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Andrea Nahles: "Sie haben unsere Anerkennung verdient"

Für ihr herausragendes soziales Engagement im Kampf gegen soziale Ausgrenzung überreichte die Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles, am Dienstagabend dreizehn Bürgerinnen und Bürgern die auf ihren Vorschlag vom Bundespräsidenten verliehenen Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. Die Ordensträgerinnen und Ordensträger haben sich mit besonderem Engagement für die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung eingesetzt, sie haben sich für sozial benachteiligte Menschen stark gemacht oder sehr erfolgreich für den Erhalt von Arbeitsplätzen und die berufliche Eingliederung gekämpft.

Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Andrea Nahles:

Deutschland ist ein starker und leistungsfähiger Sozialstaat. Jede und jeder kann sich darauf verlassen, im Alter, bei Krankheit oder in einer persönlichen Notlage die notwendige Hilfe und Unterstützung zu bekommen. Es ist ausdrücklich ein verbrieftes Recht, von der Solidargemeinschaft getragen zu werden. Aber was Staat und Solidargemeinschaft leisten und zur Verfügung stellen können, hat im Einzelfall bisweilen seine Grenzen. Wir brauchen jenseits der Institutionen Menschen, die hinsehen und sich kümmern, wo andere straucheln, verzagt sind oder ihre Rechte aus unterschiedlichen Gründen nicht wahrnehmen können. Wir brauchen eine starke Zivilgesellschaft, die da eintritt, wo Menschen weitere Unterstützung brauchen, um ein selbstbestimmtes Leben zu führen, um teilzuhaben am gesellschaftlichen Miteinander und um, so schlicht es klingen mag, einfach als Nächste mit ihren ganz persönlichen Bedürfnissen wahrgenommen zu werden.

Den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland erhalten:

Für ihr Engagement für die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilnahme von Menschen mit Behinderung:

  • Ingeborg Hirt aus Wernigerode
    Ingeborg Hirt war langjährige Vorstandsvorsitzende des Angehörigen- und Betreuerbeirates in der Evangelischen Stiftung Neinstedt e.V. und ist nunmehr Vorstandsmitglied. Seit über 20 Jahren leistet sie eine sehr engagierte ehrenamtliche Tätigkeit zum Wohle der Menschen mit Behinderung sowie deren Angehörige und Betreuerinnen und Betreuer in Neinstedt. Ein wichtiger Aspekt ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit war und ist die Suche nach Sponsoren, denn es gibt viele Dinge, die ein Mensch mit Behinderung für seinen Alltag und zur Verbesserung seines Gesundheitszustandes und seiner Lebenssituation benötigt, wofür aber keine finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Ingeborg Hirt trägt mit ihrer Arbeit wesentlich zum Auf- und Ausbau der Unterstützungsstrukturen für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörige in ihrer Umgebung bei und wird auch weiterhin viel Kraft und Zeit in diese ehrenamtliche Arbeit investieren, die ihr zur Berufung geworden ist.
