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Förderung der beruflichen Weiterbildung

15. April 2019

Mehrere Erwachsene sitzen vor Computern.

Wir stehen im Zeitalter der Digitalisierung und vielfältigen Veränderungen in Branchen, Betrieben und Berufen vor tiefgreifenden neuen Herausforderungen auch in der beruflichen Weiterbildung und Qualifizierung. Auch wenn die Verantwortung für die betriebliche Weiterbildung vorrangig bei den Arbeitgebern und Betrieben liegt, bleibt es wichtige Aufgabe der arbeitsmarktpolitischen Weiterbildung, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Betriebe bei qualifikatorischen Anpassungen zu unterstützen. Die Leistungen der Weiterbildungsförderung der Bundesagentur für Arbeit (BA) richten sich nicht nur an arbeitslose oder von Arbeitslosigkeit bedrohten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in einem Beschäftigungsverhältnis können bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen von einer Förderung profitieren. Das gilt insbesondere auch für Beschäftigte ohne oder mit einem nicht mehr verwertbaren Berufsabschluss, da sie ein überdurchschnittlich hohes Arbeitslosigkeitsrisiko haben. Die Regelungen zur Weiterbildungsförderung nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) finden grundsätzlich auch im Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) für erwerbsfähige Leistungsberechtigte in den Jobcentern Anwendung.

Informationen bietet der Internetauftritt der Bundesagentur für Arbeit.

I. Allgemeine Grundsätze der Weiterbildungsförderung

Die Notwendigkeit der beruflichen Weiterbildung kann anerkannt werden, um Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bei Arbeitslosigkeit beruflich einzugliedern, eine konkret drohende Arbeitslosigkeit abzuwenden, oder einen Berufsabschluss zu erreichen. Ziel ist die dauerhafte Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. Bei Arbeitslosigkeit bedeutet dies, dass die Weiterbildung nach Lage und Entwicklung des Arbeitsmarktes und des gewählten Bildungszieles grundsätzlich mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Beschäftigungsaufnahme führen muss.

Über eine Förderung entscheidet die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter. Ein Rechtsanspruch auf Förderung besteht grundsätzlich nicht. Wichtig ist, dass vor Beginn einer Weiterbildung eine Beratung durch die Agentur für Arbeit bzw. das Jobcenter erfolgte. Bei Vorliegen der gesetzlichen Förderungsvoraussetzungen erhält die Arbeitnehmerin bzw. der Arbeitnehmer von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter einen Bildungsgutschein ausgehändigt.

Der Bildungsgutschein weist u.a. das Bildungsziel, die zum Erreichen des Bildungsziels erforderliche Dauer und den regionalen Geltungsbereich aus. Unter den im Bildungsgutschein festgelegten Bedingungen kann der Gutscheininhaber den Bildungsgutschein bei einem für die Weiterbildungsförderung zugelassenen (zertifizierten) Träger seiner Wahl einlösen, solange er gültig ist. Aber auch die Maßnahme muss für die Weiterbildungsförderung zugelassen sein. Im Internetportal der BA findet sich die Aus- und Weiterbildungsdatenbank KURSNET, wo man sich über Weiterbildungsangebote informieren kann.

Der Bildungsgutschein enthält auch Angaben dazu, welche Weiterbildungskosten (z.B. Lehrgangskosten oder Fahrtkosten) übernommen werden können.

Bei beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kann auf die Ausstellung eines Bildungsgutscheins verzichtet werden, wenn der Arbeitgeber und die Arbeitnehmer damit einverstanden sind.

II. Förderung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ohne Berufsabschluss (Geringqualifizierte)

Nach wie vor haben Geringqualifizierte trotz der guten Beschäftigungsentwicklung Schwierigkeiten, einen Arbeitsplatz zu finden oder beschäftigt zu bleiben. Daher können nicht nur Arbeitslose, sondern auch beschäftigte Arbeitnehmer ohne Berufsabschluss durch Übernahme der Weiterbildungskosten gefördert werden, wenn sie einen Berufsabschluss direkt oder schrittweise (abschlussorientierte Teilqualifikationen) nachholen wollen. Abschlussorientierte Teilqualifikationen bzw. auch in der Weiterbildung verwertbare "Ausbildungsbausteine" sind eine geeignete Alternative, um Schritt für Schritt einen beruflichen Abschluss zu erreichen. Auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die zwar eine abgeschlossene Berufsausbildung haben, aber seit mindestens vier Jahren in an- oder ungelernter Tätigkeit beschäftigt sind und die erlernte Tätigkeit nicht mehr ausüben können ("Berufsentfremdung"), können den Erwerb eines Berufsabschlusses gefördert erhalten.

In diesen vier Jahren werden nicht nur Beschäftigungszeiten in un- und angelernter Tätigkeit, sondern neben Zeiten der Arbeitslosigkeit auch Pflege- und Erziehungszeiten mitberücksichtigt. Damit wird z. B. pflegenden Angehörigen und Berufsrückkehrern nach Familienzeiten der Zugang zur Weiterbildung erleichtert.

