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Förderung der beruflichen Weiterbildung

15. Juni 2020

Mehrere Erwachsene sitzen vor Computern.

Wir stehen im Zeitalter der Digitalisierung und vielfältigen Veränderungen in Branchen, Betrieben und Berufen vor tiefgreifenden neuen Herausforderungen auch in der beruflichen Weiterbildung und Qualifizierung. Auch wenn die Verantwortung für die betriebliche Weiterbildung vorrangig bei den Arbeitgebern und Betrieben liegt, bleibt es wichtige Aufgabe der arbeitsmarktpolitischen Weiterbildung, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Betriebe bei qualifikatorischen Anpassungen zu unterstützen. Die Leistungen der Weiterbildungsförderung der Bundesagentur für Arbeit (BA) richten sich nicht nur an arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einem Beschäftigungsverhältnis können bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen von einer Förderung profitieren. Das gilt insbesondere auch für Beschäftigte ohne oder nicht mehr verwertbaren Berufsabschluss, da sie ein überdurchschnittlich hohes Arbeitslosigkeitsrisiko haben. Die Regelungen zur Weiterbildungsförderung nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) finden grundsätzlich auch im Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) für die Förderung erwerbsfähiger Leistungsberechtigter durch die Jobcenter Anwendung

Weiterführende Informationen bietet der Internetauftritt der Bundesagentur für Arbeit.

I. Allgemeine Grundsätze der Weiterbildungsförderung

Eine Förderung der beruflichen Weiterbildung kann nur bei Vorliegen der gesetzlichen Fördervoraussetzungen erfolgen. Bei Arbeitslosigkeit bedeutet dies u.a., dass die Weiterbildung nach Lage und Entwicklung des Arbeitsmarktes und des gewählten Bildungszieles grundsätzlich mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Beschäftigungsaufnahme führen muss.

Über eine Förderung entscheidet die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht grundsätzlich nicht. Eine Ausnahme bildet der Rechtsanspruch auf Förderung zum Nachholen eines Berufsabschlusses sowie einer beruflichen Weiterbildung mit dem Ziel des Nachholens eines Hauptschul- oder vergleichbaren Abschlusses. Wichtig ist, dass vor Beginn einer Weiterbildung eine Beratung durch die Agentur für Arbeit bzw. das Jobcenter erfolgte. Dies ist auch Fördervoraussetzung. Bei Vorliegen der gesetzlichen Förderungsvoraussetzungen wird von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter ein Bildungsgutscheinausgestellt. Der Bildungsgutschein enthält auch Angaben dazu, welche Weiterbildungskosten übernommen werden (z.B. Lehrgangskosten, Fahrtkosten, Kinderbetreuungskosten).

Der Bildungsgutschein weist u.a. das Bildungsziel, die zum Erreichen des Bildungsziels erforderliche Dauer der Maßnahme und den regionalen Geltungsbereich aus. Unter den im Bildungsgutschein festgelegten Bedingungen kann die Gutscheininhaberin bzw. der Gutscheininhaber den Bildungsgutschein bei einem für die Weiterbildungsförderung zugelassenen (zertifizierten) Träger seiner Wahl einlösen, solange er gültig ist. Aber auch der Kurs muss für die Weiterbildungsförderung zugelassen sein. Die Weiterbildungsdatenbank KURSNET der Bundesagentur für Arbeit informiert über konkrete Weiterbildungsangebote vor Ort und ermöglicht regionale und überregionale Suchoptionen nach Angeboten.

Bei beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kann auf die Ausstellung eines Bildungsgutscheins verzichtet werden, wenn der Arbeitgeber und die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer damit einverstanden sind. Sind Qualifikation, Bildungsziel oder Weiterbildungsbedarf der Beschäftigten vergleichbar, können bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen (z.B. Zustimmung der Beschäftigten bzw. der Betriebsvertretung) ab dem 1. Januar 2021 Förderungen auf Basis eines Antrages des Arbeitgebers für alle betroffenen Beschäftigten (Sammelantrag) bewilligt und auf individuelle Bildungsgutscheine verzichtet werden.

