- Warum Weiterbildungsverbünde gefördert wurden
- Wie Weiterbildungsverbünde funktionieren
- Was das Bundesprogramm erreicht hat und wie es weitergeht
- Welche Ziele das Bundesprogramm verfolgte
- Was mit den Weiterbildungsverbünden gefördert wurde
- Wie das Bundesprogramm umgesetzt wurde (Förderrichtlinien)
- Übersicht der geförderten Projekte:
- Das forum wbv als zentrale Koordinierungsstelle
Das Bundesprogramm "Aufbau von Weiterbildungsverbünden" lief von 2020 bis 2024. Insgesamt wurden 53 Weiterbildungsverbünde gefördert. 20 von ihnen setzen ihre Arbeit nach Ende der Bundesförderung fort. Die Erkenntnisse aus dem Programm fließen heute in den Aufbau von Weiterbildungsagenturen ein.
Warum Weiterbildungsverbünde gefördert wurden
Weiterbildung gewinnt im Zuge der ökonomischen und sozialen Transformation immer mehr an Bedeutung. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) verfügen oft nicht über eigene Ressourcen, um Weiterbildung für ihre Beschäftigten im ausreichenden Maße umzusetzen. Ihre Weiterbildungsbeteiligung ist nachweislich geringer gegenüber größeren Unternehmen.
In der Nationalen Weiterbildungsstrategie (NWS) wurde daher 2019 die Vereinbarung getroffen, dezentrale Weiterbildungsverbünde und regionale Kooperationen zwischen Unternehmen, insbesondere zwischen KMU, voranzutreiben. Mit dem Bundesprogramm "Aufbau von Weiterbildungsverbünden" förderte das BMAS zwischen 2020 und 2024 deshalb Modellprojekte, um den Wissensaustausch zu unterstützen, Fachkräfte zu sichern und die Beschäftigungsfähigkeit zu stärken.
Wie Weiterbildungsverbünde funktionieren
Weiterbildungsverbünde sind Netzwerke, bei denen mehrere Unternehmen und Akteure der Weiterbildungslandschaft sowie regionale Arbeitsmarktakteure Kooperationen eingehen, sodass Weiterbildungsmaßnahmen ressourceneffizient über Betriebsgrenzen hinaus organisiert und durchgeführt werden können. Im Fokus stehen dabei insbesondere der Austausch unter den Partnern eines Verbundes, die Identifikation der Weiterbildungsbedarfe in den Betrieben sowie die Beratung zu und Recherche nach geeigneten Weiterbildungsangeboten bzw. die Konzeption neuer Weiterbildungsmaßnahmen gemäß dem ermittelten Bedarf der Unternehmen.
Was das Bundesprogramm erreicht hat und wie es weitergeht
Die insgesamt 53 Weiterbildungsverbünde verfolgten bewusst verschiedene Konzepte und Ansätze, um Unternehmen zu vernetzen und die Weiterbildungsbeteiligung zu erhöhen. Dabei standen die Akquise von Unternehmen, das Matching zwischen Kompetenzbedarfen und passenden Qualifizierungskursen, die Konzeptionierung neuer Weiterbildungsmaßnahmen und Lehr-Lern-Settings, eigene Veranstaltungsreihen zur Vernetzung der Unternehmen sowie digitale Plattformen und Apps zur gemeinsamen Nutzung im Fokus. Während zahlreiche Projekte einen regionalen Ansatz verfolgten, gingen andere branchenorientiert vor.
Die programmexterne Evaluation zeichnete die Weiterbildungsverbünde als innovative Treiber der deutschen Weiterbildungslandschaft und Botschafter einer neuen Weiterbildungskultur aus. Sie sensibilisierten für ein neues Verständnis von Weiterbildung und erprobten verschiedene Formate und Lernzugänge.
Die Evaluation untersucht die Umsetzung, den Erfolg und seine Faktoren sowie die Wirkung des Bundesprogramms.
Evaluation des Bundesprogramms "Aufbau von Weiterbildungsverbünden"
Im Rahmen des Bundesprogramms haben Weiterbildungsverbünde - so geht es aus der Evaluation hervor - Unternehmen und Akteure der Weiterbildung zusammengebracht, die zuvor nicht miteinander kooperiert haben. Die Kooperationsstrukturen entlasteten und unterstützten Betriebe bedarfsorientiert und haben damit zur Sicherung ihres Fachkräftebedarfs beigetragen. Außerdem wurden durch sie Weiterbildungsangebote in der Region und/oder Branche transparent gemacht.
Das übergeordnete sozialpartnerschaftlich getragene Koordinierungszentrum forum wbv hat einen großen Mehrwert geschaffen. Es fungierte als Austausch-, Transfer- und Netzwerkplattform. Die Mehrheit der befragten Netzwerkpartner (86 Prozent) schätzt ein, dass die geschaffenen Strategien, Konzepte und Angebote nachhaltig nutzbar sind.
20 Weiterbildungsverbünde setzen ihre Arbeit auch nach Ende der Bundesförderung fort.
Die Ergebnisse der Evaluation sowie die Erkenntnisse aus dem Bundesprogramm und des Koordinierungszentrums forum wbv fließen in den Aufbau von Weiterbildungsagenturen ein. Weiterbildungsagenturen vernetzen regionale Akteure und verbessern die Weiterbildungsberatung vor Ort für Menschen und Unternehmen. Das BMAS unterstützt den Aufbau von Weiterbildungsagenturen mit der übergreifenden Servicestelle Weiterbildungsagenturen, die durch das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) umgesetzt wird.
