinderarbeit verharmlost oder rechtfertigt, hat das Ausmaß und den Ernst der Lage nicht erkannt. Besonders dramatisch ist die Situation der jüngeren Kinder. Bei den 5- bis 11-Jährigen ist die Zahl im Vergleich zu 2016 um fast 17 Millionen gestiegen. Das ist bestürzend! Und es ist eine dringende Aufforderung zu handeln. Kinder gehören in die Schule, statt in Minen, in Fabriken oder auf Feldern zu schuften.

Das Sorgfaltspflichtengesetz soll der Verbesserung der internationalen Menschen­rechtslage dienen, indem es Anforderungen an ein verantwortliches Management von Lieferketten für bestimmte Unternehmen festlegt.