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Integration erlebbar machen - BMAS

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Im folgenden erfolgt die Einordnung des Dokuments in den Gesamtkontext des Portals, dazu werden behandelte Themen, Erstellungsdatum und Typ benannt.
Dieses Dokument ist eingeordnet unter:

Themen: Arbeitsmarkt
Typ: Artikel

Datum: 21.12.2009

Integration erlebbar machen

Viel Mehr Wert! Eine Theater-Gruppe macht zu Beginn der Fachtagung mit provokanten Fragen auf das Thema der Veranstaltung aufmerksam. © BMAS/Floß Expertinnen und Experten aus Wirtschaft und Politik diskutieren auf der diesjährigen Fachtagung der Initiative für Beschäftigung (IfB!) und Bundesministerium für Arbeit und Soziales am 10. Dezember 2009 in Berlin darüber, wie die Integration von Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt besser gelingen kann.

Einen Ausbildungsplatz, bei dem sie ihre Fähigkeiten zeigen können und ein Leben, in dem ihre kulturelle Herkunft im wahrsten Sinne nicht "der Rede wert" ist - das wünschen sich die 11 Jugendlichen der Projektfabrik aus Hannover. Die Gruppe spielt Theater und macht zu Beginn der Fachtagung mit provokanten Fragen auf das Thema der Veranstaltung aufmerksam: "Viel Mehr Wert! - Integration von Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt". Ihre Fragen stimmen nachdenklich: "Sie haben eine Stelle, aber zwei Bewerber mit gleicher Qualifikation. Wen würden Sie einstellen: eine Westdeutsche, einen Ostdeutschen mit sächsischem Akzent, einen gut Deutsch sprechenden Amerikaner, einen Jugendlichen russischer Herkunft, eine Türkin?" Die Jugendlichen lassen die Gäste der Fachtagung auf sehr persönliche Weise an ihrer Auseinandersetzung teilhaben. Denn sie kennen das Thema aus eigener Erfahrung: Die meisten von ihnen haben Migrationshintergrund und sind auf der Suche nach einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Oft vergeblich. Woran scheitern sie? Und vor allem: Was muss passieren, damit Unternehmen gerade jungen Menschen mit Migrationshintergrund eine Chance geben?

Diese und weitere Fragen stellen sich bei der Fachtagung rund 100 Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Politik, Verwaltung, Vereinen und Verbänden. Sie diskutieren miteinander an zwölf runden Tischen, unterstützt durch Tischmoderatoren, die ihre Diskussionsbeiträge unmittelbar elektronisch erfassen und so für die weiteren Diskussionen direkt nutzbar machen. Dabei sind sich zunächst einmal alle einig: Eine Belegschaft, die aus vielen verschiedenen Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und kulturellen Wurzeln besteht, ist nicht nur eine wirtschaftliche Investition in die Zukunft. Denn schließlich geht es nicht allein darum, dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegenzuwirken. Fakt ist: Beschäftigte unterschiedlicher Herkunft sind eine gesellschaftliche und kulturelle Bereicherung.

Anhand ihrer eigenen Erfahrungen und mit Hilfe von Praxisbeispielen identifizieren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung, wo es bei der Integration von Migrantinnen und Migranten auf dem Arbeitsmarkt noch Schwierigkeiten gibt. Fünf Handlungsansätze sind ihnen dabei besonders wichtig: eine gute Kenntnis der deutschen Sprache, eine faire Auswahl von Bewerberinnen und Bewerbern, das "Miteinander-Leben" in einer vielfältigen Gesellschaft, die Differenzierung innerhalb der Gruppe der Migranten und die Rolle von Eltern und gesellschaftlichem Umfeld. Darauf aufbauend entwickeln die Teilnehmenden gemeinsam Handlungsempfehlungen, um Migrantinnen und Migranten den Weg ins Arbeitsleben zu erleichtern. Die Handlungsempfehlungen können sie direkt am Schluss der Veranstaltung druckfrisch mit nach Hause nehmen.

Weitere Anregungen und Perspektiven auf das Thema geben die Teilnehmer auf dem Podium. Ulrich Weber, IfB!-Sprecher und Personalvorstand der Deutschen Bahn, unterstreicht beispielsweise die Notwendigkeit einer gemeinsamen und systematischen Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft gegenüber einer zunehmenden "Projektitis" paralleler Ansätze. Herbert Mai, Vorstandsmitglied der Fraport AG, schildert, wie in seinem Unternehmen die Vielfalt in der Belegschaft gelebt und von Seiten des Unternehmens unterstützt wird. Darüber hinaus berichten Nihat Sorgeç, Vizepräsident der türkisch-deutschen Industrie- und Handelskammer, und Rouben Halajian, Leiter Internationale Personalpolitik der Metro AG, von ihren Erfahrungen beispielsweise mit Blick auf Auswahlverfahren in Unternehmen oder bei der Sensibilisierung insbesondere von kleinen und mittleren Unternehmen, wenn es um die Themen Integration und Vielfalt geht. Aus eigenem Erleben wissen sie auch, wie wichtig dabei persönliche Vorbilder innerhalb der Migranten selbst sind. Eine Runde aus Wirtschaftsvertretern und Politikern greift die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern erarbeiteten Empfehlungen schließlich auf. Dazu diskutieren Detlef Scheele, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Boris Pistorius, Oberbürgermeister der Stadt Osnabrück, Alexander Gunkel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände e. V, sowie Jörg Hesse, Leiter Corporate Human Resources der Hettich Holding GmbH & Co. OHG und Ulrich Weber.

Ihre Botschaft ist: "Wir wollen Euch" statt "Wir brauchen Euch"; gegenseitiges Interesse statt Profit. Verbesserte und gezielte Bildungs- und Qualifikationsmaßnahmen sind ein Ansatz. Darüber hinaus gilt es, klare Regeln zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse zu definieren. Außerdem muss der Einstieg in Unternehmen erleichtert werden. Dies kann durch eine engere Zusammenarbeit zwischen Schule und Wirtschaft erreicht werden. Auf diese Weise knüpfen Unternehmen rechtzeitig Kontakte zu potenziellen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Und junge Menschen lernen, worauf es im Arbeitsleben ankommt. Trotz der identifizierten Herausforderungen zeigt sich Detlef Scheele zum Abschluss des spannenden Tages optimistisch. Sein Fazit und Schlussplädoyer: Der deutsche Arbeitsmarkt ist für viele besser zugänglich geworden. Integration bietet für Unternehmen die Chance, neue Aufträge, neue Kunden und neue Beschäftigte zu gewinnen. Wenn es gelingt, offen und wertschätzend auf Migrantinnen und Migranten zuzugehen, ihre Ausbildung zu verbessern, den Übergang von der Schule ins Berufsleben einfacher zu gestalten und ausländische Abschlüsse anzuerkennen, ist eine langfristige Arbeitsmarktförderung möglich.

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