II. Förderung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne Berufsabschluss (Geringqualifizierte)

Nach wie vor sind Geringqualifizierte weit überdurchschnittlich von Arbeitslosigkeit betroffen bzw. haben Schwierigkeiten, beschäftigt zu bleiben. Dies gilt insbesondere im Hinblick darauf, dass die in Helferberufen ausgeübten beruflichen Tätigkeiten insgesamt in hohem Maß durch Digitalisierungs- bzw. Automatisierungsprozesse ersetzbar sind. Mit dem Gesetz zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung (Arbeit-von-morgen-Gesetz) wurde für Geringqualifizierte ein grundsätzlicher Rechtsanspruch auf Förderung einer beruflichen Weiterbildung mit dem Ziel Berufsabschluss eingeführt. Gefördert werden arbeitslose und beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Förderungen können auch für den Erwerb von berufsabschlussorientierten Teilqualifikationen erfolgen. Diese und in der Weiterbildung verwertbare "Ausbildungsbausteine" sind eine geeignete Alternative, um Schritt für Schritt einen beruflichen Abschluss zu erreichen. Auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die zwar eine abgeschlossene Berufsausbildung haben, aber mehr als vier Jahren in an- oder ungelernter Tätigkeit beschäftigt sind und eine ihrem Berufsabschluss entsprechende Beschäftigung voraussichtlich nicht mehr ausüben können ("Berufsentfremdung"), werden bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen gefördert. In dem o.a. Vierjahreseitraum werden nicht nur Beschäftigungszeiten in un- und angelernter Tätigkeit, sondern neben Zeiten der Arbeitslosigkeit auch Pflege- und Erziehungszeiten mitberücksichtigt. Damit wird z. B. pflegenden Angehörigen und Berufsrückkehrern nach Familienzeiten der Zugang zu Weiterbildung erleichtert. Eine Förderung zum nachträglichen Erwerb eines Berufsabschlusses ist auch für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss, die noch nicht drei Jahre beruflich tätig waren, unter bestimmten Voraussetzungen möglich, wenn sie z.B. die Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben, also in einem Beruf, in dem Fachkräftemangel besteht.

Die Förderung umfasst für Geringqualifizierte in der Regel die volle Übernahme der Lehrgangskosten sowie von sonstigen Weiterbildungskosten (z.B. Fahrtkosten, Kinderbetreuungskosten). Arbeitslose erhalten für die Zeit der Weiterbildung das Arbeitslosengeld in der zuvor bewilligten Höhe als Arbeitslosengeld bei beruflicher Weiterbildung fortgezahlt. Bei beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kann der Arbeitgeber, der seinen Beschäftigten das Arbeitsentgelt auch während der Weiterbildung fortzahlt, das auf die Weiterbildungszeiten entfallende Arbeitsentgelt bis zu 100 Prozent bezuschusst erhalten.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Schulzeit längere Zeit zurückliegt, haben möglicherweise Wissenslücken im Bereich von Grundkompetenzen, die einer Aufnahme und erfolgreichen Teilnahme an einer berufsabschlussbezogenen Weiterbildung entgegenstehen. Zur Vorbereitung auf die Aufnahme einer berufsabschlussbezogenen Weiterbildung können daher auch Förderleistungen zum Erwerb von Grundkompetenzen (insbesondere in den Bereichen Lesen, Schreiben, Mathematik und Informations- und Kommunikationstechnologien) erbracht werden. Bei geförderten Weiterbildungen, die bis 31. Januar 2023 beginnen und zu einem Abschluss in anerkannten Ausbildungsberufen mit mindestens zweijähriger Dauer führen, können Förderteilnehmerinnen und -teilnehmer zur Stärkung von Motivation und Durchhaltevermögen eine Weiterbildungsprämie für die erfolgreiche Teilnahme an einer Zwischen- und Abschlussprämie erhalten (1000 Euro bei Zwischenprüfung; 1500 Euro bei Abschlussprüfung. Informationen dazu auf der Website der BA, vgl. unter Weiterbildungsprämie).

