Aus- und Weiterbildung

Jugendgarantie

Die Jugendgarantie ist eine wichtige europäische Initiative zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in der EU. Zentrales Ziel der bereits seit 2013 bestehenden Jugendgarantie ist es, dass alle jungen Menschen innerhalb von vier Monaten nach Schul- oder Ausbildungsabschluss bzw. nachdem sie arbeitslos geworden sind, ein hochwertiges Angebot für eine Beschäftigung, eine Aus- oder Weiterbildung oder ein Praktikum erhalten.

Am 1. Juli 2020 hat die Europäische Kommission einen Vorschlag zur Stärkung der Jugendgarantie vorgelegt, welcher nach Verhandlungen im Rat der EU am 30. Oktober 2020 von den Mitgliedstaaten einstimmig angenommen wurde. Die einstimmige Annahme der Empfehlungen zur verstärkten Jugendgarantie ist ein wichtiges Signal, dass die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, auch im Kontext der Covid-19 Pandemie, weiterhin Priorität auf der europäischen Agenda hat.

Von der weiterentwickelten Jugendgarantie können nunmehr junge Menschen bis zum 29. Lebensjahr profitieren. Der Fokus wird dabei auf besonders schutzbedürftige junge Menschen gelegt – wie beispielweise diejenigen, die mit einer Behinderung leben, die einer Minderheit angehören oder die in abgelegenen ländlichen Gebieten oder benachteiligten Stadtteilen wohnen. Jungen Menschen soll eine möglichst frühzeitige und individuell zugeschnittene Beratung angeboten und der Erwerb von – angesichts des Wandels der Arbeitswelt erforderlichen – digitalen und ökologischen Qualifikationen ermöglicht werden.

Wie wird die Jugendgarantie in Deutschland umgesetzt?

In Deutschland koordiniert das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die Umsetzung der EU-Jugendgarantie. Es ist für die Einbindung aller an der Umsetzung beteiligten Akteure und Partner auf allen Ebenen und in allen Bereichen zuständig. Das BMAS ist in seiner Funktion als "Jugendgarantie-Koordinator" auch Hauptansprechpartner gegenüber der Europäischen Kommission in Fragen der Umsetzung der EU-Jugendgarantie in Deutschland.

Wichtigster Partner bei der Umsetzung der Jugendgarantie ist die Bundesagentur für Arbeit (BA). Als maßgeblicher Dienstleister am Arbeitsmarkt erbringt sie für die Bürgerinnen und Bürger sowie für Unternehmen und Institutionen umfassende Leistungen am Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Der BA kommt bei der Umsetzung der Jugendgarantie somit eine zentrale Rolle zu. Auf örtlicher Ebene werden die Leistungen über ein flächendeckendes Netz von Agenturen für Arbeit sowie von Jobcentern zur Verfügung gestellt. Die Jobcenter setzen die Grundsicherung für Arbeitsuchende um; sie erbringen Leistungen der Vermittlung und Beratung, zur Aktivierung und beruflichen Eingliederung, zur Berufsausbildung, beruflichen Weiterbildung sowie zur Aufnahme einer Beschäftigung mit dem Ziel der Beendigung oder Verringerung der Hilfebedürftigkeit.

In vielen Kommunen bilden die örtliche Agentur für Arbeit, das Jobcenter und der örtliche Träger der Jugendhilfe (Jugendamt) gemeinsam eine Jugendberufsagentur (JBA). Die JBA dient jungen Menschen als zentrale Anlaufstelle vor Ort. Die einzelnen Träger sind in unterschiedlicher Weise und mit unterschiedlichen gesetzlichen Zielen für die Beratung und Integration junger Menschen in Gesellschaft, Ausbildung und Arbeit verantwortlich. Jeder Träger zeichnet sich in der Praxis durch ein differenziertes Hilfe- und Dienstleistungsangebot aus.

Welche Schwerpunkte gibt es bei der Umsetzung der verstärkten Jugendgarantie in Deutschland?

Wesentlich für die Umsetzung der Jugendgarantie ist eine gute Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure, die am Übergang junger Menschen von der Schule in den Beruf beteiligt sind. In der föderal aufgebauten Bundesrepublik Deutschland werden Leistungen für junge Menschen sowohl vom Bund als auch von den Ländern und Kommunen angeboten. Damit junge Menschen die Unterstützung erhalten, die sie benötigen, ist Koordinierung und Abstimmung zwischen den Trägern erforderlich. Zudem ist das Weiterentwickeln von Partnerschaften zwischen allen beteiligten Akteuren am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt von großer Bedeutung.

Dazu gehört in Deutschland insbesondere die stetige Weiterentwicklung der Jugendberufsagenturen (JBA). Das BMAS setzt sich für ein flächendeckendes Angebot von JBA ein und unterstützt bestehende JBA durch verschiedene Aktivitäten wie die Bereitstellung einer Servicestelle, eines Selbstbewertungstools zur Weiterentwicklung der JBA oder durch das IT-System YouConnect, das die einzelfallbezogene Fallarbeit zwischen verschiedenen Trägern der JBA vereinfachen soll.

Im Rahmen der Initiative Bildungsketten stimmen BMBF, BMAS und die BA mit den Ländern ihre Aktivitäten und Programme aufeinander ab. Gemeinsam übernehmen sie Verantwortung für die Begleitung und Unterstützung von jungen Menschen am Übergang Schule – Beruf. Zentrale Handlungsfelder sind dabei die Berufliche Orientierung, die individuelle Unterstützung in der Schule, am Übergang in eine Berufsausbildung oder in ein Studium sowie während der Ausbildung.

Die Allianz für Aus- und Weiterbildung, in der sich die unterschiedlichen Akteure am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt – und damit auch das BMAS und die BA – zusammengeschlossen haben, setzt sich zum Ziel, möglichst alle Menschen zu einem qualifizierten Berufsabschluss zu bringen und dabei die duale Ausbildung zu stärken. In den schwierigen Corona-Zeiten ist die Allianz sehr aktiv, um mit Aktionen und Informationen Auszubildende und Unternehmen zusammenzubringen und zu unterstützen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erreichbarkeit junger Menschen. Damit junge Menschen generell von den Angeboten zur Berufsorientierung, Beratung und Ausbildungsvermittlung Gebrauch machen können, müssen diese auf unterschiedlichen Kommunikationswegen erreicht werden. Die BA unterstützt junge Menschen am Übergang Schule – Beruf nicht nur durch traditionelle Formate der Berufsberatung und der Berufsorientierung, sondern – verstärkt vorangetrieben durch die Corona-Pandemie – auch durch ihr vielfältiges Online-Angebot bestehend aus verschiedenen Webseiten im Online-Portal arbeitsagentur.de, Apps und Social Media. Die Online-Medien der BA begleiten junge Menschen bei allen Schritten der beruflichen Orientierung: Während des Berufswahlprozesses werden sie auf dem Weg zum passenden Beruf mit Leitfäden unterstützt, die junge Menschen motivieren sollen und alle relevanten Phasen hin zur Berufswahl abbilden. Interessierte können die Medien eigenständig zu eigenen Recherchen nutzen, sie eignen sich aber auch zum Einsatz in Beratungen oder im Unterricht. Die Online-Medien ergänzen damit das persönliche Gespräch bei der Berufsberatung und bieten auch Informationen für Lehrkräfte und Eltern.