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EGF-Projekte in Deutschland

23. März 2016

Karte von Europa, Deutschland ist mit blauer Farbe hervorgehoben.

Bisher hat Deutschland neun Anträge mit einem EGF-Fördervolumen von insgesamt rund 53 Mio. Euro gestellt und erfolgreich zum Abschluss gebracht.

Der EGF unterstützte im neunten EGF-Projekt ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Adam Opel AG am Standort Bochum sowie des Zulieferers Johnson Controls, die aufgrund der Werksschließung von Opel in Bochum ihren Arbeitsplatz verloren haben. Der EGF half diesen Personen, wieder in Arbeit zu kommen bzw. sich optimal auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Hierfür arbeiteten die Europäische Union, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und die Sozialpartner Hand in Hand.

Adam Opel

Ohne die Fördermittel aus dem EGF wäre das nicht möglich gewesen, erklärt Michael Millner. Das Rundum-Paket, vom Erstkontakt bis hin zur Einstellung, hat mir viel persönlichen Organisationsaufwand abgenommen und ich konnte mich erfolgreich auf den Auswahltag und das Bewerbungsverfahren bei BMW konzentrieren. Und das Ergebnis spricht für sich, sagt Michael Millner, ehemaliger Mitarbeiter bei Opel.

Erfolgsbericht von Michael Millner

Vor der Antragstellung des EGF

Bereits vor Schließung des Opel-Werkes zum 31. Dezember 2014 am Standort Bochum war absehbar, dass fast 3.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Bochum ihre Anstellung verlieren würden. Aus diesem Grund setzte sich das BMAS frühzeitig mit den beteiligten Sozialpartnern zusammen und diskutierte über einen möglichen Einsatz des EGF. Beteiligt waren von Beginn an neben dem BMAS die Personalabteilung und der Betriebsrat der Adam Opel AG, die von Opel eingesetzte Transfergesellschaft TÜV Nord Transfer GmbH & Co KG, die IG Metall, das Arbeitsministerium NRW und die Bundesagentur für Arbeit.

Weitere Informationen

Der EGF-Antrag zu Opel als Merkblatt und das Prüfverfahren durch die EU-Haushaltsbehörde

Pressemitteilung des Bundesarbeitsministeriums zur Bewilligung der EGF-Förderung von Opel

Die Umsetzung des Projektes

Während der Laufzeit des Projektes konnten die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Opel und Johnson Controls mit Hilfe der EGF-Mittel individuelle und personalisierte Angebote aktiver Arbeitsmarktpolitik nutzen. Hierzu gehörte unter anderem Unterstützung bei der Arbeitssuche durch Beratung und Coaching sowie die Vorbereitung auf Gespräche mit möglichen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern. Durch Einzel- und Gruppenqualifizierungen wurde es den Teilnehmenden ermöglicht, sich bestmöglich auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vorzubereiten. Workshops und Peergroups schafften einen Raum, in dem auf spezielle Probleme und individuelle Lösungen eingegangen werden konnte. Bei Arbeitsaufnahme wurde mit einer Nachbetreuung dafür gesorgt, dass die Teilnehmenden den Kontakt zueinander und zum Projektumsetzer hielten und beim Wiedereinstieg in die neue Arbeit unterstützt wurden.

Der EGF ermöglichte zudem innovative Konzepte, wie beispielsweise das "Job-Speed-Dating" (nähere Informationen im Newsletter der TÜV NORD Transfer GmbH & Co. KG zum Job-Speed-Dating).

Das EGF-Projekt Opel - Zahlen, Daten, Fakten

  • Teilnehmende: 2.692
  • Antragstellung: 26.02.2015
  • Antragsbewilligung: 06.10.2015
  • Projektzeitraum: 01.08.2015-27.01.2017
  • Fördersumme: 11,6 Mio. Euro, davon 6,9 Mio. Euro vom EGF
  • Projektumsetzer: TÜV Nord Transfer GmbH & Co. KG
  • Projektinhalte: Qualifizierungen, Jobbörsen, Beratung, Peergroups, 
    Workshops, usw.

aleo solar:

Für die Förderung von 476 Entlassenen des Photovoltaik-Unternehmens aleo solar wurden 1,1 Mio. Euro EGF-Finanzbeitrag von der EU für den Förderzeitraum von September 2014 bis Oktober 2015 genehmigt. Die Entlassungen waren Folge einer Werksschließung an den Standorten Prenzlau und Oldenburg. Ein Grund für diese Entwicklung war der Preisverfall für diese Produkte aufgrund von Überproduktion, vor allem in China. Der Projektumsetzer war die BOB Transfer GmbH. Da sehr viele EGF-Teilnehmerinnen und Teilnehmer über 50 Jahre alt waren, wurden unter anderem spezielle Workshops für diese Zielgruppe eingerichtet. Außerdem wurden viele Qualifikationen auf Grundlage eines intensiven Profilings vorgenommen, sodass viele ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Werkes in einem ähnlichen Tätigkeitsfeld weiterarbeiten konnten. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu aleo solar und bei den Meldungen des BMAS.