Eine berufsabschlussbezogene Weiterbildung kann bei einem Bildungsträger, aber auch in einem Unternehmen in Form der sog. betrieblichen Einzelumschulung erfolgen. Betriebliche Umschulungen können ergänzend mit umschulungsbegleitenden Hilfen unterstützt werden.

BMAS und Bundesagentur für Arbeit haben sich mit der Initiative "Zukunftsstarter" zum Ziel gesetzt, verstärkt junge Erwachsene im Alter zwischen 25 und 35 Jahren für eine Ausbildung oder berufsabschlussbezogene Weiterbildung zu gewinnen. (Informationen dazu finden sich unter diesem Link, vgl. unter Zukunftsstarter).

III. Weiterbildungsförderung beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Mit dem im Wesentlichen am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosenversicherung (Qualifizierungschancengesetz) wurde die Weiterbildungsförderung insbesondere für beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erheblich ausgeweitet.

Die Fördermöglichkeiten zielen auf alle Beschäftigten, die berufliche Tätigkeiten ausüben, die durch Technologien ersetzt werden können, in sonstiger Weise von Strukturwandel betroffen sind oder die eine berufliche Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben, also in einem Beruf, in dem Fachkräftemangel besteht. Sie sollen ihre beruflichen Kompetenzen leichter fortentwickeln und anpassen können.

Die Übernahme von Weiterbildungskosten und die Zahlung von Zuschüssen zum Arbeitsentgelt setzen grundsätzlich eine Kofinanzierung durch den Arbeitgeber voraus. Für bestimmte Personengruppen (ältere oder schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) oder solche in Kleinstbetrieben) sind Ausnahmemöglichkeiten von diesem Grundsatz vorgesehen.

Zuschüsse zum Arbeitsentgelt:

  • bis zu 25 Prozent für Unternehmen ab 250 Arbeitnehmer,
  • bis zu 50 Prozent für KMU und
  • bis zu 75 Prozent für Kleinstunternehmen.

Bei fehlendem Berufsabschluss und berufsabschlussbezogenen Weiterbildungen verbleibt es bei einer Zuschussoption von bis zu 100 Prozent.

Zuschüsse zu den Lehrgangskosten:

  • in Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten 100 Prozent,
  • in KMU mit bis zu 250 Beschäftigten bis zu 50 Prozent,
  • in größeren Betrieben ab 250 Beschäftigten bis zu 25 Prozent und
  • bei großen Unternehmen ab 2.500 Beschäftigten bis zu 15 Prozent und wenn eine tarifliche oder Betriebsvereinbarung zu Qualifizierung vorliegt, bis zu 20 Prozent.
  • Bei älteren Beschäftigten (ab 45. Lebensjahr) oder Beschäftigten mit einer Schwerbehinderung kann in KMU bis zu 100 Prozent gefördert werden.

Weitere Informationen zur Qualifizierungsoffensive.

Mit dem Gesetz zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung (Arbeit-von-morgen-Gesetz) werden die Förderleistungen für besonders vom Strukturwandel betroffene Beschäftigte und Betriebe ab dem 1. Oktober 2020 weiter verbessert (siehe auch nachfolgende Übersicht):

  • Die o.a. Zuschüsse der BA zu Lehrgangskosten und Arbeitsentgelt werden unabhängig von der Betriebsgröße um jeweils 10 Prozentpunkte erhöht, wenn mindestens jeder fünfte Beschäftigte eines Betriebes einer Weiterbildung bedarf. Bei KMU (10 bis < 250 Beschäftigte) kann der Zuschuss bereits erhöht werden, wenn mindestens 10 Prozent der Beschäftigten eine Weiterbildung benötigen.
  • Bei Vorliegen einer Betriebsvereinbarung zur beruflichen Weiterbildung oder eines Tarifvertrages, der betriebsbezogen Weiterbildung vorsieht, wird zudem eine um 5 Prozentpunkte höhere Förderung für Lehrgangskosten und Arbeitsentgeltgeleistet. Fällt Beides zusammen, bedeutet dies eine um bis zu 15 Prozentpunkte erhöhte Förderung.

