Am 13. März startet auf Einladung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales der Branchendialog Lebensmitteleinzelhandel und Ernährungsindustrie. Mitglieder des Dialogs sind Lebensmitteleinzelhändler, Drogerieketten, Unternehmen der Ernährungsindustrie, Wirtschaftsverbände, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften sowie das Deutsche Institut für Menschenrechte und die Bundesregierung.
Der neue Branchendialog sorgt für mehr Fairness. Bürgerinnen und Bürger wollen sicher sein, dass ihre Produkte aus dem Supermarkt nicht auf Ausbeutung beruhen. Dafür arbeiten wir eng mit Unternehmen, Verbänden, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft zusammen.
In Supermärkten und Lebensmittelgeschäften kaufen täglich Millionen von Menschen in Deutschland ein. Der Lebensmitteleinzelhandel und die Ernährungsindustrie zählen zu den umsatzstärksten Bereichen der deutschen Wirtschaft. Als bedeutender Importeur und Exporteur handelt die Branche auf globalen Märkten. Dabei bergen ihre internationalen Lieferketten oftmals menschenrechtliche und ökologische Risiken.
Bei der Verarbeitung und dem Transport von Lebensmitteln sowie in der Landwirtschaft können diese Risiken gravierend sein. Menschen arbeiten hier bisweilen unter ausbeuterischen Bedingungen, sowohl im Globalen Süden, als auch in Europa. Die Lebensmittelbranche trägt daher eine enorme Verantwortung – für Konsumentinnen und Konsumenten, für die eigenen Mitarbeitenden sowie für Beschäftigte in der Lieferkette.
Gemeinsam #FaireLieferketten gestalten
Bereits seit 2020 führt das BMAS Branchendialoge mit der deutschen Wirtschaft durch. Nach dem Branchendialog Automobilindustrie und dem Branchendialog Energiewirtschaft folgt nun das dritte Format. Ziel ist es, Unternehmen in Branchen mit besonderen menschenrechtlichen Herausforderungen bei der Umsetzung ihrer Sorgfaltspflichten zu unterstützen.
Hinter dem Multi-Stakeholder-Ansatz steht die Überzeugung, dass die Zusammenarbeit verschiedener Akteure hilfreich ist, um strukturelle Missstände zu beheben. Ressourcen lassen sich bündeln, Erfahrungen teilen und so das Einflussvermögen vergrößern. Gleichzeitig muss nicht jeder Akteur das Rad neu erfinden, wenn es bereits tragfähige Lösungen gibt.
Die Achtung der Menschenrechte ist für uns ein zentraler Unternehmenswert. Im Branchendialog bringen wir zusammen mit verschieden Akteuren unsere Erfahrungen ein, um menschenrechtliche Risiken entlang der Lieferkette besser zu verstehen und aktiv zu minimieren. Nur gemeinsam können wir effektiv zu konkreten Verbesserungen für Arbeitskräfte in den agrarischen Lieferketten beitragen.
Leid und Ausbeutung sind regelmäßig Zutaten unseres Essens, das wir in Supermärkten kaufen. Um das zu ändern, brauchen wir die geballte Kraft aller Akteure der Lieferkette. Strukturell bedingten Missständen müssen wir mit systemverändernden Lösungen einschließlich gemeinsamer Beschwerdemechanismen, der Stärkung von Gewerkschaftsrechten und fairen Einkaufspraktiken begegnen.
Menschenrechtliche Sorgfaltspflichten wirksam erfüllen
Die Erfahrungen aus den Branchendialogen der Automobilindustrie und der Energiewirtschaft zeigen: Wer gemeinsam handelt, kommt weiter. Der Branchendialog hilft Unternehmen, ihre menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten praktisch umzusetzen – und kann dabei den individuellen Aufwand für alle Beteiligten reduzieren.
Menschenrechtliche Sorgfaltspflichten sind für uns ein Erfolgsfaktor – für unsere Kund*innen, Geschäftspartner*innen und die Menschen in unseren Lieferketten. Gesetzliche Vorgaben schaffen faire Wettbewerbsbedingungen, während Initiativen wie der Branchendialog den Austausch fördern, praxisnahe Lösungen entwickeln und einen systemischen Wandel vorantreiben. So senken wir Bürokratie und steigern gemeinsam den Mehrwert für alle.
Das Lieferkettengesetz sagt: Unternehmen, ihr müsst Arbeits- und Menschenrechte einhalten. Doch viele Betroffene, insbesondere in prekären Jobs, setzen ihre Rechte aus Angst oder Abhängigkeit nicht durch. Deshalb sind Formate wie der Branchendialog wichtig: Unternehmen, Gewerkschaften und NGOs können Verfahren gemeinsam verbessern, Verstöße erschweren und Rechteinhabende stärken.
Sowohl das Lieferkettengesetz (LkSG) als auch die europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) nennen Brancheninitiativen als geeignete Plattformen, um Sorgfaltspflichten gemeinsam umzusetzen. Mit dem Branchendialog können Unternehmen den Anforderungen der Regelwerke gezielter und effizienter begegnen – und sind für den regulatorischen Wandel gerüstet.