Die Förderung umfasst die volle Übernahme der Weiterbildungskosten. Arbeitslose erhalten für die Zeit der Weiterbildung das Arbeitslosengeld in der zuvor bewilligten Höhe fortgezahlt. Bei beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kann der Arbeitgeber, der seinen Arbeitnehmern das Arbeitsentgelt auch während der Weiterbildung fortzahlt, das auf die Weiterbildungszeiten entfallende Arbeitsentgelt bis zu 100 Prozent bezuschusst erhalten.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Schulzeit längere Zeit zurückliegt, haben möglicherweise Wissenslücken im Bereich von Grundkompetenzen, die einer erfolgreichen Teilnahme an der Weiterbildung entgegenstehen. Um hierbei den Zugang in eine berufsabschlussbezogene Weiterbildung zu erleichtern, können zur Vorbereitung Förderleistungen zum Erwerb von Grundkompetenzen (insbesondere in den Bereichen Lesen, Schreiben, Mathematik und Informations- und Kommunikationstechnologien) gewährt werden. Bei geförderten Weiterbildungen, die in der Zeit vom 01.08.2016 bis 31.12.2020 begonnen haben und zu einem Abschluss in anerkannten Ausbildungsberufen mit mindestens zweijähriger Dauer führen, können Förderteilnehmer zur Stärkung von Motivation und Durchhaltevermögen eine Weiterbildungsprämie erhalten (Informationen dazu auf der Website der BA, vgl. unter Weiterbildungsprämie). Bei betrieblichen Einzelumschulungen können umschulungsbegleitende Hilfen gefördert werden.

Um insbesondere junge Erwachsene ohne Berufsabschluss zu unterstützen, bietet die Initiative "Zukunftsstarter" der Agenturen für Arbeit und der Jobcenter jungen Erwachsene ab 25 Jahren bis unter 35 Jahre die Möglichkeit, einen Berufsabschluss nachzuholen. Das kann zum Beispiel über eine Umschulung, im Rahmen von Teilqualifikationen oder eines Lehrgangs bei einer Bildungseinrichtung erfolgen, der auf die sogenannte "Externenprüfung" vorbereitet. Informationen dazu finden sich unter diesem Link, vgl. unter Zukunftsstarter.

III. Weiterbildungsförderung beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer

Mit dem im Wesentlichen am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosenversicherung (Qualifizierungschancengesetz) wurde die Weiterbildungsförderung insbesondere für beschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erheblich ausgeweitet.

Die Fördermöglichkeiten zielen auf alle Beschäftigten, die berufliche Tätigkeiten ausüben, die durch Technologien ersetzt werden können, in sonstiger Weise von Strukturwandel betroffen sind oder die eine berufliche Weiterbildung in einem Engpassberuf anstreben, also in einem Beruf, in dem Fachkräftemangel besteht. Sie sollen ihre beruflichen Kompetenzen leichter fortentwickeln und anpassen können.

Die Übernahme von Weiterbildungskosten und die Zahlung von Zuschüssen zum Arbeitsentgelt setzen grundsätzlich eine Kofinanzierung durch den Arbeitgeber voraus. Für bestimmte Personengruppen (ältere oder schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in KMU oder solche in Kleinstbetrieben) sind Ausnahmemöglichkeiten von diesem Grundsatz vorgesehen.

Zuschüsse zum Arbeitsentgelt:

  • bis zu 25 Prozent für Unternehmen ab 250 Arbeitnehmer,
  • bis zu 50 Prozent für KMU und
  • bis zu 75 Prozent für Kleinstunternehmen.

Bei fehlendem Berufsabschluss und berufsabschlussbezogenen Weiterbildungen verbleibt es bei einer Zuschussoption von bis zu 100 Prozent.

Zuschüsse zu den Lehrgangskosten:

  • in Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten 100 Prozent,
  • in KMU mit bis zu 250 Beschäftigten bis zu 50 Prozent,
  • in größeren Betrieben ab 250 Beschäftigten bis zu 25 Prozent und
  • bei großen Unternehmen ab 2.500 Beschäftigten bis zu 15 Prozent und wenn eine tarifliche oder Betriebsvereinbarung zu Qualifizierung vorliegt, bis zu 20 Prozent.
  • Bei älteren Beschäftigten (ab 45. Lebensjahr) oder Beschäftigten mit einer Schwerbehinderung kann in KMU bis zu 100 Prozent gefördert werden.

Weitere Informationen zur Qualifizierungsoffensive befinden sich hier.

Bei der Möglichkeit der Weiterbildungsförderung sind einige Ausnahmen zu beachten, z.B. können Förderungen, die bereits nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz förderfähig sind (z.B. Weiterbildungen zum/zur Meister/in, Techniker/in), nicht unterstützt werden. Darüber hinaus können nur Weiterbildungen gefördert werden, die außerhalb des Betriebes bzw. von einem zugelassenen Träger im Betrieb durchgeführt werden und mehr als 160 Stunden dauern. Ausgeschlossen von der Förderung ist insbesondere auch die Teilnahme an solchen Maßnahmen, zu deren Durchführung der Arbeitgeber aufgrund bundes- oder landesrechtlicher Regelungen verpflichtet ist.

VI. Fördermöglichkeiten außerhalb der Arbeitsförderung

Neben den Förderinstrumenten der Bundesagentur für Arbeit in Deutschland stehen eine Reihe weiterer Förderprogramme zur Aus- und Weiterbildung zur Verfügung. Eine umfassende Übersicht ist unter www.foerderdatenbank.de des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie zu finden.

Informationen zu Fördermöglichkeiten im Rahmen von Aufstiegsfortbildungen (z.B. Meister- und Technikerausbildungen) nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG, auch Meister-BAföG genannt) finden Sie auch auf der Internetseite des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter der Internetadresse www.meister-bafoeg.info.

Ebenfalls unterstützt das Bundesministerium für Bildung und Forschung Erwerbstätige bei beruflicher Fortbildung durch die sogenannte "Bildungsprämie" (www.bildungspraemie.info).

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Qua­li­fi­zie­rungs­of­fen­si­ve am Ar­beits­markt

Seit dem 1. Januar 2019 gilt das Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosen­versicherung. Erfahren Sie mehr über die wesentlichen Bausteine des Gesetzes.

Ge­setz

Das Gesetz zur Stärkung der Chancen für Qualifizierung und für mehr Schutz in der Arbeitslosenversicherung.