Lieber Leon Kunkel,
liebe Yasmin Fahimi,
lieber Michael Vassiliadis,
lieber Alexander Bercht,
sehr geehrter Herr Schüßler,
liebe Freundinnen und Freunde der IG BCE!
herzlichen Dank für die Einladung! Ich muss sagen: Es tut richtig gut, wieder im Ruhrgebiet zu sein. Nichts gegen Berlin – aber Heimat ist Heimat. Und auch politisch ist das heute eine Rückkehr zu meinen Wurzeln. Denn meine politische Laufbahn habe ich begonnen als Jugend- und Auszubildendenvertreterin. Von daher: Schön, hier zu sein! Ich freue mich auf den Austausch mit Euch!
Liebe Freundinnen und Freunde! Seit dreieinhalb Wochen ist die neue Bundesregierung im Amt. Wir treten an mit klaren Zielen in der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik. Für mich bedeutet das zuallererst, dass wir mit einer guten Arbeitsmarktpolitik Arbeitsplätze sichern. Und langfristig erhalten. Ich weiß, dass sich viele von Euch deswegen auch Sorgen machen.
Ich war neulich im Gespräch mit der Ortsgruppe Rheinhausen der IG BCE. Auch bei diesen Kolleginnen und Kollegen war das ein zentrales Thema. Ja: Die wirtschaftliche Lage ist angespannt, gerade in der Industrie. Die internationalen Handelskonflikte machen die Sache nicht leichter.
Wir brauchen uns da nichts vormachen: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird schwieriger werden. Wir haben Fachkräftemangel - und gleichzeitig sind Jobs in Gefahr. Das klingt widersprüchlich, ist aber die Realität. Ihr, liebe Freundinnen und Freunde, seid der Nachwuchs der Industrie. Und ich will, dass diese Industrie eine Zukunft hat in unserem Land. Deshalb sage ich Euch auch fest zu: Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen.
Die Industrie-Arbeit muss in Deutschland bleiben! Dafür brauchen wir eine funktionierende Sozialpartnerschaft. Eine starke Mitbestimmung. Und dafür brauchen wir Euch, liebe Freundinnen und Freunde!
Das nächste ist: Arbeit muss sich lohnen! Und auch da brauchen wir die Sozialpartner. Denn wer, wenn nicht ihr kämpft, für gute Löhne und faire Arbeitsbedingungen. Deshalb stärken wir die Mitbestimmung – analog und digital. Denn die Betriebsratsarbeit gehört ins 21. Jahrhundert.
Und zum Thema Löhne: Ich vertraue darauf, dass die Mindestlohn-Kommission zu einem guten Ergebnis kommen wird. Aber der Mindestlohn ist nur die Untergrenze. Noch wichtiger für gute Löhne ist die Tarifbindung in Deutschland. Im April hatten wir in der Chemiebranche das größte Tarifplus seit über 30 Jahren. Dank Euch, dank der IG BCE!
Auch der Bund muss mit gutem Beispiel vorangehen. Wir bringen endlich das Tariftreue-Gesetz auf den Weg. Denn wer vom Staat bezahlt wird, muss selbst auch anständig zahlen.
Liebe Freundinnen und Freunde, Zumindest hier im Saal haben wir keinen Fachkräftemangel. Aber andernorts, Ihr wisst das, ist das ein großes Problem. Das hat vor allem demografische Gründe. Doch in Teilen ist das Problem auch hausgemacht. Jeder fünfte junge Erwachsene in Deutschland hat keinen Berufsabschluss. Eine Zahl, die ziemlich laut dröhnt am Arbeitsmarkt.
Denn das sind junge Menschen ohne sichere Perspektive. Die sich, wenn überhaupt, von Job zu Job hangeln. Und es sind die ersten, die auf der Straße landen, wenn der Betrieb schlecht läuft. Deshalb ist es richtig, dass die Bundesregierung Druck macht beim Thema Ausbildung. Schon in der letzten Legislaturperiode gab es gute und wichtige Maßnahmen – Stichwort Ausbildungsgarantie.