  • Eva Maria Mittermeier aus Ergoldsbach
    Eva Mittermeier ist Mitgründerin der Kontaktgruppe "Sorgenkinder" für Mütter und Eltern mit entwicklungsauffälligen, geistig und/oder körperlich behinderten Kindern. Sie möchte Müttern und auch Vätern helfen, die für die Pflege und Erziehung ihrer Kinder einen wesentlich höheren Aufwand haben und dabei oft schnell an die Grenzen ihrer eigenen Person sowie die von Partnerschaft, Ehe und Familie stoßen. Die Kontaktgruppe steht den Eltern unterstützend zur Seite. Eva Mittermeier bietet stets ein offenes Ohr, denn manche Probleme werden schon kleiner, wenn man sie einmal besprechen kann und das Gefühl vermittelt bekommt, dass man nicht alleine ist.
  • Siegfried Schröder aus Paderborn
    Siegfried Schröder, pensionierter Sonderschulrektor, engagiert sich seit dem Jahr 2007 ehrenamtlich als Ombudsmann und Fürsprecher für geistig schwerst- und mehrfachbehinderte Menschen im Kreis Paderborn. Er steht ihnen, ihren Angehörigen und Einrichtungen der Behindertenhilfe immer wieder zur Verfügung und hilft mit, den Lebensalltag schwerstbehinderter Menschen zu verbessern. Besonders liegt ihm am Herzen, die Schwierigkeiten taubblinder Menschen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Der Verlust beider Sinne geht mit einer extremen Einschränkung von Kommunikationsmöglichkeiten und Sozialkontakten einher, durch die es immer wieder zu gesellschaftlicher Isolierung und Ausgrenzung kommen kann. In seiner ehrenamtlichen Tätigkeit hat Siegfried Schröder dazu beigetragen, die Lebensverhältnisse von behinderten Menschen im Kreis Paderborn zu verbessern und ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen.
  • Lucia Schneider-Hilse aus Hennef
    Lucia Schneider-Hilse, Lehrerin an einer Schule für Berufsorientierung, ist Initiatorin und Vorsitzende des Vereins "Schule für alle e.V." Eigene persönliche Erfahrungen bewegten sie, 2007 zusammen mit anderen Eltern den "Förderverein der KiTa Allner e.V." zu gründen. Im April 2008 folgte dann die Gründung des Vereins "Schule für alle e.V.", dessen Ziel es ist, mit seiner Arbeit das gemeinsame Leben und Lernen von Menschen mit und ohne Behinderung in allen Lebensbereichen voranzubringen. Als starke Triebfeder ist Lucia Schneider-Hilse in Sachen Inklusion unterwegs und begleitet zahlreiche Veranstaltungen als Teilnehmerin und Referentin. Viele Gespräche auf kommunaler Ebene und auf Landesebene lassen sie das Thema Inklusion in alle Bereiche weitertragen. Lucia Schneider-Hilse hat durch ihre mutige Beharrlichkeit und geduldige Gelassenheit viele Türen aufgestoßen und zahlreiche Denkanstöße für inklusives Lernen in Deutschland gegeben.

