Am 2. Oktober 2026 machte die Dialogreihe des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales Station im Emsland. Rund 80 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung kamen zur dritten Regionalen Fachkräftewerkstatt beim Kunststoffspezialisten Röchling Industrial in Haren (Ems) zusammen. Die Ergebnisse des Austauschs fließen in die Weiterentwicklung der Fachkräftestrategie der Bundesregierung ein.
Im Rahmen eines Rundgangs durch die Produktionsanlagen des Unternehmens informierte sich die Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Katja Mast, über innovative Verfahren und neuartige Kunststoffe. Im Anschluss eröffnete Katja Mast die dritte Regionale Fachkräftewerkstatt. Die Fachkräftestrategie, so Mast, solle nicht allein in Berlin entstehen, sondern im Dialog mit den Regionen. Das Emsland sei mit seiner vielfältigen Industrie aus großen Unternehmen und vielen kleinen Mittelständlern dafür ein besonders geeigneter Ort.
Dr. Tobias Maier vom Bundesinstitut für Berufsbildung erklärte, dass die Arbeitsmarktregion Münster/Osnabrück weniger stark vom demografischen Wandel betroffen sei als der Bundesdurchschnitt. Bis 2029 könne die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hier sogar leicht wachsen. Engpässe zeichneten sich vor allem in IT-Berufen, in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie in der Altenpflege ab.
Beschäftigte für den Einsatz Künstlicher Intelligenz qualifizieren
In der Diskussionsrunde mit Dr. Uta Biermann, Abteilungsleiterin im Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung, Florian Helmich, CSO/CTO Röchling Industrial, Fatime Cetinkaya, Geschäftsführerin der cekaso GmbH und Katja Mast ging es dann insbesondere um die Handlungsfelder Weiterbildung, Vernetzung und Künstliche Intelligenz. Florian Helmich berichtete aus der Praxis, wie Röchling Beschäftigte für Weiterbildungen freistellt und finanziell unterstützt. Fatime Cetinkaya warb dafür, die Chancen der Automatisierung stärker zu nutzen und dabei mehr Frauen für technische Berufe zu gewinnen. Mit ihrem Unternehmen berät sie KMU bei der Automatisierung ihrer Geschäftsprozesse.
Die parlamentarische Staatssekretärin Katja Mast beim Betriebsrundgang bei der Firma Röchling Industrial SE & Co. KG.
Das Unternehmen fertigt thermo- und duroplastische Kunststoffe für technische Anwendungen.
Im Anschluss eröffnete Katja Mast die dritte Regionale Fachkräftewerkstatt in Haren (Ems).
Am Eröffnungspanel nahmen die Dr. Uta Biermann, Abteilungsleiterin im niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung sowie Florian Helmich, CSO/CTO Röchling Industrial, teil.
Unternehmerin und Vorsitzende der MINT Kommission vom Verband der Unternehmerinnen in Deutschland e.V., Fatime Cetinkaya, beim Auftaktpanel.
Die Regionale Fachkräftewerkstatt in Niedersachsen war der dritte Austausch von regionalen Unternehmen und Arbeitsmarktakteuren zur Fachkräftesicherung.
In Werkstattgesprächen vertieften die Teilnehmenden die Diskussion zu den Handlungsfeldern wie Weiterbildung und Arbeitskultur.
Katja Mast nahm an den Werkstattgesprächen teil und die Impulse aus der Arbeitsmarktregion auf.
Die Teilnehmenden der dritten Regionalen Fachkräftewerkstatt.
Thematische Vertiefung in den Werkstattgesprächen
Am Nachmittag erarbeiteten die Teilnehmenden in vier Werkstattgesprächen konkrete Vorschläge, wie Fachkräftesicherung in der Region gelingt. Die Werkstatt zur beruflichen Weiterbildung suchte nach Wegen, Geringqualifizierte, Teilzeitkräfte und Menschen mit Behinderung besser zu erreichen, und wünschte sich dafür mehr Flexibilität, mehr Transparenz über bestehende Angebote und Maßnahmen, um den Mehrwert von Weiterbildung stärker aufzuzeigen. In der Werkstatt KI und Digitalisierung herrschte ein großes Interesse an digitalen Lösungen, gleichzeitig ging es um den rechtssicheren Einsatz von KI und darum, Beschäftigte mit den erforderlichen Kompetenzen auszustatten etwa durch eine stärker geförderte Ausbildung eigener betrieblicher KI-Pioniere, die als digital-affine Multiplikatoren wirken. Die Werkstatt gute Arbeitskultur stellte Kommunikation, Vertrauen und Wertschätzung in den Mittelpunkt und sprach sich für mehr Sprachbildung sowie eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben aus.
Auch die Flexibilität von Arbeitszeitmodellen wurde diskutiert. Dabei wurde betont, dass eine gute Arbeits- und Führungskultur sowie die aktive Einbindung von Mitarbeitenden als notwendige Investitionen gesehen werden, um Menschen nachhaltig für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Das Handlungsfeld Vernetzung funktioniert im Emsland dank der niedersächsischen Fachkräfteinitiative und aktiver Netzwerke besonders gut. In Zukunft solle ein Fokus auf den Übergang von der Schule in den Beruf gelegt werden. Im Zusammenhang hiermit wurden beispielhafte Austauschmodelle entwickelt, die junge Menschen und Betriebe in der Region zusammenbringen. Alle Vorschläge wurden dokumentiert und fließen in die Weiterentwicklung der Fachkräftestrategie ein.
Die vierte Regionale Fachkräftewerkstatt wird im Dezember 2026 in Bayern stattfinden.