Sehr geehrte Frau Andrees,
sehr geehrter Herr Dr. Franke,
sehr geehrter Herr Dr. Fasshauer,
sehr geehrte Damen und Herren!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Heute begehen wir den Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Der heutige Tag ist daher besonders geeignet, um gemeinsam mit Ihnen das 10-jährige Jubiläum des Vision Zero Fund zu begehen. Ein Fund, den wir unter deutscher G7-Präsidentschaft im Jahre 2015 ins Leben gerufen haben. Wir erinnern uns: Die Tragödie von Rana Plaza 2013 hat uns allen schmerzlich vor Augen geführt, wie wichtig Arbeitsschutz ist. Mehr als 1100 Menschen sind damals gestorben, 2500 circa wurden verletzt, als eine Textilfabrik in Bangladesch einfach in sich zusammengefallen ist. In der Fabrik wurden auch Kleidungsstücke für den deutschen Markt produziert. Rana Plaza wurde zum Symbol für fehlende Sicherheitsstandards und Ausbeutung am Arbeitsplatz. Seitdem haben wir viel gelernt. Vor allem, dass Verantwortung nicht an Landesgrenzen endet. In unserem globalen Wirtschaftssystem müssen wir uns international für gute Arbeitsbedingungen stark machen. Dazu haben die G7-Staats und Regierungschefs den Vision Zero Fund ins Leben gerufen. Das Ziel ist klar: Verbesserungen der Arbeitsbedingungen entlang von Lieferketten, unter anderem in den Sektoren Textil, Bau, Landwirtschaft.
Der Vision Zero Fund steht für eine Vision, die uns alle verbindet; die Vision einer Arbeitswelt ohne tödliche Unfälle, ohne schwere Verletzungen und ohne arbeitsbedingten Erkrankungen. Wir stehen für diese Haltung. Jeder Arbeitsunfall ist vermeidbar, wenn alle Verantwortlichen an einem Strang ziehen. Meine Damen und Herren, mit dem Vision Zero Fund ist es uns gelungen, an einem Strang zu ziehen. Und dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Bei der Internationalen Arbeitsorganisation, die den Fund seither verwaltet. Bei unseren G7-Partnern und bei den Vertreterinnen und Vertretern der Gewerkschaften und Arbeitgeber. Sie tragen den Fund seit seiner Gründung. Gemeinsam steht dieses Bündnis für seinen Erfolg.
Aber in den vergangenen zehn Jahren haben nicht nur die G7-Staaten den Fund unterstützt, sondern auch gleichgesinnte Partnerländer wie Norwegen und Schweden. Und natürlich gibt es enge Verknüpfungen mit anderen Akteuren im Arbeitsschutz, einschließlich der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und den zahllosen Partnern in den Projektländern. Besonders wichtig ist mir, dass sich auch einige Unternehmen sowohl finanziell als auch mit ihrer Expertise beim Vision Zero Fund engagieren. Allen voran die Siemens AG, deren Gäste wir heute sein dürfen. Und auch Nike, Nestle und die International Coffee Organization und die All Japan Coffee Association – all die möchte ich nicht unerwähnt lassen-, die das Ganze mit unterstützen. Auch Ihnen gehört mein ausdrücklicher Dank. Konkrete Beispiele aus der Praxis des Vision Zero Fund zeigen, wie wir unterschiedlichen Herausforderungen gemeinsam begegnen. In Indonesien und Vietnam unterstützt der Fund Projekte in der Kaffeebranche, wo Arbeiterinnen und Arbeiter oft unter prekären Bedingungen arbeiten. Durch gezielte Schulung, die Entwicklung von Schutzstandards und die Formalisierung von Arbeitsverhältnissen können wir bereits tausende Beschäftigte besser schützen. Sie erhalten nun Zugang zur Gesundheitsversorgung, Schutzausrüstung und wirksamen Arbeitsverträgen. Das Ergebnis: Weniger Unfälle, mehr Rechtssicherheit und eine stärkere Position der Beschäftigten. In Ägypten und Madagaskar setzt der Vision Zero Fund im Bausektor an. Hier wurden Bauarbeiterinnen und Bauarbeiter in Erster Hilfe ausgebildet. Zudem wurden klare Verantwortlichkeiten für Arbeitssicherheit auf Baustellen definiert und lokale Arbeitsinspektionen gestärkt. Besonders wichtig war die Einführung von Unfallversicherungssystemen, die bisher oft gefehlt haben.
In Äthiopien und Honduras konzentriert sich der Fund auf die Textilindustrie. Hier wurden gemeinsam mit lokalen Partnern Schulungsprogramme entwickelt zu Brandschutz, Ergonomie und psychischer Gesundheit. Weitere Fortschritte konnten durch die Stärkung von Betriebsräten und die Einführung von Beschwerdemechanismen erzielt werden. Deutlich wird wieder einmal: Ohne die Sozialpartner kann guter Arbeitsschutz nicht gelingen. Nicht in Deutschland, aber auch nicht international. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Vision Zero heißt auch neuartige Risiken nicht ignorieren. Das betrifft beispielsweise die Folgen des Klimawandels für die Arbeitswelt, die extreme Hitze, UV-Strahlung, häufigere Extremwetterfälle, aber auch damit einhergehende biologische und chemische Gefährdungen. Das alles bedeutet zunehmende Risiken für Sicherheit und Gesundheit nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Besonders betroffen sind Beschäftigte bei der Arbeit im Freien und in prekären Beschäftigungssituationen. Bereits während der deutschen G7-Präsidentschaft 2022 haben wir uns damit auseinandergesetzt. Wir haben den Vision Zero Fund beauftragt, die Komponente Klimawandel mitzudenken. Beispielsweise untersuchte ein Projekt in Mexiko, wie der Arbeits- und Gesundheitsschutz rund um den Anbau von Chilischoten und Tomaten verbessert werden kann. Ein wichtiger Teil der Untersuchungen waren die Auswirkungen der Hitze auf die Plantagenarbeiterinnen und -arbeiter. Auch im Bundesministerium für Arbeit und Soziales denken wir Arbeitsschutz und Klimawandel zusammen. Dazu haben wir eine Politikwerkstatt namens „Klima wandelt Arbeit“ gestartet. Dabei bringen wir Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Praxis zusammen. Schon heute zeigt sich: Die Arbeitswelt nimmt Klimarisiken vielerorts ernst. Viele Akteure in Deutschland und anderswo arbeiten bereits an konkreteren Maßnahmen, um die Beschäftigten zu schützen. Als Ministerium wollen wir genau daran anknüpfen. Wir wollen Impulse für den Arbeitsschutz der Zukunft setzen und Betriebe bei der Umsetzung unterstützen.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, die 10-jährige Geschichte des Vision Zero Fund zeigt: Wir können die Bedingungen verändern, unter denen Menschen weltweit arbeiten. Wichtig ist: Wir dürfen auch in Zukunft nicht wegsehen. Ohne Ihr Engagement und Ihre Expertise und vor allem Ihre finanzielle Unterstützung wären diese Erfolge in den vergangenen zehn Jahren nicht möglich gewesen. Und in diesem Sinne möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken. Auch für die Zukunft des Vision Zero Fund brauchen wir Ihre Erfahrung, Ihre packende Mentalität, Ihr Wissen und auch Ihre Bereitschaft zur Veränderung. All das ist unverzichtbar, um Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz in diesen Zeiten des Wandels sicherzustellen. Lassen Sie uns also gemeinsam dafür sorgen, dass das Recht auf gute Arbeit für alle und vor allen Dingen überall gilt. Vielen Dank.