Ein Mann arbeitet an einer Solaranlage.
Quelle:  iStock

First Solar:

Ebenfalls aus der Solar-Branche wurde für 875 Entlassene des Unternehmens First Solar in Frankfurt (Oder) eine Förderung mit 2,3 Mio. Euro aus dem Europäischen Globalisierungsfonds genehmigt. Mit einer Integrationsquote (z. B. Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen oder selbstständigen Tätigkeit) von über 70 Prozent zwölf Monate nach Projektende wurde das Projekt durch die Transfergesellschaft TÜV Rheinland erfolgreich abgeschlossen. Dieser Erfolg war nur möglich durch gezielte Weiterqualifizierungen und die besonders intensive Stellenakquise des Transferdienstleisters in enger Kooperation mit den Arbeitsagenturen vor Ort. Das Projekt lief von Januar 2013 bis August 2014. Weitere Informationen zu First Solar finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu First Solar und in den Meldungen des BMAS.

manroland:

Im EGF-Fall manroland wurden in verschiedenen Bundesländern Entlassene im Bereich der Druckmaschinen gefördert. Aus Brüssel wurde für diesen Fall eine Fördersumme von 5,3 Mio. Euro aus dem EGF für über zweitausend ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereitgestellt. Nach einem Förderzeitraum von August 2012 bis Mai 2013 wurde ein Jahr nach Projektende eine Integrationsquote von über 70 Prozent erreicht. Die Umsetzung erfolgte über die Projekt- und Transfergesellschaften PTG sowie PRM Frankfurt. Beim Projektbesuch von Mitgliedern des Beschäftigungsausschusses des Europaparlaments im Februar 2013 in Offenbach konnten sich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier von der Umsetzung der EGF-Maßnahmen ein Bild machen. Insbesondere die persönlichen Erfahrungsberichte der EGF-Teilnehmerinnen und Teilnehmer verdeutlichten den Mehrwert der EGF-Förderung. Besonders zielführend war die Ermöglichung passgenauer Weiterqualifizierungen. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu manroland und bei den Meldungen des BMAS.

Automotive Düsseldorf/Arnsberg:

In den Regierungsbezirken Arnsberg und Düsseldorf wurde eine EGF-Förderung für insgesamt 778 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von fünf Automobilzulieferern beantragt. Grund für die Entlassungen waren negative Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise für die deutsche Automobilindustrie. Im Förderzeitraum von März 2010 bis Juli 2012 erschwerte der noch schwache Arbeitsmarkt die Möglichkeiten, ohne Unterstützung wieder eine Anstellung zu finden. Der beantragte Finanzbeitrag des EGF betrug bei diesem Fall 4,3 Mio. Euro. Die Teilnehmenden des EGF-Projektes wurden von zwei Transferdienstleistern betreut: Weitblick Personalpartner und PEAG Transfer. Eine Besonderheit des Projektes war, dass ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr unterschiedlicher Unternehmen gefördert wurden, sodass sich die Transferdienstleister einer sehr uneinheitlichen Teilnehmergruppe gegenüber sahen. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu Automotive Düsseldorf/Arnsberg und bei den Meldungen des BMAS.

Eine Druckmaschine druckt.
Quelle:  iStock

Heidelberger Druck:

Mit dem EGF-Projekt Heidelberger Druckmaschinen wurde von Januar 2010 bis Ende Juni 2011 ein Projekt im Bereich Druckmaschinen gefördert. Grund hierfür waren die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise. Insgesamt wurde ein EGF-Finanzanteil von 8,3 Mio. Euro für 1.181 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genehmigt. Dieses Projekt zeigte ein Jahr nach seinem Ende eine Integrationsquote von fast 83 %. Damit ist es bemessen an seiner Integrationsquote das bisher erfolgreichste Projekt. Dies wurde vor allem durch die passgenauen Qualifikationen erreicht, die durch die EGF-Förderung ermöglicht wurden. Zusätzlich wirkte sich der wirtschaftliche Aufschwung in dieser Zeit positiv auf die Anschlussbeschäftigungen der EGF-Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus. Projektumsetzer vor Ort waren die Transfergesellschaften Weitblick Personalpartner und DEKRA. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu Heidelberger Druck und bei den Meldungen des BMAS.

