Navigation und Service

Sie sind hier:

Klarstellung beim Zugang zu Sozialleistungen für EU-Ausländer

12. Oktober 2016

BMAS präzisiert Ansprüche im SGB II und SGB XII

Zwei Frauen sitzen gemeinsam an einem Computer.
Quelle:  iStock

Das Bundeskabinett hat heute den Entwurf eines Gesetzes zur Regelung von Ansprüchen ausländischer Personen in der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch und in der Sozialhilfe nach dem Zwölften Buch Sozialgesetzbuch beschlossen. Der Gesetzentwurf stellt Leistungsansprüche und Leistungsausschlüsse im SGB II und SGB XII insbesondere für Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union in Deutschland gesetzlich klar.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles:

Mit dem vorliegenden Gesetzentwurf schaffen wir wieder Rechtssicherheit. Klar ist: Wer hier lebt, arbeitet und Beiträge zahlt, der hat auch einen berechtigten Anspruch auf Leistungen aus unseren Sozialsystemen. Wer jedoch noch nie hier gearbeitet hat und für seinen Lebensunterhalt auf staatliche finanzielle Unterstützung aus der Grundsicherung angewiesen ist, für den gilt der Grundsatz: Existenzsichernde Leistungen sind im jeweiligen Heimatland zu beantragen. Mit dieser Klarstellung stärken wir das Vertrauen in die europäische Idee und eine ihrer größten Errungenschaften: die Arbeitnehmerfreizügigkeit. Und wir schützen unsere Kommunen vor finanzieller Überforderung, die die Sozialhilfeleistungen zu schultern haben.

Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs, des Bundessozialgerichts (BSG) sowie einiger Landessozialgerichte hatten eine Konkretisierung der gesetzlichen Vorgaben erforderlich gemacht. Durch die Urteile des BSG war der Zugang zu Leistungen der Sozialhilfe für nicht erwerbstätige Unionsbürgerinnen und -bürger aus anderen EU-Mitgliedstaaten nach einem sechsmonatigen Aufenthalt in Deutschland ermöglicht worden.

Künftig gilt: Wer nicht in Deutschland arbeitet, selbständig ist oder einen Leistungsanspruch nach SGB II auf Grund vorheriger Arbeit erworben hat, dem stehen innerhalb der ersten fünf Jahre keine dauerhaften Leistungen nach SGB II oder SGB XII zu. Die Betroffenen können jedoch Überbrückungsleistungen bis zur Ausreise erhalten - längstens für einen Zeitraum von einem Monat.

Ein Leistungsanspruch im jeweils einschlägigen Leistungssystem kommt für Unionsbürgerinnen und Unionsbürger künftig nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Deutschland zum Tragen. Erwerbsfähige Leistungsberechtigte erhalten dann Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem SGB II. Für sie gilt dann auch der Grundsatz des "Förderns und Forderns". Eine Ausnahme besteht für Personen, bei denen der Verlust des Freizügigkeitsrechts festgestellt wurde. Zeiten, in denen sich Personen nicht rechtmäßig in Deutschland aufhalten, weil sie ausreisepflichtig sind, werden auf den Fünf-Jahres-Zeitraum nicht angerechnet.

Die Grafik erklärt den Anspruch von EU-Bürgerinnen und -Bürgern auf Sozialleistungen vor dem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) und nach der vorgeschlagenen Neuregelung.

Es wird nach drei verschiedenen Personengruppen unterschieden:

  1. Personen, die ohne vorherige Beschäftigung arbeitslos sind,
  2. Personen, die nach mehr als einem Jahr Beschäftigung arbeitslos geworden sind sowie
  3. Personen, die nach weniger als einem Jahr Beschäftigung arbeitslos geworden sind.

Für die erste Personengruppe bestand vor dem BSG-Urteil vollständiger Ausschluss auf den Anspruch von Sozialleistungen. Nach dem BSG-Urteil erhielten sie Leistungen der Sozialhilfe (SGB XII) nach 6 Monaten Aufenthalt. Die vorgeschlagene Neuregelung erlaubt einen Ausschluss innerhalb der ersten fünf Jahre, Überbrückungsleistungen bis zur Ausreise (längstens für einen Monat) und Darlehen für die Rückfahrt. Des Weiteren erhalten sie Leistungen wie Inländer nach 5 Jahren Aufenthalt.

Die zweite Personengruppe erhält Arbeitslosengeld I und anschließend Arbeitslosengeld II wie Inländer. Hier ergeben sich keine Änderungen.

Die dritte Personengruppe erhält Arbeitslosengeld II für max. 6 Monate. Auch hier ergeben sich keine Änderungen.