Für regionale Weiterbildungsberatung aus einer Hand.
SWBA - Servicestelle Weiterbildungsagenturen
Welche Ziele das Bundesprogramm verfolgte
Mit dem Bundesprogramm "Aufbau von Weiterbildungsverbünden" wurden folgende Ziele verfolgt:
1. Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung
- Aneignung zukunftsweisender Kompetenzen zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit
- Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
- Qualifikation für neue Tätigkeits- und Einsatzfelder / berufliche Umstiege ermöglichen
2. Stärkung der Vernetzung und Kooperation
- gemeinsame Organisation und Planung von Weiterbildungsmaßnahmen
- Senkung von Kosten im Rahmen der Personalentwicklung
- gegenseitiger Austausch
- Stärkung der Resilienz
3. Optimierung der Weiterbildungsangebote
- Identifikation tatsächlicher Bedarfe der Unternehmen
- Anpassung bestehender Weiterbildungsmodule und -kurse
- Konzeptionierung neuer Weiterbildungsmaßnahmen und Lehr-Lern-Settings
Was mit den Weiterbildungsverbünden gefördert wurde
Um die übergeordneten Ziele des Bundesprogramms zu erreichen, wurde die Zuwendung in erster Linie für folgende Schwerpunkte zur Verfügung gestellt:
- Aufbau, Entwicklung und Unterhaltung von regionalen Koordinierungsstellen (z.B. in Form sogenannter "Verbundmanager*innen"), die einen Weiterbildungsverbund aufbauen und betreuen
- Auf- und Ausbau verbindlicher Kooperations- und Vernetzungsstrukturen zwischen Unternehmen (insbesondere KMU), Bildungs- und Beratungseinrichtungen sowie allen weiteren wichtigen Akteuren der Weiterbildungslandschaft zur Etablierung eines Weiterbildungsverbundes
- Unterstützung bei der Identifizierung des Weiterbildungsbedarfes der Unternehmen im Verbund und bei der trägerneutralen Beratung hierzu (inkl. Verweis an zuständige Stellen)
- Recherche, Aufbereitung und Weitergabe von Informationen zum Thema berufliche Weiterbildung (inkl. Fördermöglichkeiten)
- Unterstützung der Bildungsstätten bzw. -träger bei der inhaltlichen Ausgestaltung neuer Weiterbildungsmaßnahmen, die den Bedarf der Unternehmen im Verbund entsprechen
Wie das Bundesprogramm umgesetzt wurde (Förderrichtlinien)
1. Förderrichtlinie (2020)
Die erste Förderrichtlinie zum Bundesprogramm wurde am 1. Juli 2020 veröffentlicht und unterstützte 38 Weiterbildungsverbünde im ganzen Bundesgebiet. Die Projekte der ersten Förderrichtlinie waren in unterschiedlichen Branchen verortet, unter anderem in der Pflege und Sozialwirtschaft, im Bauwesen und Handwerk, in der IT, Robotik und Mikrotechnik, im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie in der Medien- und Filmbranche.
2. Förderrichtlinie (2021)
Besonders Branchen, die eine tiefgreifende Transformation durchlaufen, müssen verstärkt in Weiterbildung investieren. Aus diesem Grund wurde als Ergebnis des Autogipfels im November 2020 beschlossen, dass das BMAS gezielt im Bereich der Weiterbildung und Qualifizierung der Beschäftigten in der Fahrzeugindustrie unterstützt. Hierfür wurden Haushaltsmittel aus dem Konjunkturpaket Nr. 35c "Zukunftsinvestitionen für Fahrzeughersteller und Zulieferindustrie" zur Verfügung gestellt.
Unterstützt durch die zweite Förderrichtlinie "Aufbau von Weiterbildungsverbünden zur Transformation der Fahrzeugindustrie" gingen zwischen März und August 2022 weitere 15 Weiterbildungsverbünde an den Start.
Übersicht der geförderten Projekte:
Die detaillierte Übersicht listet alle geförderten Projekte nach Förderrichtlinie, Bundesland und Wirkungskreis.
Bundesprogramm "Aufbau von Weiterbildungsverbünden"
Das forum wbv als zentrale Koordinierungsstelle
Im Rahmen der 2. Förderrichtlinie wurde am 1. März 2022 das zentrale Koordinierungszentrum Forum Weiterbildungsverbünde (forum wbv) für alle Weiterbildungsverbünde aus beiden Förderrichtlinien eingerichtet. Das forum wbv fungierte als zentrale Schnittstelle zwischen den geförderten Weiterbildungsverbünden und weiteren nationalen Weiterbildungsakteuren. Es war als sozialpartnerschaftlicher Projektverbund konzipiert und wurde unter anderem durch die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) unterstützt. Träger sind das Forschungsinstitut Betriebliche Bildung (f-bb) und das IFTP im bfw – Unternehmen für Bildung. Das forum wbv stellte eine Plattform für den Austausch zu Best-Practice-Beispielen dar, soll das Bundesprogramm für interessierte Dritte zugänglich machen und Perspektiven für eine nachhaltige Gestaltung von Kooperationsstrukturen in der beruflichen Weiterbildung aufzeigen.
Die Projekte der ersten Förderrichtlinie werden über den Deutschen Aufbau- und Resilienzplan refinanziert.