Ergebnisse des Symposiums zur EuGH-Rechtsprechung im BMAS
Das BMAS hat am 26. Juni das Symposium "Die Auswirkungen der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes auf das Arbeitsrecht der Mitgliedstaaten" veranstaltet. Im Mittelpunkt standen dabei die aktuellen EuGH-Urteile Viking, Laval, Rüffert und Kommission/Luxemburg.
Die Urteile Viking und Laval betrafen das Verhältnis des Streikrechts einerseits und der Grundfreiheiten der Unternehmen im Binnenmarkt andererseits. In den Entscheidungen Rüffert und Kommission/Luxemburg sah der EuGH nationale Bestimmungen zum Schutz der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als unvereinbar mit der Entsende-Richtlinie und der Dienstleistungsfreiheit an.
Dank der Teilnahme renommierter Expertinnen und Experten fand das Symposium auf hohem Niveau statt. Viele Referentinnen und Referenten sprachen das grundsätzliche Verhältnis von Grundrechten und Grundfreiheiten an. Sie kritisierten dabei die Tendenz des EuGH, die Grundfreiheiten (Dienstleistungsfreiheit und Niederlassungsfreiheit) über die Grundrechte (Streikrecht) zu stellen. Der Auslegung der Entsende-Richtlinie durch den EuGH wurde von einigen Rednerinnen und Rednern insoweit widersprochen, als dass sie das in der Richtlinie enthaltene Günstigkeitsprinzip aushöhle; es wurde darauf hingewiesen, dass die Richtlinie Mindeststandards für den Arbeitnehmerschutz und nicht, wie vom EuGH ausgelegt, zugleich Höchststandards enthalte.
Als Reaktionsmöglichkeit auf die Urteile auf europäischer Ebene wurde eine Umgestaltung der Entsende-Richtlinie vorgeschlagen. Außerdem wurde die Möglichkeit einer Änderung der Rechtsprechung im Hinblick auf ein mögliches Inkrafttreten des Vertrages von Lissabon und der darin enthaltenen sozialen Querschnittsklausel diskutiert. Des Weiteren wurde deutlich, dass die Position des Europäischen Parlaments zu den diskutierten Urteilen weitere wichtige Impulse für die Diskussion auf europäischer Ebene geben kann.
Als Handlungsmöglichkeiten auf nationaler Ebene wurde der verstärkte Gebrauch von allgemeinverbindlichen Tarifverträgen vorgeschlagen. Der DGB forderte die Einführung eines allgemein gesetzlichen Mindestlohnes.
In Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Sozialrecht wird eine Dokumentation über das Symposium herausgegeben werden. Im Folgenden können die Beiträge der Referentinnen und Referenten abgerufen werden, soweit sie bereits vorliegen.
Infos und Materialien zum Thema:
- Symposium am 26. Juni 2008 im BMAS - Programm (deutsch)
- Symposium am 26. Juni 2008 im BMAS - Programm (englisch)
- Symposium am 26. Juni 2008 im BMAS - Programm (französisch)
- Europäisches Marktrecht vs. soziales Europa, Prof. Dr. Antoine Lyon-Caen, Universität Paris-Nanterre
- Grundrechte und Grundfreiheiten im Kollektiven Arbeitsrecht vor dem Hintergrund der neuen EuGH-Rechtsprechung, Prof. Dr. Robert Rebhahn, Universität Wien
- Fundamental Rights and Fundamental Freedoms in Collective Labour, Prof. Dr. Robert Rebhahn, Universität Wien, (englisch)
- Die Auslegung der Entsende-Richtlinie durch den EuGH in den Entscheidungen Laval und Rüffert, Prof. Dr. Juliane Kokott, Generalanwältin beim EuGH
- The ECJ's Interpretation of the Posting Directive in the Laval and Rüffert Judgements, Prof. Dr. Juliane Kokott, Advocate General at the Court of Justice of the European Communities (englisch)
- Das soziale Europa aus der Perspektive der Gerichtsbarkeit - deutsche Sicht, Dr. Ulrich Koch, Richter am BAG
- Replik der Europäischen Kommission, Armindo Silva, GD Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit
- Gestaltungsspielräume aus deutscher Sicht, Prof. Dr. Wolfgang Däubler, Universität Bremen
- Replik der deutschen Sozialpartner, Helga Nielebock, Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
- Replik der deutschen Sozialpartner, Roland Wolf, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA)
- Gestaltungsspielräume aus skandinavischer Sicht, Prof. Dr. Niklas Bruun, Universität Helsinki, IPR University Center
- Replik der schwedischen Sozialpartner, Claes-Mikael Jonsson, Schwedischer Gewerkschaftsbund (LO)
- Replik der schwedischen Sozialpartner, Lars Gellner, Vereinigung schwedischer Unternehmen (Svenskt Näringsliv)
