Fachkräfte und Integration

Fachkräftemonitoring

Fachkräfteentwicklung in den nächsten fünf und den nächsten zwanzig Jahren

Das Fachkräftemonitoring für das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) schätzt plausible mittel- und langfristige Fachkräftebedarfe sowie wahrscheinliche Fachkräfteengpässe und Fachkräfteüberschüsse in kritischen Berufsgruppen ab, auf Grundlage der aktuellen Welle der Qualifikations- und Berufsprojektionen (Qube-Projekt). Das wissenschaftlich unabhängige Projekt "Qualifikation und Beruf in der Zukunft" erstellt diese Projektionen bereits seit 2007 unter der gemeinsamen Leitung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS). Das Fachkräftemonitoring für das BMAS berücksichtigt zusätzliche Annahmen - zu einer beschleunigten Digitalisierung, zum Klimawandel, zu den Folgen der Covid-19-Pandemie sowie aktuell zum Angriffskrieg der russischen Föderation auf die Ukraine. Diese gesetzten Annahmen werden regelmäßig mit einem wissenschaftlichen Beirat diskutiert.

Der Expertenbeirat für das Fachkräftemonitoring berät bei der Weiter­entwicklung des Analyseinstruments und bringt in­terdisziplinäre Sichtweisen ein.

Das Fachkräftemonitoring ist eine zentrale empirische Referenz in der fachkräftepolitischen Diskussion in Deutschland und zugleich Grundlage für die Fachkräftestrategie der Bundesregierung. Es zeigt auf, in welchen Berufsgruppen künftig Arbeitsplätze wegfallen oder neu entstehen können und wie sich Neuzugänge aus dem Bildungs- und Ausbildungssystem, Übergänge in den Ruhestand und die berufliche Mobilität entwickeln.

Mittelfrist- und Langfristprognose

Mit der Mittelfristprognose wird für den Zeitraum von fünf Jahren die Lücke zwischen der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (aktuelle Fachkräftesituation) und den bisherigen Langfristprognosen (10-20 Jahre) geschlossen (Datenstand September 2020; FB 526/3).

Die aktuelle Mittelfristprognose zur Arbeitsdynamik bis 2026 wurde am 29. August 2022 veröffentlicht. Lesen Sie dazu die aktuelle Pressemitteilung des BMAS.

Grundsätzliche Hauptherausforderung sind Passungsprobleme am Arbeitsmarkt, bedingt durch die zunehmende Gleichzeitigkeit von Fachkräftemangel in einigen Berufsgruppen und Regionen und Arbeitsplatzabbau in anderen Berufsgruppen und Regionen ("wachsendes Fachkräfteparadox").

Berufliche Engpässe werden sich aufgrund des "3-D" des Strukturwandels (Demografie, Digitalisierung, Dekarbonisierung) sowie der Nachholeffekte der Covid-19 Pandemie bereits in den kommenden fünf Jahren verstärken.

Hierbei wirkt der doppelte Effekt des demografischen Wandels: die durch Übergang in den Ruhestand frei werdende Arbeitsplätze können nicht mehr ausreichend mit Nachwuchs besetzt werden und es werden noch mehr Fachkräfte in Berufsgruppen mit steigender Nachfrage und hohem Ersatzbedarf benötigt, von informationstechnischen Berufen über Fachberufe rund um Neubauten und Gebäudesanierung bis hin zu Gesundheit und Pflege. Vielfach bestehen hier bereits heute gravierende Engpässe.

Zusätzlich wirkt der demografische Wandel auch regional unterschiedlich: So wird die sinkende Zahl der Menschen im jüngeren Alter und die gleichzeitig steigende Zahl älterer Menschen insbesondere strukturschwache Arbeitsmarktregionen treffen und dort zu verstärkten Fachkräfteengpässen führen, insbesondere in Ostdeutschland.

Die Digitalisierung führt einerseits über Automatisierung zu Arbeitsplatzabbau, z.B. im Einzelhandel und bei Banken und Versicherungen. Neue Technologien erweitern andererseits die Kompetenzbedarfe in vielen Berufen, die IT-Wissen erfordern.

Als zusätzlicher Effekt wirkt die Dekarbonisierung und damit verbundene Klimaschutzmaßnahmen auf den Arbeitsmarkt: Berufe für Energie- und Gebäudetechnik sowie am Bau werden zur Erreichung der Klimaziele in den kommenden Jahren personell vor besonderen Herausforderung stehen.

Weitere Informationen