Arbeitsschutz

Im Dialog mit der digitalisierten Arbeitswelt

Vielfältige und anspruchsvolle Anforderungen an einen zeitgemäßen Arbeitsschutz gut verstehen und klug steuern – GDA gut gerüstet auf dem Weg.

"Zukunft der Arbeit – Arbeitsschutz der Zukunft" lautete das Motto des zehnten Arbeitsschutzforums der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA). Am 14. und 15. September trafen sich etwa 200 Teilnehmende in der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund. Sie informierten sich und diskutierten über die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsschutz. Das einmal im Jahr stattfindende Arbeitsschutzforum berät die Nationale Arbeitsschutzkonferenz (NAK) mit dem Ziel, die Teilhabe der Fachöffentlichkeit am Dialog über einen zeitgemäßen Arbeitsschutz zu gewährleisten.

Im Mittelpunkt des Jubiläumsforums standen Chancen und Risiken durch die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt. Mithilfe dieser neuen Technologien lassen sich sowohl die Produktivität als auch die Flexibilität in Unternehmen steigern. Allerdings können damit einhergehende Faktoren wie die Leistungsverdichtung oder die ständige Verfügbarkeit zu Belastungen der Beschäftigten führen.

Zum Auftakt wandte sich Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, an das Forum. Gute Arbeit zu sichern und die Gesundheit der Arbeitnehmer zu schützen, sei die wichtige Aufgabe der GDA. Dabei bedankte sich die Bundesarbeitsministerin bei allen Mitstreitern für das in den vergangenen zehn Jahren Erreichte. Auch in der Industrie 4.0 bleibe es wichtig, so Nahles, Arbeit menschengerecht zu gestalten. Vor dem Hintergrund des stattfindenden Strukturwandels ging die Bundesarbeitsministerin auf drei Handlungsfelder im Bereich Arbeiten 4.0 ein. Im Bereich psychische Belastung nannte sie das Thema Arbeitszeitgestaltung. Dort wo die Grenzen zwischen Privat und Beruf verschwimmen, kann es zu Konflikten kommen. Zugleich wies Nahles auf die steigende Zahl von Frühverrentungen aufgrund psychischer Erkrankungen hin. Sie sei sich sicher, dass es keine Patentrezepte gäbe, um die psychische Belastung zu verringern, sondern viele Antworten nebeneinander. Hier würden Lösungen vor Ort gebraucht auch in Form von Flexibilitätskompromissen, die die Sozialpartner aufgrund ihrer Nähe zur Betriebspraxis vorantreiben könnten. Im Bereich der Organisation und Gestaltung der Arbeit eröffne die Digitalisierung Chancen, um Beschäftigte von monotoner Arbeit zu entlasten. Zugleich bestünde jedoch auch die Gefahr, dass der Mensch entqualifizierende Resttätigkeiten erledigen müsse. Neue Formen der Arbeitsorganisation wie Crowdworking oder globale Dienstleisterplattformen wie UBER könnten jedoch dazu führen, dass der Arbeitsschutz über solche Formen der Kleinstselbstständigkeit ausgehebelt wird. Als dritten Punkt führte die Bundesarbeitsministerin das Thema Führung 4.0 an. Da den Führungskräften eine Schlüsselposition im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zukäme, müsse eine neue Führungskultur entwickelt werden. Dabei müssten auch auf die Gegebenheiten vor Ort beachtet werden.

BAuA-Präsidentin Isabel Rothe wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass die DASA bereits vor sieben Jahren Gastgeber des Arbeitsschutzforums gewesen sei. Damals stand die GDA ganz am Anfang. Zwischenzeitlich habe sich die GDA erfolgreich etabliert und stünde vor der schwierigen Aufgabe, einen tiefgreifenden Wandel der Arbeit zu begleiten. Es gelte insbesondere zu beantworten, ob unsere Schutzziele weiterhin adäquat und unsere Arbeitsschutzinstrumente anschlussfähig seien. Zudem stelle sich die Frage, wie sich die Standards guter Arbeit mit den Flexibilitätsversprechen neuer Arbeitswelten vertragen. Hier könne die BAuA als Ressortforschungseinrichtung die Ergebnisse ihrer Vorlaufforschung in die Diskussion und die pragmatische Umsetzung einbringen.