Karmann:

Mit 6,2 Mio. Euro EGF-Förderanteil wurde ein Antrag im Automobilbereich für einen Förderzeitraum von Februar 2009 bis Juni 2010 für 1.793 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zweier Unternehmen der Karmann-Gruppe genehmigt. Zu den Entlassungen führten negative Folgen der Globalisierung, vor allem die erstarkte Nachfrage und Produktion in asiatischen Ländern. Projektumsetzer war die Transfergesellschaft Silberstreif Personalpartner. Die EGF-Förderung bei diesem Fall erlaubte, dass für eine längere Zeit Maßnahmen angeboten und Personen mit mehreren vermittlungshemmenden Merkmalen angemessen betreut werden konnten. Der EGF ermöglichte ein ausreichendes Profiling sowie die Heranführung an Qualifikationsmaßnahmen und an den aktuellen Arbeitsmarkt. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu Karmann und bei den Meldungen des BMAS.

Nokia:

Mit dem Nokia-Werk in Bochum wurde das letzte große Werk eines Mobiltelefonherstellers in Deutschland geschlossen. Insgesamt wurden 5,6 Mio. Fördergelder aus Brüssel für 1.316 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Reintegration in den Arbeitsmarkt beantragt. Die Projektumsetzung von August 2008 bis Januar 2010 erfolgte über die Transfergesellschaft PEAG Transfer. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu Nokia.

Mehrere bunte Simkarten sind hintereinander aufgestellt, die ersten beiden sind im Fallen.
Quelle:  iStock

BenQ:

Mit BenQ wurde der erste deutsche EGF-Fall und der zweite Fall überhaupt in der ersten Förderperiode des EGF (2007 - 2013) durchgeführt. Der Antrag bezog sich auf 2.528 ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens BenQ Mobile GmbH&Co OHG, die in einem Zeitraum von Januar 2007 bis Mai 2008 gefördert werden sollten. Der genehmigte EGF-Finanzbeitrag betrug 12,8 Mio. Euro. Grund für die Entlassungen war eine Strategie der Standortverlagerung des taiwanesischen Mutterkonzerns BenQ Corporation nach Taiwan, China und Brasilien. Es wurden Entlassene an zwei Standorten gefördert: in NRW und in Bayern. Bei der Umsetzung dieses EGF-Falles konnten das erste Mal die Vorteile der EGF-Förderung genutzt wurden. Besonders hervorzuheben ist, dass die Geförderten nicht nur von einer langen Förderperiode profitierten, sondern auch von maßgeschneiderten und innovativen Förderkonzepten, wie beispielsweise Peergroups und kostenintensiven Qualifikationsmaßnahmen. Außerdem wurde durch den EGF eine intensive Beratungstätigkeit ermöglicht, unter anderem durch einen sehr guten Beratungsschlüssel. Projektumsetzer waren die Transfergesellschaften PEAG mbH in NRW und TRAIN in Bayern. Beide Transfergesellschaften arbeiteten eng mit den örtlichen Arbeitsagenturen zusammen. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der EU-Kommission zu BenQ.

Übersicht der deutschen EGF-Anträge
AntragDatum AntragstellungZeitraum EGF-UnterstützungEGF-Finanzbetrag lt. Antrag (in Mio.)Anzahl zu fördernder Betroffener laut Antrag
BenQ27.06.0701.01.07-31-05.0812,8 Mio. €2528
Nokia06.02.0901.08.08-31.01.105,6 Mio. €1316
Karmann13.08.0901.02.09-30.06.106,2 Mio. €1793
Heidelberger Druck27.05.1001.01.10-30.06.118,3 Mio. €1181
Automotive Düsseldorf/Arnsberg09.02.1101.03.10-31.07.124,3 Mio. €778
manroland04.05.1201.08.12-31.05.135,3 Mio. €2103
First Solar12.04.1301.01.13-31.08.142,3 Mio. €875
aleo solar29.07.1401.09.14-30.09.151,1 Mio. €476
Adam Opel26.02.1501.06.15-30.11.166,9 Mio. €2692