Sehr geehrter Herr Wirsch,
sehr geehrter Herr Enkerts,
sehr geehrter Herr Dr. Hussy,
sehr geehrter Herr Dr. Fasshauer,
sehr geehrte Frau Dr. Höller,
sehr geehrte Damen und Herren!
Dass ein Antrittsbesuch zusammenfällt mit einer Verabschiedung, ist eher ungewöhnlich. Ich will gar nicht viel zu meiner Person sagen. Denn heute geht es um Sie, lieber Herr Dr. Hussy. Und um die DGUV!
Nur ganz kurz: Wie Sie wissen, bin ich neu im Minister-Amt. Aber Ihre Themen, die Themen der Gesetzlichen Unfallversicherung, sind mir durchaus vertraut: Nicht zuletzt aus meiner Zeit als Gesundheitspolitikerin.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Die Gesetzliche Unfallversicherung war lange so etwas wie der Airbag der Arbeitswelt. Auf den ersten Blick unsichtbar. Aber sofort verfügbar, wenn es mal knallt. Heute können wir sagen: Die DGUV ist längst mehr als ein stiller Beifahrer. Sie sitzt mit am Lenkrad. Sie ist Mitgestalterin unserer Arbeitswelt. Und steuert die Geschicke vieler Beschäftigter in unserem Land.
Denn im Jahr 2025 steht sie für: Prävention, Aufklärung und Qualifizierung; für einen modernen Arbeitsschutz, der auch technologisch auf der Höhe der Zeit ist; und für soziale Verantwortung, die weit in die Gesellschaft hineinreicht.
Ich nenne beispielhaft Ihre Kampagne zum Schutz von Einsatzkräften, lieber Herr Dr. Hussy. Oder auch Ihr Engagement für Menschen mit Behinderungen. Sie haben sich stark gemacht für Inklusion und Teilhabe in unserem Land. Auch, aber nicht nur am Arbeitsmarkt. Dafür danke ich Ihnen! Auch die Prävention, die Unfallverhütung, lag Ihnen ganz besonders am Herzen. Zum einen aus eigener beruflicher Erfahrung als ehemaliger Präventionsleiter einer Berufsgenossenschaft. Aber auch durch Ihre Zeit als Betriebsleiter in einem Stahlwerk.
Ein eindrückliches Erlebnis war der schwere Arbeitsunfall eines Kollegen. Dank schneller und intensiver Hilfe konnte er ins Berufsleben zurückkehren. Dieses Ereignis, lieber Herr Dr. Hussy, war prägend für Ihren weiteren Werdegang. Dabei haben Sie immer auch nach vorne geblickt und Neues gewagt.
Ein Beispiel: Die DGUV ist heute wesentlich digitaler als noch vor ein paar Jahren.
Krisenerprobt sind Sie auch. Gut ein halbes Jahr nach Ihrem Amtsantritt hatten wir die ersten Corona-Fälle in Deutschland. Auf einen Schlag stand der Arbeitsschutz voll im Rampenlicht. Und diese Herausforderung, lieber Herr Dr. Hussy, hat die Unfallversicherung hervorragend gemeistert. In kürzester Zeit wurden neue Schutz-Regeln auf den Weg gebracht. Viele davon waren international beispielgebend. Für diesen Einsatz während der Pandemie danke ich Ihnen allen sehr herzlich.
Lieber Herr Dr. Hussy, auf Sie wartet ein neuer Lebensabschnitt. Sie werden mehr Zeit haben für Ihre Hobbys. Natürlich auch für die Familie, die ich heute sehr herzlich begrüße. Lieber Herr Dr. Hussy, ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute! Und Sie wissen ja: Man geht nie ganz. Ich hoffe jedenfalls: Sie bleiben uns als Experte erhalten.
Mit Ihnen, Herr Dr. Fasshauer, haben wir erneut eine Top-Besetzung an der Spitze der DGUV. Auch dafür bin ich sehr dankbar. Sie bringen viel Erfahrung aus der Sozialversicherung mit. Auf gute Zusammenarbeit! Das BMAS und die DGUV verbindet eine gute und vertrauensvolle Kooperation. Daran knüpfen wir an. Für die kommenden Jahre sind mir drei Punkte besonders wichtig.
Erstens: Die Ansprache von kleinen und mittleren Unternehmen. Wir sind uns einig: Sicheres und gesundes Arbeiten darf keine Frage der Betriebsgröße sein! Hier haben BMAS und DGUV bereits wichtige Weichen gestellt. Beispielhaft nenne ich den Fachdialog für Klein- und Kleinstbetriebe, der im Februar abgeschlossen wurde.
Zweitens: Wir müssen besser werden bei den Regeln und Vorschriften. Weniger Bürokratie ist ein großes Ziel dieser Bundesregierung. Dazu muss auch die Sozialversicherung ihren Teil beitragen. Im Arbeitsschutz werden Vorschriften dual erlassen. Zum einen durch staatliche Gesetze. Zum anderen seitens der Unfallversicherungsträger in Form von Unfallverhütungsvorschriften.
Hinzu kommen Regelwerke, die von der DGUV erarbeitet werden. Sie sind unverbindlich, aber für die Praxis sehr relevant. Kurzum: Wir haben ein detailliertes und zugleich komplexes System. Ja, die Arbeitswelt ist vielfältig. Gleichzeitig müssen wir uns fragen, ob jedwede Regelung noch in die Zeit passt. Weniger Nebeneinander, mehr Miteinander. Weniger Silo-Denken, mehr Effizienz - das gilt auch mit Blick auf Daten.
Sie müssen nach gemeinsamen Standards erfasst und ausgewertet werden. Über die Grenzen von Trägern und Institutionen hinweg. Das ist auch die Voraussetzung für meinen dritten Punkt: die Künstliche Intelligenz. KI im Arbeitsschutz ist noch ein zartes Pflänzchen. Dabei ließe sich KI vielseitig nutzen. Um automatisiert zu erkennen, wenn Menschen am Arbeitsplatz akut gefährdet sind. Etwa weil sie ihren Schutzhelm vergessen haben. Oder Müdigkeitserscheinungen aufweisen.
Oder denken wir an intelligente Assistenzsysteme und smarte Schutzkleidung. Diese Liste können wir lange fortführen. Fest steht: Das Potenzial von KI im Arbeitsschutz ist enorm.Die Herausforderungen auch. Der digitale Durchbruch steht und fällt mit der IT-Infrastruktur. Aber eben auch mit Abstimmung und Kooperation auf allen Ebenen. Dafür brauchen wir auch künftig und mehr denn je eine starke DGUV.
Lieber Herr Dr. Hussy, auf Ihrer guten Arbeit werden wir aufbauen. Und ich kann nur sagen: Ich freue mich auf die nächsten Jahre!
Vielen Dank.