Sehr geehrte Frau Densborn,
liebe Elke Hannak,
sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlichen Dank für die Einladung.
Vorweg: Ich werde leider nicht bis zum Ende der Preisverleihung bleiben können, denn das Parlament ruft. Gleich wird im Deutschen Bundestag der Haushalt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales beraten.
Sehr geehrte Damen und Herren, es sind keine einfachen Zeiten: Die geopolitische Lage, die Handelskonflikte, die wirtschaftliche Lage – all das fordert uns heraus. In Krisen hilft es, sich auf die eigenen Stärken zu besinnen. Und es gibt vieles, was unser Land stark macht: Die vielen qualifizierten Arbeitskräfte – auch dank guter Aus- und Weiterbildung. Eine breit aufgestellte, innovative Wirtschaft. Und ein starker Sozialstaat, der die Gesellschaft trägt und zusammenhält.
Keine Frage: Deutschland braucht Reformen. Wir müssen besser werden! In unserer Wirtschaft und in unserer Verwaltung. Ich möchte unsere soziale Sicherung effizienter machen, schneller und zielgenauer. Dafür müssen wir näher ran an die Bedürfnisse der Menschen. Mit mehr digitalen Zugänge und einfacheren Strukturen. Daran arbeitet seit Anfang des Monats auch die neue Kommission zur Zukunft des Sozialstaats.
Ich merke immer wieder in meinen Gesprächen: Die Menschen sind zu Veränderungen bereit. Aber sie erwarten auch, dass sie vernünftig abgesichert sind! Und dass unsere Sicherungssysteme nicht ausgenutzt werden. Deswegen müssen wir jetzt wichtige Weichen stellen für eine Weiterentwicklung. Das tut diese Bundesregierung!
Auch Ihre Branche, meine Damen und Herren, entwickelt sich ständig weiter. Digital und modern sind Sie schon. Und Sie können beides – Krisenbewältigung und Zukunftsgestaltung. Deshalb brauchen wir Sie mehr denn je:
• Für die nachhaltige Integration arbeitsloser Menschen.
• Für die Weiterbildung in Transfergesellschaften.
• Und wenn nötig, bei Qualifikationen für neue Tätigkeiten.
Denn während die einen Betriebe Stellen abbauen – zum Beispiel im Automobilbereich, wird in anderen Branchen neu eingestellt.
Gleichzeitig geht es neben den akuten Krisen um die großen Strukturfragen. Um die Energieversorgung der Zukunft, zum Beispiel. Um die Chancen und Risiken der digitalen Revolution. Stichwort: Künstliche Intelligenz. Um unsere älter werdende Gesellschaft.
Wir brauchen also Menschen, die fit in IT sind; die wissen, wie man Energieeffizienz konkret umsetzt; oder die in ihrem Betrieb Arbeit neu organisieren – agil, partizipativ und für alle Generationen. Auch hier kommt die Weiterbildung ins Spiel. Sie ist und bleibt essentiell – für unsere Wirtschaft, für die Gesellschaft, auch für die Demokratie. Wer sich weiterbildet, bleibt offen, verlässt die eigene Komfortzone, bekennt sich zum Dialog. Und ich bin dankbar für die vielen hochengagierten Bildungsträger in unserem Land. Einige werden heute ausgezeichnet. Schon hier und jetzt sage ich: Herzlichen Glückwunsch!
Sehr geehrten Damen und Herren, Engagement ist wichtig. Genauso wichtig sind aber auch gute Rahmenbedingungen. Hier hat die Bundesregierung in den vergangenen Jahren vieles auf den Weg gebracht. Allen voran die Nationale Weiterbildungsstrategie. Eine schlagkräftige Allianz, die wir fortführen wollen.
Nennen möchte ich auch das Aus- und Weiterbildungsgesetz, die Weiterbildungsverbünde, die ESF-Plus-geförderten Zukunftszentren. Auch die Weiterbildungsplattform „mein NOW“ ist erfolgreich gestartet.
Für diese Legislatur sind mir drei Punkte besonders wichtig:
Erstens: Die Förderangebote habe ich eben erwähnt. Wir müssen all das noch viel bekannter machen. Gerade kleine Unternehmen sind da oft noch zurückhaltend. Dabei muss das Thema Weiterbildung gerade in die kleinen und mittleren Unternehmen! Oft fehlt es an Beratung und Orientierung. Deshalb sind die Weiterbildungsagenturen ein wichtiger Baustein.
Zweitens: Wir müssen uns stärker um diejenigen bemühen, die bisher zu kurz kamen. Ich denke an Teilzeitbeschäftigte, insbesondere Frauen. Eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Frauen nehmen zwar häufiger an beruflichen Weiterbildungen teil als Männer. Aber meistens sind das kurze Formate. Bei den größeren Weiterbildungen liegen die Männer vorne. Das heißt bei Maßnahmen, die mehrere Tage dauern und die Karriere potenziell voranbringen. Hier müssen wir noch stärker an die Arbeitgeber appellieren: Wir brauchen gute Weiterbildung für alle!
Ich denke auch an Menschen, die gar keine Qualifikation haben. Wer keinen Berufsabschluss hat, ist rund sechsmal häufiger arbeitslos. Deshalb muss das Nachholen von Berufsabschlüssen Priorität haben. Und ich denke an Menschen mit Migrationsgeschichte, denen wir mehr Chancen bieten müssen. Sie sind oft in Helfer-Jobs, häufig befristet, häufig prekär beschäftigt.
Drittens: Mir ist wichtig, dass Sie, meine Damen und Herren, gut arbeiten können.
Einige Urteile haben für Unsicherheit gesorgt. Zum Beispiel das Urteil des Bundesgerichtshofs zu Online-Weiterbildungsmaßnahmen. Wir prüfen derzeit die Auswirkungen. Und natürlich stehen wir in engem Austausch mit dem zuständigen Bildungsressort.
Zur so genannten Herrenberg-Entscheidung des Bundessozialgerichts konnten wir eine Übergangsregelung finden, damit die Branche auf das Urteil reagieren kann.
Zudem werden wir das Statusfeststellungsverfahren reformieren. Eine Statuswahl nach Belieben wird es nicht geben. Wichtig ist mir aber, dass am Ende auch bei Lehrkräften weiterhin Selbständigkeit und abhängige Beschäftigung möglich ist.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben ein gemeinsames Ziel: Deutschland soll Weiterbildungsrepublik werden. Bis zum Jahr 2030 soll die Weiterbildungsbeteiligung auf 65 Prozent steigen. Also der Anteil der Erwachsenen zwischen 25 und 64 Jahren, die jährlich weitergebildet werden. Und ich bin mir sicher: Das schaffen wir auch. Mit dem Bekenntnis, das Weiterbildung kein Sahnehäubchen des Berufslebens ist. Sondern ein Grundnahrungsmittel für unsere soziale Marktwirtschaft.
Sehr geehrten Damen und Herren, nach dem Weiterbildungstag ist vor der Weiterbildungskonferenz. Und ich möchte Sie schon jetzt ganz herzlich für den 27. November einladen. Ich bin überzeugt: Wir werden uns viel zu berichten haben.
Ich danke Ihnen nochmals ganz herzlich und sage: Bühne frei für den Weiterbildungspreis!