Das Arbeit-von-morgen-Gesetz verbessert auch die Fördermöglichkeiten für Weiterbildung während Kurzarbeit und Qualifizierungen in Transfergesellschaften. Bei Weiterbildung während Kurzarbeit können die vom Arbeitgeber allein zu tragenden Sozialversicherungsbeiträge auf Antrag zur Hälfte von der Bundesagentur für Arbeit erstattet werden, wenn die Bildungsmaßnahmen bestimmten Standards gerecht werden. Während des Bezugs von Transferkurzarbeitergeld können in kleineren und mittleren Unternehmen (mit weniger als 250 Beschäftigten) künftig bis zu 75 Prozent der Lehrgangskosten durch die Bundesagentur für Arbeit übernommen werden. Ziel ist es, den Übergang in neue Beschäftigung zu unterstützen – nicht wie bisher nur für Ältere und Geringqualifizierte, sondern unabhängig von Alter und Berufsabschluss. Zukünftig können Qualifizierungen auch dann über die Dauer des Bezugs von Transferkurzarbeitergeld hinaus gefördert werden, wenn sie nicht zum Abschluss in einem Ausbildungsberuf führen. So werden auch längere Weiterbildungsmaßnahmen möglich.

Zu berücksichtigen ist, dass für Beschäftigte die Teilnahme an Weiterbildungen, die bereits nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz grundsätzlich förderfähig sind (z.B. Weiterbildungen zum/zur Meister/in, Techniker/in, Fachwirt/in bzw. Geprüfter Berufsspezialist/in oder Bachelor Professional/Master Professional) nur nach diesem Gesetz gefördert werden können. Darüber hinaus können nach dem SGB III nur Weiterbildungen gefördert werden, die außerhalb des Betriebes bzw. von einem zugelassenen Träger im Betrieb durchgeführt werden und mehr als 120 Stunden dauern. Ausgeschlossen von der Förderung ist insbesondere auch die Teilnahme an solchen Maßnahmen, zu deren Durchführung der Arbeitgeber aufgrund bundes- oder landesrechtlicher Regelungen verpflichtet ist. 

IV. Fördermöglichkeiten außerhalb der Arbeitsförderung

Neben den Förderinstrumenten der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland stehen eine Reihe weiterer Förderprogramme zur Aus- und Weiterbildung zur Verfügung. Eine umfassende Übersicht ist unter www.foerderdatenbank.de des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden.

Informationen zu Fördermöglichkeiten im Rahmen von Aufstiegsfortbildungen (z.B. Meister- und Technikerausbildungen) nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG, auch Meister-BAföG genannt) finden Sie auch auf der Internetseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter der Internetadresse www.meister-bafoeg.info.

Ebenfalls unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Erwerbstätige bei beruflicher Fortbildung durch die sogenannte "Bildungsprämie" (www.bildungspraemie.info).

Berufsentwicklungsnavigator

Der interaktiver Online-Service stellt Ihnen umfassende Informationen zu den Themen Berufe, Weiterbildung und Beschäftigungschancen zur Verfügung.

Fra­gen und Ant­wor­ten

Erhalten Sie Antworten auf Fragen zur Qualifizierungsoffensive und zur Senkung des Arbeitslosenversicherungsbeitrages.

Qua­li­fi­zie­rungs­of­fen­si­ve am Ar­beits­markt

Seit dem 1. Januar 2019 gilt das Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosen­versicherung. Erfahren Sie mehr über die wesentlichen Bausteine des Gesetzes.

Ge­setz

Das Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosenversicherung.

3 Fra­gen an...

Haben Sie schon mal über eine berufliche Weiterbildung nachgedacht? Die Qualifizierungsoffensive des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unterstützt Sie dabei. Unsere Filmbeispiele "3 Fragen an" zeigen, warum sich Weiterbildung lohnt.

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