Am 30. September 2026 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) auf dem 19. Arbeitsschutzforum der GDA in Sachsen die Preisträger des 16. Deutschen Gefahrstoffschutzpreises (GSP) bekannt gegeben. Die Mirka Abrasives Germany GmbH erhielt den mit 10.000 EUR dotierten Preis für ihren Beitrag "Substitution von Naphthalin durch Fumarsäure in der Schleifkörperproduktion".
Die Mirka Abrasives Germany GmbH gehört zur weltweit tätigen Mirka Ltd., einem finnischen Anbieter von Schleifmitteln für die Oberflächenbehandlung. Sie entwickelt und produziert unter anderem keramisch gebundene Schleifkörper, die eingesetzt werden, um zum Beispiel Oberflächen zu glätten oder zu polieren. Als Porenbildner setzte das Unternehmen dafür bislang Naphthalin ein. Der Stoff ist allerdings gesundheitsschädlich und unter anderem mit den Gefahrenhinweisen H351 "Kann vermutlich Krebs erzeugen" und H302 "Gesundheitsschädlich bei Verschlucken" gekennzeichnet. Zusätzlich erhöhen die im Produktionsprozess entstehenden Dampf-Staub-Luft-Gemische das Brand- und Explosionsrisiko. Darüber hinaus gilt Naphthalin als Umweltschadstoff.
Vor diesem Hintergrund entwickelte Mirka ein neues Verfahren, bei dem Fumarsäure eingesetzt wird um die nötigen Poren im Schleifkörper zu bilden. Der Stoff ist aus der Lebensmittelbranche bekannt. Mit dem Ersatz (Substitution) von Naphthalin durch Fumarsäure konnte das Unternehmen einen Gefahrstoff vollständig aus seinem Produktionsprozess eliminieren – und damit den Schutz seiner Beschäftigten nachhaltig stärken. Gleichzeitig verbesserte Mirka mit der Umstellung auch die technischen Eigenschaften seiner Produkte: Fumarsäure ermöglicht eine höhere Porosität als naphthalin-basierte Werkzeuge und erfüllt gleichzeitig die hohen technischen Anforderungen.
Die Amplifon Deutschland GmbH, führender Anbieter von Hörgeräteakustik, erhielt eine offizielle Belobigung für ihren Beitrag "Verminderung von Frässtaubemissionen in die Atemluft in der Hörakustik". Bei einem Hörgerät ist das sogenannte Ohrpassstück (Otoplastik) von zentraler Bedeutung. Es sitzt in der Ohrmuschel und im Gehörgang und ist das Bindeglied zwischen Ohr und Hörgerät. Da jedes Ohr anders ist, muss das Ohrpassstück an den jeweiligen Gehörgang angepasst werden. Doch beim manuellen Fräsen von Ohrpassstücken entstehen Staubemissionen, die bislang das Tragen von Atemschutzmasken erforderlich machten. Besonders betroffen von dieser Belastung waren Auszubildende, die diese Tätigkeit regelmäßig ausführen.
Um die Staubbelastung zu reduzieren und die Auszubildenden besser zu schützen, entwickelte und installierte Amplifon an acht Arbeitsplätzen spezielle Fräskästen mit integrierter Absaugung und Beleuchtung. Die Staubbelastung der Atemluft ging dadurch deutlich zurück, sodass die Auszubildenden keinen Atemschutz mehr benötigten. Darüber hinaus erhöhen die Fräskästen die Arbeitssicherheit auch durch die Verringerung der mechanischen Gefährdung, eine verbesserte Beleuchtung sowieso eine Lärmreduzierung durch integrierte Schalldämpfer.
Das BMAS vergibt den Deutschen Gefahrstoffschutzpreis alle zwei Jahre. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) organisiert den Wettbewerb. Seit 30 Jahren würdigt der GSP vorbildliche und wegweisende Lösungen für den Schutz vor Gefahrstoffen in der Arbeitswelt. Der Preis stand in diesem Jahr unter dem Motto "Sicher. Besser. Arbeiten: Innovationen und Beispiele für die Arbeit mit Gefahrstoffen gesucht".
Eine unabhängige Jury bewertete die eingegangenen Bewerbungen im Juni 2026. Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen des 19. Arbeitsschutzforums der GDA auf dem Sächsischen Staatsweingut "Schloss Wackerbarth".
Informationen über die ausgezeichneten Lösungen und Bewerber finden Sie auf der Website der Bundesanstalt für Arbeitssschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) u. a. in Form von kurzen Videos.
Gefahrstoffschutzpreis
Forschung für Arbeit und Gesundheit
Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden arbeiten rund 800 Beschäftigte.