Herzstück des Forums waren vier Workshops zum Leitthema "Zukunft der Arbeit – Arbeit der Zukunft", in denen die Teilnehmenden verschiedene Perspektiven einnahmen und ihre Ergebnisse in die Diskussion einbrachten. Im Bereich der Produktion befasste sich der Workshop mit den Herausforderungen der Zusammenarbeit von Mensch und Roboter. Hier ist die technische Entwicklung bereits fortgeschritten und wirkt als Treiber für den Arbeitsschutz. Insbesondere im Bereich der Kommunikation ergeben sich grundsätzliche Veränderungen für die Beschäftigten. Der "Kollege" Roboter kann auch auf emotionaler Ebene zu Akzeptanzproblemen führen. Zugleich geht soziale Unterstützung verloren. Die Arbeit mit den komplexen, dynamischen Systemen, mit denen sich geringe, fast individualisierte Losgrößen produzieren lassen, erfordert eine stärkere Qualifikation der Beschäftigten. Dies gilt ebenso für die Aufsicht, da beispielsweise die Gefährdungsbeurteilung angesichts dynamischer Veränderungen der Produktionssysteme deutlich komplexer wird.

Auch die Aufsicht muss auf die stattfindende Flexibilisierung von Arbeitszeit und –ort eingehen. Hier wurde für den Beginn einer grundsätzlichen Wertediskussion plädiert – was ist gesellschaftlich an staatlichem Eingriff gewollt; welche Maßstäbe setzen wir an gute Arbeit in der Arbeitswelt 4.0. Eine stärkere Kooperationen zwischen Unfallversicherungsträgern und Staat könnte zu einer intelligenteren Aufsichtsaufteilung führen. Die Zusammenarbeit in der GDA könnte hier eine Grundlage sein. Zudem sollte die Frage nach Mindestgrößen für die Aufsicht gestellt werden.

Im Mittelpunkt der Perspektive Kooperationen und Vernetzung stand das Präventionsgesetz. In der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) sind deutlich mehr Akteure vertreten als in der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz (NAK). Im Rahmen der arbeitsweltbezogenen Prävention spielt die GDA eine wichtige Rolle. So sind die GDA-Ziele bei den nationalen Präventionszielen zu berücksichtigen. Das Präventionsgesetz eröffnet neue Möglichkeiten, den Wirkungsgrad der betrieblichen Präventionsarbeit zu erhöhen. Die Stärken der verschiedenen Systeme sollten klug genutzt und noch intensiver vernetzt werden. Zugleich ist eine Synchronisation der Gremien beider Konferenzen anzustreben.

Die Perspektive kleine und mittlere Unternehmen (KMU)/Dienstleistung befasste sich primär mit der Pflege. Hier und im Bereich des Gesundheitswesens insgesamt ist eine stärkere Automation durch moderne Medizintechnik zu erwarten. Herausforderung für die Beschäftigen ist die Ambivalenz der Technikunterstützung: So führt diese zwar zu einer Verringerung von körperlichen Belastungen. Gleichzeitig besteht die Gefahr einer möglichen Deprofessionalisierung der Pflegetätigkeit, da die Arbeit weiter weg vom Menschen rückt. Insgesamt sollte der Bereich der personenbezogenen Dienstleistungen und Interaktions-/Emotionsarbeit zukünftig sowohl vom operativen Arbeitsschutz als auch forschungsseitig noch stärker auf die Agenda genommen werden.

Abschließend resümierte Michael Koll, BMAS, das 10. Arbeitsschutzforum. Er bedankte sich für die gute Organisation und die zahlreichen Anregungen und Erkenntnisse aus Workshops und Diskussionsrunden. Es würde deutlich, sagte Koll, dass sich der Arbeitsschutz der Digitalisierung der Arbeitswelt stellen muss und kann. Die Priorisierung würde in Zeiten von Arbeiten 4.0 schwieriger und komplexer. Eine menschengerechte Arbeit sei und bleibe ein zentrales Anliegen – hier sei die GDA mit ihren drei Kernelementen gut aufgestellt, um die vielen unterschiedlichen Arbeitsformen und Arbeitsbedingungen im Arbeitsschutz zu berücksichtigten.

Eine Dokumentation des 10. Arbeitsschutzforums wird es zeitnah im Internetangebot der GDA geben unter
www.gda-portal.de/de/Arbeitsschutzforum/10-Arbeitsschutzforum.html