Und auch der neue Koalitionsvertrag sieht Einiges vor. Wir wollen vor allem die Berufsorientierung stärken – für Schülerinnen und Schüler. Und ganz besonders für diejenigen, die schwierige Start-Chancen haben. Das ist mir auch persönlich ein Herzensanliegen. Denn Ihr wisst: Hier in der Region haben wir eine hohe Jugendarbeitslosigkeit: 9,6 Prozent alleine hier in Dortmund.
Es geht also darum, dass wir junge Menschen in Ausbildung bringen. Aber auch, dass sie am Ball bleiben. Eine Ausbildung ist DIE Eintrittskarte in eine sichere berufliche Zukunft. Für alle, die sich etwas aufbauen wollen; die vorankommen wollen!
Natürlich, das ist nicht immer der einfachste Weg. Auch wenn wir heute nicht mehr in den 50ern sind, wo der Meister dem „Stift“ gesagt hat, wo es langgeht. Trotzdem muss auch heute klar sein, dass eine Ausbildung unter fairen Bedingungen stattfindet.
Es geht um Respekt und Wertschätzung! Deshalb finde ich es richtig, dass wir uns auch die Mindestausbildungsvergütung noch einmal genau anschauen.
Und eine Anmerkung an dieser Stelle: Es war gut, dass wir in der letzten Legislatur auch im SGB II Verbesserungen geschaffen haben für Azubis und Schülerinnen und Schüler. Bei Azubis unter 25 Jahren wird die Ausbildungsvergütung nun bis zur Minijob-Grenze nicht angerechnet. Und bei einem Ferienjob bleibt der Verdienst sogar komplett unberücksichtigt. Damit auch junge Menschen erfahren: Arbeit lohnt sich! Arbeit macht einen Unterschied!
Liebe Freundinnen und Freunde, Ihr steht mitten im Leben. Der eigene Renteneintritt ist bei Euch noch kein Thema. Und das ist auch gut so. Ich weiß aber, dass sich auch in Eurem Alter einige Sorgen machen um ihre Alterssicherung. Das hat nicht zuletzt die neue Studie „Jugend in Deutschland“ gezeigt.
Demnach glaubt nur gut jeder zehnte Befragte an eine sichere Rente. Und zugleich wäre die Mehrheit der jungen Menschen bereit, steigende Rentenkosten zu tragen - um die Versorgung der Älteren zu sichern! Das finde ich doch bemerkenswert.
Deshalb müssen wir uns um beides kümmern: Um eine verlässliche Rente nach einem Leben harter Arbeit. Und um die Finanzierung, damit die junge Generation nicht überlastet wird. Stichwort Generationengerechtigkeit. Wir werden deshalb das Rentenniveau sichern. Wir werden auch die betriebliche Altersversorgung stärken. Und wir werden eine Kommission einsetzen, die sich Gedanken machen wird, wie wir perspektivisch die Finanzierung organisieren wollen. Damit es auch in Zukunft gerecht zugeht in unserem Sozialstaat.
Wir sehen also: Junge Leute sind durchaus solidarisch gegenüber der älteren Generation. Das Gerede über die angeblich selbstbezogene Jugend ist ein dummes Klischee! Genauso wenig stimmt es, dass junge Menschen am Arbeitsmarkt faul und bequem sind. Ihr wisst das, liebe Freundinnen und Freunde! Die junge Generation will nicht weniger leisten. Aber sie will anders arbeiten. Flexibler, digitaler.
Ich war diese Woche auf der re:publica - einer der führenden Digitalkonferenzen in Europa. Künstliche Intelligenz am Arbeitsplatz war auch dort ein riesiges Thema. Für mich ist wichtig, dass wir diesen digitalen Wandel nicht einfach laufen lassen. Sondern dass wir ihn aktiv gestalten. Mit Mut, mit Offenheit, aber auch mit einem klaren sozialen Kompass.
Liebe Freundinnen und Freunde, für all das brauchen wir in Berlin Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Menschen wie Euch, die engagiert sind. Die auf Zack sind. Die ein Verständnis haben für neue Technologien, aber auch ein Wertebewusstsein. Und die vor allem fest verankert sind in den Betrieben.
In diesem Sinne: Macht weiter so! Und lasst uns gemeinsam im Austausch bleiben!
Herzlichen Dank und Glück auf!