Für ihr Engagement für die berufliche Eingliederung in den Arbeitsmarkt und den Erhalt von Arbeitsplätzen:

  • Ulrich Gerlach aus Marsberg
    Ulrich Gerlach ist Diplom-Sozialpädagoge in der LWL-Klinik in Marsberg. Durch das begrenzte arbeitstherapeutische Angebot und die wenigen Möglichkeiten für psychisch kranke bzw. psychisch behinderte Menschen in Marsberg wurde ein Erst- oder Neueinstieg in eine Berufstätigkeit und ein längerfristiges Arbeitsverhältnis erschwert. Viele Patientinnen und Patienten ohne berufliche Perspektiven kamen früher oder später wieder in die Klinik. Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, gründete Ulrich Gerlach gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen 1988 den Verein "Arbeit und Beschäftigung für psychisch Behinderte Marsberg e.V.", der später in die AuB gemeinnützige GmbH überführt wurde. Menschen mit chronischen seelischen Erkrankungen, Personen mit anderen Handicaps und Beschäftigte einer Werkstatt erhalten dort die Möglichkeit, aus eigener Kraft ihren Lebensunterhalt auf dem Arbeitsmarkt zu bestreiten.
  • Dr. Czarina Wilpert aus Berlin
    Dr. Czarina Wilpert, Sozial- und Migrationsforscherin, wurde durch ihre eigenen Erfahrungen als Immigrantin in den USA motiviert und warb stets darum, dass Frauen internationaler Herkunft mit ihren besonderen Fähigkeiten in ihrem neuen Land anerkannt werden. Im Jahr 1990 gründete sie gemeinsam mit anderen Engagierten die Initiative Selbständiger Immigrantinnen. Ziel des gemeinnützigen Vereins ist die Förderung internationaler Frauen auf dem Weg in die Selbstständigkeit und die Förderung der Unternehmensgründung in Deutschland. Darüber hinaus ist Dr. Czarina Wilpert Mitgründerin und geschäftsführendes Vorstandsmitglied des 1996 gegründeten Vereins "Eine Welt der Vielfalt". Diese Bildungs- und Beratungsorganisation setzt sich aktiv für die Gestaltung einer Gesellschaft der Gleichbehandlung ein und kämpft für den Abbau von Barrieren wie Stereotypen, Vorurteilen und Ideologien einerseits und von institutioneller und individueller Diskriminierung andererseits. Die Wertschätzung der Vielfalt geht einher mit der Entdeckung von Gemeinsamkeiten aller als Bürgerinnen und Bürger.
  • Daniel Krauth und Patrick Teusch aus Hupperath und Benzweiler
    Daniel Krauth und Patrick Teusch sind Geschäftsführer des Tischler-Unternehmens padati GmbH. Im Jahr 2004 haben sie ihr Tischlerunternehmen in Eisenschmitt ins Leben gerufen. Heute gelten sie als leistungsfähiger Laden- und Innenausbauer und flexibler Zulieferer. Die Ausbildung benachteiligter junger Menschen mit Startschwierigkeiten in das Berufsleben liegt den beiden besonders am Herzen. Sie arbeiten seit Gründung mit dem Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Wittlich und dem Zentrum für qualifizierte Berufsvorbereitung, Berufsausbildung sowie berufliche Fort- und Weiterbildung im Landkreis Bernkastel-Wittlich zusammen. Viele sozial benachteiligte und lernbeeinträchtigte Jugendliche haben die Möglichkeit eines Betriebspraktikums, einer Tischlerausbildung und auch einer dauerhaften Beschäftigung bekommen. Mit positiver Einstellung, Überzeugungskraft und Geduld arbeiten sie gemeinsam an Zukunftsperspektiven und geben den jungen Menschen Chancen. Ihre Begeisterung für Menschen, ihr Ausbildungswille und ihr persönlicher finanzieller Einsatz haben aus diesen Jugendlichen unter anderem kreative Handwerkerinnen und Handwerker gemacht.
  • Paul Cvilak aus Waldbronn
    Paul Cvilak gründete im Jahre 2004 das erste gemeinnützige IT-Unternehmen Deutschlands - die AfB gemeinnützige GmbH. Geschäftsmodell der AfB gGmbH ist das IT-Remarketing sowie das Recycling gebrauchter IT-Hardware. Dabei beschäftigt die AfB gGmbH mehr als 200 Mitarbeiter, zu gleichen Teilen Menschen mit und ohne Behinderung. Alle Arbeitsschritte im Unternehmen sind barrierefrei gestaltet und werden von Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam verrichtet. Die Integration und die damit verbundenen Perspektiven sprechen für sich. Als Geschäftsführer der AfB gGmbH nimmt Paul Cvilak eine in hohem Maße gesellschaftliche und soziale Verantwortung wahr. Er realisiert vielseitige gemeinnützige Projekte. Mit der Gründung der Schwesterfirma Mobiles Lernen gGmbH werden Schulen, Eltern und Kinder dabei unterstützt, sogenannte Notebook-Klassen einzurichten. Durch die Zusammenarbeit mit der AfB gGmbH wird das soziale Engagement durch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung mit der Lösung einer nachhaltigen Bildungsfrage verknüpft.

Für ihr Engagement für sozial benachteiligte Menschen:

