Sehr geehrte Frau Jahn,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Gäste,
herzlich Willkommen im BMAS zur Eröffnung der Ausstellung "Mit Kühnheit und Zuversicht – historische Plakate zum Frauentag und Frauenwahlrecht"!
Das BMAS ist ein großes Gesellschaftsressorts. Hier wird Politik gemacht für alle – Frauen und Männer, Jung und Alt. Deshalb gehört diese Ausstellung auch genau hier hin, denn Frauenrechte sind kein Randthema. Frauenrechte sind ein Seismograph für den Zustand unserer Gesellschaft. Und ein Maßstab für unsere Demokratie.
Diese Plakate spannen einen Bogen über mehr als hundert Jahre. Von 1906 bis in die Wendezeit. Sie erzählen von Mut, von Hoffnungen, Erfolgen und Widerständen, von Kühnheit und Zuversicht. Sie zeigen Frauen als Kämpferinnen, als Mütter, als Arbeiterinnen, auch als Symbolfiguren für politische Ziele.
Wer dabei genau hinschaut, erkennt: Fortschritt ist nie vom Himmel gefallen. Das müssen wir uns gerade auch heute immer wieder klarmachen.
Der Internationale Frauentag war ursprünglich ein Kampftag - im wahrsten Sinne des Wortes. Es war der Kampf um Anerkennung, um Mitbestimmung, um Freiheit und schlicht um Macht. Nichts davon wurde Frauen einfach geschenkt.
Ja, wir haben inzwischen seit 108 Jahren das Frauenwahlrecht. Selbst in der Bundesrepublik galten aber bis weit in die Nachkriegsjahrzehnte hinein Gesetze, die Frauen massiv einschränkten.
Bis 1958 konnte ein Ehemann den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen. Bis 1962 durften verheiratete Frauen kein eigenes Bankkonto ohne Zustimmung des Mannes eröffnen. Bis 1977 mussten sie sich faktisch fragen lassen, ob eine Erwerbsarbeit mit ihren "Pflichten in Ehe und Familie" vereinbar sei. Und Vergewaltigung in der Ehe wurde tatsächlich erst 1997 strafbar.
Meine Damen und Herren, mir ist an dieser Stelle wichtig, dass wir auch den Blick in den Osten Deutschlands richten. In der DDR hatten Frauen das Recht auf Arbeit, auf Ausbildung und auf ein eigenes Einkommen. Sie konnten ohne Zustimmung des Ehemannes berufstätig sein, Verträge schließen und wirtschaftlich selbstständig handeln.
Aber auch dort trugen Frauen den Großteil der Sorgearbeit. Auch dort blieben Führungspositionen überwiegend männlich besetzt. Und auch dort erwuchs aus der politisch verordneten Gleichberechtigung nicht automatisch die gesellschaftliche Gleichstellung.
Sehr geehrte Damen und Herren, klar ist in jedem Fall: Frauenrechte sind das Ergebnis von politischen Entscheidungen. Und diese Entscheidungen brauchen Mehrheiten. Diese Plakate, Bilder und Postkarten hier haben im Laufe der Jahre dazu beigetragen. Sie haben mobilisiert. Sie haben sichtbar gemacht und auf Missstände hingewiesen. Und sie haben Frauen bewegt und Mehrheiten organisiert.
Viele Forderungen auf den Plakaten kennen wir auch heute noch: Gleicher Lohn. Politische Teilhabe. Schutz vor Gewalt. Das sollte uns alle nachdenklich machen. Denn es bedeutet: Wir sind noch lange nicht am Ziel der echten Gleichstellung. Im Gegenteil: Wir müssen heute mehr denn je dafür eintreten, das Erreichte zu verteidigen.
Wir haben uns in den vergangenen Jahrzehnten daran gewöhnt, dass unsere Gesellschaft Stück für Stück progressiver geworden ist. Das ist aber keineswegs selbstverständlich! Frauenrechte stehen weltweit unter Druck. Frauen werden wegen ihres Geschlechts getötet (Stichwort: Femizide). Antifeministische Stimmen werden lauter. Gleichstellung wird infrage gestellt. Alte Rollenbilder werden wiederbelebt.
Wer das nicht möchte - und das betrifft Frauen und Männer gleichermaßen - muss laut und aktiv werden; gerade auch im Netz.
Inspiration dafür gibt es genug in dieser Ausstellung. Sie ist nicht nur ein Blick zurück. Sondern genauso ein Auftrag an die Zukunft. Ein Auftrag, kühn zu bleiben im Einsatz für Gleichberechtigung. Zuversichtlich zu sein, dass Veränderung möglich ist.
Ich danke allen, die diese Ausstellung ermöglicht haben - allen voran Frau Jahn und dem Verein Dornrosa für die Konzeption der Ausstellung.
Ich wünsche mir, dass diese Ausstellung inspiriert, zum Nachdenken anregt und bewegt. Denn Frauenrecht gehen uns alle an, heute und in Zukunft! Vielen Dank!