Zum Inhalt springen
International

Auf Krisen vorbereiten und Folgen abmildern

Der Klimawandel und seine Auswirkungen gehören zu den drängendsten Herausforderungen, mit denen sich unsere Gesellschaften in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auseinander setzen müssen. Der Übergang hin zu einer grünen Wirtschaft ist notwendig und muss gleichzeitig inklusiv und sozial gerecht ausgestaltet sein. Nur wenn wir dabei alle gesellschaftlichen Gruppen mitnehmen und niemanden zurücklasssen, schaffen wir gesellschaftliche Akzeptanz und stärkeren Zusammenhalt.

Eine verantwortungsvolle Klimaschutzpolitik flankiert die notwendigen Klimaschutzmaßnahmen sozial und gleicht dort aus, wo sich überproportional hohe Belastungen für bestimmte Bevölkerungsgruppen ergeben.

Als führende Industrienationen haben wir als G7 die Verantwortung und die Möglichkeit, eine Vorreiterrolle einzunehmen. Wir können die notwenidgen Weichen stellen, um

  • die Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels sozial gerecht auszugestalten,
  • die Sozialschutzsysteme und den sozialen Schutz zu stärken und für künftige Extremsituationen krisenfest aufzustellen sowie
  • den universellen Sozialschutz weltweit voranzubringen.

Klimawandel sozial gerecht gestalten

Die aufgrund des Klimawandels erforderlichen Anstrengungen zum Umbau unserer Gesellschaften machen durchgreifende klimapolitische Maßnahmen in allen Bereichen erforderlich. Diese Maßnahmen werden jedoch auch soziale und verteilungspolitische Auswirkungen haben, die Teile unserer Gesellschaften unverhältnismäßig stark belasten können, wenn sie nicht sozial gerecht gestaltet werden. So treffen z.B. steigende Energiepreise einkommensschwache Haushalte in besonderem Maße.

Unterstützung da, wo sie nötig ist

Verantwortungsvolle und sozial ausgewogene Klimapolitik soll das Verursacherprinzip einbeziehen. Menschen und Regionen, die von extremen Wetterlagen oder vom Strukturwandel betroffen sind, müssen frühzeitig aktiv begleitet und wirksam unterstützt werden. Dieser Ansatz gilt gerade vor dem Hintergrund, dass Haushalte mit geringen Einkommen deutlich weniger CO2 verursachen als Haushalte mit höheren Einkommen.

Oxfam Jetzt herunterladen

Infografik zu Sozialschutz mit dem Titel: „Verursachte CO2-Emissionen nach Einkommen weltweit im Zeitraum 1990 bis 2015“.

Für 52% der CO2 - Emissionen sind die weltweit einkommensstärksten Haushalte verantwortlich. 15% der gesamten Emission werden durch das reichste 1% der Bevölkerung verursacht. 37% der Emissionen von den Reichsten 10%. Die mittleren 40% verursachen 41% der Emissionen. Dem gegenüber verursachen die Ärmsten 50% der Erde nur 7% der gesamten CO2-Emissionen. Die Pro-Kopf-Jahreseinkommensgrenze der reichsten 1% liegt bei 109.000 USD; die reichsten 10% bei 38.000 USD; mittlere 40% bei 6.000 USD; ärmsten 50% unter 6.000 USD.

Auf Grund der russischen Aggression und militärischen Invasion der Ukraine und den daraus resultierenden Sanktionen wird sich auch unsere Energiepolitik verändern. Dies wird zu weiter steigenden Energiepreisen führen. Zu den klimaschutzbedingten Preissteigerungen kommen daher noch die Preissteigerungen durch die Umorientierung der Energiebeschaffung hinzu.

Antworten auf drängende Fragen

Die G7 als führende Industrienationen tragen Verantwortung für eine ausgewogene Klimaschutzpolitik und wir setzen uns dafür ein, diese in Verbindung mit Sozialpolitik zu denken. Klimaschutz ist immer auch Schutz der Schwächsten der Gesellschaft.

Die Ausnahme wird zur Regel werden

Es ist davon auszugehen, dass extreme Wetterereignisse wie Dürren, Fluten oder schwere Stürme in den nächsten Jahren sowohl in ihrer Intensität als auch Häufigkeit zunehmen werden. Sogenannte Jahrhunderthochwasser an der Elbe und im Ahrtal zeigen, dass auch Deutschland nicht von den Auswirkungen verschont bleibt.

CRED;UNDRR Jetzt herunterladen

Infografik zu Sozialschutz mit dem Titel: "Anzahl der Naturkatastrophen weltweit in den Zeiträumen 1980 bis 1999 und 2000 bis 2019".

Die Grafik vergleicht die Häufigkeit von verschiedenen Arten von Naturkatastrophen weltweit, in den Zeiträumen von 1980 bis 1999 und 2000 bis 2019. Besonders für Überschwemmungen und Stürme lagen die Zahlen in den 19 Jahren zwischen 2000 bis 2019 vergleichsweise sehr viel höher als in den 19 Jahren zwischen 1980 und 1999. Dieser Trend lässt sich ebenso beobachten bei Stürmen, Erdbeben, extremen Temperaturen, Erdrutsche, Dürren, Flächenbrände und Vulkanausbrüche. Nur die Anzahl trockener Erdrutsche und Steinschläge sind rückläufig.

Bessere Vorbereitung auf extreme Ereignisse

Krisen und Katastrophen stellen den Arbeitsmarkt, die Sozialschutzsysteme und den sozialen Schutz insgesamt vor enorme Herausforderungen. Anpassungsfähige Sozialschutzsysteme können zu mehr Resilienz beitragen. Bei Krisen haben sie eine besonders bedeutende Rolle bei der Abfederung von sozioökonomischen Folgen. Wir wollen als G7  die Sozialschutzsysteme neu bewerten und u.a. die lessons learnt aus der globalen COVID-19-Pandemie verstärkt annehmen, uns über bestehende Maßnahmen der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik bei Krisen und Katastrophen austauschen sowie mögliche Best Practices identifizieren um die Resilienz von Sozialschutzsystemen zu stärken.

Universeller Sozialschutz für alle

Sozialschutz ist ein Faktor, der ganz wesentlich zu menschenwürdiger Arbeit und nachhaltiger Entwicklung beiträgt. Das "Recht eines jeden auf soziale Sicherheit einschließlich der Sozialversicherung" ist ein Menschenrecht verbrieft im Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (Sozialpakt) der Vereinten Nationen.

Als G7 wollen wir einen verstärkten Beitrag zur Erreichung der Ziele der Agenda 2030 leisten, insbesondere des Ziels 1.3. "den nationalen Gegebenheiten entsprechende Sozialschutzsysteme und -maßnahmen für alle umsetzen, einschließlich eines Basisschutzes, und bis 2030 eine breite Versorgung der Armen und Schwachen erreichen".

Mehr als vier Milliarden Menschen auf der Welt leben nach Daten der Internationalen Arbeitsorganisation ohne sozialen Schutz.

Wir tragen als führenden Industrienationen eine besondere moralische Verantwortung, um zu mehr sozialem Schutz für alle beizutragen. Denn er ist unerlässlich, um viele Menschen vor Armut zu bewahren. Im Rahmen von G7 wollen wir dieses wichtige Thema daher verstärkt in den Blick nehmen. Damit verbunden ist der Wille, sich auf  mögliche politische Schritte und Maßnahmen verständigen, um weltweit für mehr Sozialschutz einzutreten.

Weitere Informationen