  • Wolfgang Palm aus Kaisersesch
    Wolfgang Palm, Diplom-Sozialpädagoge und Pädagogische Fachkraft im Ruhestand, engagiert sich seit rund 20 Jahren ehrenamtlich für die soziale Integration von Flüchtlingen. Im Jahr 1998 gründete er den "Freundeskreis für AussiedlerInnen" und war bis zum Jahr 2013 dessen Leiter. Auch heute ist er aktiv in diese Arbeit eingebunden und unterstützt die Initiative in vielfältiger Weise. Die Initiative entstand unter dem Leitgedanken "Wer geht mit?" und versteht sich seit jeher als Weggemeinschaft für ausgesiedelte und einheimische Menschen. Ziel ist es, deutsche und ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger enger zusammenzuführen. Wolfgang Palm ist es ein besonderes Anliegen, nicht nur Ratsuchende zu unterstützen und Integrationsberatung zu leisten, sondern die persönlichen Kontakte von deutschen und ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu fördern, gegenseitiges Verständnis zu wecken, Geselligkeit zu pflegen und schließlich Freunde zu gewinnen. Integration, Vielfalt und Teilhabe sind Wolfgang Palm seit jeher wichtige Themen.
  • Franziska Dinter aus Königs Wusterhausen
    Franziska Dinter, gelernte Friseurmeisterin, engagiert sich ehrenamtlich für benachteiligte und von Armut und Obdachlosigkeit betroffene Menschen. Indem sie mehrmals in der Woche kostenlos Friseurleistungen anbietet, setzt sie ihre Fähigkeiten für soziale Zwecke ein. Ein schwerer Unfall hinderte Franziska Dinter daran, ihr Friseurgeschäft fortzuführen. Mit ihrem eisernen Willen kämpfte sie sich zurück ins Leben. Franziska Dinter sagt: Ich habe so viel Kraft, die will ich nicht nur für mich alleine gebrauchen. Bereits im Jahr 2000 bereicherte sie daher die neu eröffnete Tee- und Wärmestube Königs Wusterhausen mit einem Hygieneangebot für Obdachlose und Bedürftige im Bereich von Haar- und Bartpflege. Sie ist auch in mehreren Berliner Einrichtungen unterwegs. Zuverlässig und unermüdlich stellt sie sich in den Dienst benachteiligter Menschen, zu denen inzwischen auch nach Deutschland geflüchtete Menschen gehören. Franziska Dinter beurteilt die Lebensumstände ihrer Kunden nicht. Mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit gibt sie ihnen jedoch ein Stück Würde zurück und Wertschätzung als Mitglied unserer Gesellschaft.
  • Dr. Sandra von Möller aus Köln
    Dr. Sandra von Möller hat im Jahr 2003 den gemeinnützigen Verein KIDsmiling als Privatinitiative ins Leben gerufen. Seitdem setzt sie sich mit regionalen Sport- und Kulturprojekten für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche ein, um sie zu fördern und ihnen Perspektiven für die Zukunft zu geben. Die Angebote des Vereins begegnen den täglichen Problemen der Kindervernachlässigung und -armut und der damit verbundenen eskalierenden Gewaltbereitschaft unter jungen Menschen. Der Verein bietet Kindern diverse Freizeitangebote. Besonders am Herzen liegt Dr. Sandra von Möller das Fußballprojekt. Die Idee war es, ein kostenloses Fußballtraining in jenen sozial belasteten Stadtteilen anzubieten, in denen Kinder und Jugendliche keine Anbindung an Vereine haben und häufig mit Alkohol, Drogen, Kriminalität, Gewalt und Perspektivlosigkeit konfrontiert sind. Es ist gelungen, das Fußballtraining zu einem etablierten Freizeitangebot für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Dr. Sandra von Möller war und ist es ein Anliegen, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Selbstmotivation zu stärken und sie für Zukunftsperspektiven stark und fit zu machen. Sie lernen nicht nur Fairness und Teamgeist, sondern erleben auch, dass man durch Ehrgeiz und Disziplin über sich hinaus wachsen kann.
  • Michael-Ron Stallwood aus Trier
    Michael-Ron Stallwood ist selbstständiger Projektmanager und Gründer sowie Vorsitzender des Vereins "Trier bewegt e.V." Der Verein versteht sich als Plattform für Personen und Gruppen, die eigene Projekte und Kampagnen verwirklichen wollen, ohne dafür einen eigenen Verein zu gründen. Er bietet den rechtlichen Rahmen, Infrastruktur und organisatorische Unterstützung. Schon lange vor der Gründung des Vereins war Michael-Ron Stallwood ehrenamtlich sehr aktiv. Sein Einsatz für Umweltschutz, fairen Handel und Demokratie sind dabei besonders hervorzuheben. Michael-Ron Stallwood setzt sich mit seiner ganzen Person für seine Projekte ein, lebt bewusst am Rande des Existenzminimums, spendet sein Geld Hilfsbedürftigen und stellt seine eigene Person immer in die zweite Reihe. Der Kampf gegen Armut ist für ihn ein grundlegendes Anliegen. Er ist aktiv geworden im Kampf gegen Obdachlosigkeit und engagiert sich für die Wiedereingliederung wohnungsloser Menschen. Das Projekt "EinTritt - die Würde des Menschen ist unantastbar" ist nur ein Beispiel, das zeigt, wie umfassend seine Arbeit ist. Mit dieser Kampagne soll verstärkt auf unwürdige Lebenssituationen aufmerksam gemacht werden. Primär steht bei der Initiative die Resozialisierung und Rehabilitierung obdachloser Menschen im Mittelpunkt.

Fotos von der Ordensübergabe an die Ausgezeichneten können Sie unter diesem Link zum kostenfreien Abdruck herunterladen.

Weiterführende Links

Ordensveranstaltung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Würdigung sozialen Engagements

Sozialversicherung
Pressemitteilung